Im Rahmen unserer Tour nach Oslo und dem Besuch bei Hegel konnten wir bereits 2018 einen persönlichen und seiner Zeit exklusiven Blick auf die neue R-Serie aus dem Hause KEF werfen. Diese wurde zum Vorgänger grundlegend verändert, welches die insgesamt 1043 neuen Bauteile unterstreichen. Nach der kompakten R3 (zum Testbericht), haben wir uns nun auch den "kleinsten" Standlautsprecher der Reihe, die R5, genauer anschauen.
Die Ende letzten Jahres vorgestellte R-Serie wurde von KEF grundlegend neu entwickelt und beherbergt viele Neuerungen zur erfolgreichen Vorgänger-Serie. Alle Informationen zu R-Serie hatten wir im September 2018 schon ausführlich für euch zusammengetragen: KEF R-Serie 2018 im Kurzcheck
Mit "1043 individuellen Änderungen" hat die R-Serie aus dem Jahre 2018 nicht mehr viel mit ihrer Vorgängervariante gemein. Der Nachfolger der R-Serie sieht optisch deutlich dezenter aus, geht mehr in Richtung der ebenfalls aus dem Hause KEF stammenden Reference-Serie, ist bis auf ein paar Detaillösungen inzwischen wirklich davon schwer zu unterscheiden. Beim Gehäuse setzen die Briten auf hochglänzende Farbvarianten in Schwarz und weiß, aber im Gegensatz zur Vorgänger-Serie, gibt es nur noch eine Holzfurnier-Oberfläche mit "europäischer Walnuss". Bei der Form geht man keine Wagnisse ein, so ist die R5 ein schlanker, kantiger Standlautsprecher im modernen Look und sehr wertiger Ausführung. Der Lack ist auch sehr gut aufgetragen, überzieht das komplette Gehäuse und bietet eine gewisse Tiefe, welche Spiegellungen in der Oberfläche gut aufgreift und durch die Qualität den Standlautsprecher sehr edel wirken lässt.
Dadurch das die einzelnen Treiberchassis nicht mehr von einem silbernen Ring eingefasst sind, sondern die Farbe des Gehäuses aufgreifen, ist das Erscheinungsbild auch deutlich zurückhaltender geworden und eben der Reference-Serie sehr ähnlich. Letztere stand auch Pate bei dem sogenannten Trimring-Design. Wie bei der Flaggschiff-Reihe möchte man mit diesen Ringen Beugungseffekten an den Lautsprecherkanten entgegenwirken und somit dem Abstrahlwinkel optimieren bzw. Verfärbungen im Mitteltonbereich minimieren. Die 28 Kilogramm Lebendgewicht ruhen auf stabilen Aluminium-Traversen, die vom Nutzer selbst angebracht werden müssen und durch die beiliegenden Spikes sowie dem Schlüssel in der Höhe verstellbar sind und somit an die Bodengegebenheiten angepasst werden können. Das recht hohe Gewicht liegt an dem massiven MDF-Gehäuse und dem ausgeklügelten Versteifungssystem, welches KEF Constrained Layer Damping nennt. Damit möchte KEF im Inneren die Schwingungen reduzieren bzw. bedämpfen können.
Charakteristisch für einen Lautsprecher aus der Feder der Briten ist der Uni-Q-Treiber, sicherlich einer der prägendsten Schallwandler der letzten zwanzig Jahre. Aber die Treiber wären nicht so erfolgreich, würde man ihn nicht ständig weiterentwickeln bzw. an die neuen Gegebenheiten anpassen. So sitzt in der aktuellen R-Reihe die mittlerweile zwölfte Generation des Uni-Q-Treibers, welcher ein neues Antriebssystem erhalten hat und im Mitteltonbereich eine Verbesserung mitbringt. Dazu kommt ein neues Struktur- und Dämpfungssystem, welches für geringere Resonanzen und einer gleichmäßigeren, transparenteren und detaillierteren Hochtonwiedergabe sorgen soll. Zusätzlich hat man den äußeren Ring optimiert, wieder einmal stand die Reference-Serie Pate - mit dem sogenannten "Shadow Flare" möchte KEF klanglich schädlichen Beugungen an den Gehäusekanten im Hochtonbereich entgegenwirken. Aber nicht nur der Uni-Q hat eine Optimierung erfahren, sondern auch die Tieftontreiber wurden aus technischer Sicht überarbeitet.
So ist die eingesetzte Membran steifer bzw. stabiler geworden und wird von einem verbesserten Antrieb versorgt, welches zusammen für eine bessere Bassperformance in der Kraftentfaltung, ein schnelleres Ansprechverhalten und einen guten Tiefgang sorgen soll. Weitere sichtbare Änderungen findet das geschulte KEF-Auge auf der Rückseite des Lautsprechers. So wurde der Bassreflex-Port minimal versetzt, sitzt nicht mehr exakt mittig, sondern etwas an den Rand platziert. Zusätzlich ist das Bassreflex-Rohr in sich flexibel, dass heißt die Wände können reagieren und sollen verhindern das Längsresonanzen den Mitteltonbereich verfärben. Zur Anpassung an die räumlichen Gegebenheiten liefert KEF einen zweiteiligen Stopfen für das Bassreflex-Rohr mit, welcher den Port entweder komplett oder teilweise verschließt. Das schicke Anschlusspanel aus Aluminium bietet interne Metallbrücken, die es ermöglichen die R5 im Single- oder Bi-Wiring (Bi-Amping) zu betreiben. Schraubt man die mittig sitzenden Schrauben heraus, werden die internen Brücken nicht verbunden und man kann den Lautsprecher im Bi-Wiring bzw. Bi-Amping beitreiben. Reingeschraubt verbindet man die internen Brücken und es reicht ein einfaches Kabel zur Kommunikation. Das kennt man so schon von der Vorgängerserie, bleibt aber eine wertige und praktische Lösung.
Wer jetzt auf unseren Fotos die Frontabdeckung vermisst (...) das ging uns genauso. KEF legt ihrer aktuellen R-Serie keine Frontbespannungen bei, da man davon ausgeht, dass man den schicken Lautsprecher eh nicht verstecken möchte. Sollte man dennoch welche benötigen, kann man diese optional nachbestellen. Vorteil, man bekommt sehr wertige Abdeckungen und kann sich die Farbe sogar noch aussuchen. So sind die neuen Frontabdeckungen mit Mikrofaserstoff bespannt, welcher nur minimale Auswirkungen auf den Klang haben soll. Sämtliche Frontblenden werden von Hand gefertigt und bestehen aus dreizehn einzelnen Lagen, die gepresst und mit Wärme "verbacken" werden und zugleich den hochwertigen Charakter der R-Serie weiter unterstreichen sollen. Erhältlich sind die Abdeckungen in den Farben in grau, braun und schwarz. Optisch ist der schlanke R5 Standlautsprecher ein absoluter Hingucker. Trotz kantigem Design, wirkt gerade die weiße Farbvariante sehr grazil und die hochwertige Verarbeitung lässt die Serie nah an die Reference-Serie, optisch zumindest, herankommen. Mal sehen ob sich das auf der klanglichen Ebene ähnlich verhält.
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