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Filmrezension: Tenet

Ein namenloser CIA-Mitarbeiter ist in eine Operation an der Oper von Kiew beteiligt. Dort sollten Terroristen Sprengsätze deponiert haben. Während der Aktion sollen sie einen Informanten finden und ein bestimmtes Objekt sicherstellen. Doch die Operation...

 

 

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Ein namenloser CIA-Mitarbeiter ist in eine Operation an der Oper von Kiew beteiligt. Dort sollten Terroristen Sprengsätze deponiert haben. Während der Aktion sollen sie einen Informanten finden und ein bestimmtes Objekt sicherstellen. Doch die Operation geht schief und der namenlose Protagonist gerät in die Gefangenschaft von russischen Söldnern. Allerdings nicht, ohne kurz zuvor Hilfe von einem Unbekannten zu erhalten, der eine Kugel zeitlich rückwärts bewegen kann. Als der Protagonist eine Giftkapsel nimmt, um weiterer Folter seiner Häscher zu entgehen, stirbt er vermeintlich. Doch die Kapsel war nicht tödlich. Er wacht auf einem Schiff auf und erhält die Erklärung, dass die Operation ein Test gewesen sei. Von nun an arbeitet er innerhalb einer geheimen Operation namens „Tenet“. Innerhalb dieser soll er mehr über die Kugeln und das damit verbundene Zeit-Paradoxon herausfinden. Die Spuren führen ihn alsbald zu einem russischen Oligarchen, der, so sagt man, in die Zukunft kommunizieren kann und dessen Geschäfte mit den zeitinvertierten Kugeln zu einem neuen Weltkrieg führen könnten …

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Alle paar Jahre gibt es diese Filme, auf die Fans, Kritiker und Filmindustrie sehnlichst warten. Filme, die dem ganzen Business einen Stoß versetzen. Filme, die fernab vom Franchising und x-ten Aufgüssen von altbekannten Themen oder Figuren wirklich originäre und originelle Geschichten liefern. Nicht selten wartet man auf Filme eines bestimmten Regisseurs, der stets als so etwas wie der Heilsbringer Hollywoods angesehen wird, weil er sich bewusst gegen die Konventionen und Standards stemmt. Die Rede ist von Christoper Nolan. Der vor allem durch Memento bekannt gewordene Regisseur ist der große Visionär und Geschichtenerzähler Hollywoods. Selbst wenn er mal ein Franchise anpackt, wird es großartig – wie im Falle seiner Batman-Trilogie. Besonders sind aber stets die Filme, die für sich stehen; jene Werke, die sich erzählerisch deutlich abheben und noch dazu mit Visualisierungen aufwarten, die selbst den größten Technik-Geeks die Kinnladen nach unten klappen lassen. Wer erinnert sich nicht an die kippenden Städte in Inception? Dabei sollte man sich nicht in die Irre führen lassen. Nolan ist niemand, der seine Filme den CGIs opfert. Ganz im Gegenteil. So weit es irgendwie möglich ist, nutzt er praktische Effekte am Set. Und wenn er dafür einen kompletten LKW mit Anhänger einen Salto schlagen lässt. Geht nicht, gibt’s nicht, im nolan’schen Universum.

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Nachdem der Regisseur 2017 im Kriegsfilm-Genre wilderte und im Falle von Dunkirk durchaus auch ein wenig negative Kritik bekam, waren die Spannungen ob seines jüngsten Films umso größer. Würde die Geschichte, die von ihrer Erzähldynamik und den visuellen Einfällen ein wenig an Inception erinnert, wieder sämtliche Fans und Kritiker unter einen Hut bringen? Und würde Tenet wirklich der Film werden, der das Kino nach der ersten Covid-19-Lockdown-Phase wieder reanimieren würde? Nun, die letzte Frage darf uneindeutig mit „Jein“ beantwortet werden. Denn knapp 360 Mio. Dollar sind für einen Nolan-Film eher durchschnittlich und reichen auch nicht komplett aus, um die 200-Mio.-Dollar-Produktion auf die Gewinnerstraße zu bringen. Der Grund, wie kann es anders sein, lag nach wie vor an der weltweiten Pandemie.

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Denn gerade in den USA konnte der Film aufgrund der zahlreichen geschlossenen Kinos und der sehr limitierten Vorführungen nicht seine Kraft entfalten. In Deutschland hingegen sahen Tenet in der kurzen Zeit seiner Auswertung doppelt so viele Zuschauer den Film als noch den Vorgänger, Dunkirk, besuchten. Aber Einspiel ist das eine. Der künstlerische Aspekt das andere. Und auch hier gab es etwas Uneinigkeit. Viele Zuschauer bemängelten die künstlich verkomplizierte Handlung, die eigentlich leicht zu durchschauen wäre. Andere brauchten mehrere Durchgänge, um die Story überhaupt nachvollziehen zu können.

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Festhalten darf man durchaus, dass Nolan auch in Tenet alle Register zieht, die großes Kino ausmachen. Von Beginn an ist klar, dass die Geschichte viele subtile Anspielungen aufweist und durchaus verschachtelt ist. Das Konzept, die zeitliche Linearität aus den Angeln zu heben, ähnelt ein wenig den Traumwelten in Inception, die infrage stellten, was für die Protagonisten Realität und was Traum ist. Nolan erzählt hier aber weniger komplex und deutlich linearer. Das Ganze hat ein wenig Bond-Flair, wenn es im Grunde darum geht, eine Art Weltkrieg zu vermeiden, in dem man einem Bösewicht das Handwerk legt. Aber Nolan wäre nicht Nolan, wenn er sich nicht etwas ganz Besonderes einfallen ließe. Erneut ist es die Optik des Films, die (ähnlich Inception) für Extravaganz sorgt. Setzte der Regisseur im Leonardo-Dicaprio-Streifen die Schwerkraft außer Funktion, spielt er hier mit der Zeit. Sobald der Protagonist in die entsprechenden Kämpfe gerät, in denen die Entropie der Objekte umgekehrt wird, erschafft Nolan bemerkenswerte Szenen, in denen die Zeit teils vorwärts und teils rückwärts läuft oder beides gleichzeitig tun scheint.

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Während der Schlüsselszene zwischen Minute 82 und 86 wird deutlich, dass Hollywood doch noch einen Rest an guten Ideen übrig hat, denn diese Sequenz setzt dem Film selbst ein kleines Denkmal. Visuell unterstützt Nolan das zwar mit einer gewissen Menge an CGI-Shots, diese bleiben jedoch mit einer Zahl von unter 300 weit unter den üblichen Werten heutiger Großproduktionen. Zum Vergleich: Avengers: Endgame nutzte fast 2500 VFX-Shots. Das Coole an Nolans Filmen: Obwohl er sich bei den VFX zurückhält, wirken seine Filme optisch unglaublich innovativ und spektakulär. Und das liegt nach wie vor daran, dass er auf geniale Art und Weise VFX mit praktischen Effekten kombiniert. Wohl kein anderer Filmemacher lässt am Rechner erstandene Bilder so organisch in seinen Film einfließen und profitiert so sehr davon, dass er einen großen Teil des Budgets in praktische Effekte investiert. Man sieht einfach, wenn Feuer nach Explosionen echt ist und nicht virtuell erzeugt (6’38). Man sieht, wenn Schüsse in Oberflächen einschlagen und echte Löcher reißen. Und man sieht, dass da nicht ein Modell-Flugzeug in einen Modell-Hangar gesteuert wurde.

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Mit Kameramann Hoyte Van Hoytema hat er dabei erneut einen äußerst erfahrenen Mann an seiner Seite. Seine Kameraführung während der Kampfszenen ist fantastisch und die Dynamik während der Momente, in denen sich die Kämpfenden mal vorwärts in der Zeit und mal rückwärts bewegen (oder beides gleichzeitig) ist unglaublich. Man bemüht oft Superlative, aber solche Kampfszenen hat man bisher nun wirklich noch nicht gesehen. Apropos „gesehen“: Sprechen wir doch mal über das, was man hört. Tenet kommt dieses Mal nicht mit einem Score von Hans Zimmer, sondern mit einem weit experimentelleren Vertreter seiner Zunft. Der Schwede Ludwig Göransson (Black Panther) hat einen Klangteppich komponiert, der treibend und mehr als nur unterlegte Musik ist. Er ist selbst Protagonist. Über seine experimentellen Klänge forciert und unterstützt er das Geschehen auf ganz besondere Weise. Ohne Hans Zimmer disrespektvoll zu begegnen, ist zweifelhaft, ob auch er so viel Freude zum Experimentieren gehabt hätte.

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Nicht jedem wird das gefallen – vor allem nicht jenen, die auf einen zweiten Inception-Score gehofft hatten. Darstellerisch fehlt Tenet in den Hauptrollen ein wenig der Glanz und das Charismatische seines 2010er Traum-Thrillers – vor allem in den beiden Rollen der Agenten. John David Washington gibt sich Mühe und ist physisch präsent, wirkt als Charakter aber zu kühl und unnahbar. Robert Pattinson zeigt einmal mehr, dass er kein Actiondarsteller ist. Klassisch fehlbesetzt stolpert er mehr durch die körperlichen Szenen, lässt jede Dramatik im Gesicht vermissen und wirkt auch in den Gesprächen mit J.D. Washington irgendwie müde und deplatziert – kein gutes Omen für seine Darstellung des kommenden Batman.

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Man stelle sich an den Stellen der beiden Tom Hardy und Joseph Gordon-Levitt vor und weiß schlagartig, wie viel mehr an Dynamik drin gewesen wäre. So reißen es hier deutlich die beiden anderen Darsteller raus. Elizabeth Debicki gibt als Kat eine wirklich starke Performance und der sonst so lammfromme Kenneth Brannagh ist ein richtig fieser Bad Guy, der auch einem der nächsten Bond-Filme gut stehen würde. Man schrickt förmlich zusammen, wenn er ohne jeden Anflug von befreiendem Humor immer wieder unerbittlich und aggressiv auf Kat einbrüllt, sie vor geifernder Wut anspuckt oder gar am Boden liegend auf sie eintritt – wer hätte gedacht, dass der Shakespeare-Mime und -Regisseur so auf harter Kerl machen kann. 

 

Fazit

Tenet ist ein starker Film, ohne Frage. Er erreicht aber nie so ganz die Sphären eines Inception. Dafür fehlt ihm etwas die Finesse sowie die Tiefe seiner Figuren. Die bleiben vor allem in den beiden Agenten erschreckend blass und unterbelichtet. Dass Nolans jüngster Film visuell beeindruckend ist, steht indes außer Frage. Die Szenen mit den invertierten Zeiten sind grandios umgesetzt worden.

 

  

 

Filminfos und Inhalt: Tenet

  • Anbieter: Warner Home Entertainment Germany
  • Land/Jahr: USA 2019
  • FSK 12
  • Regie: Christopher Nolan
  • Darsteller: John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debicki, Aaron Taylor-Johnson, Sir Kenneth Branagh, Clémence Poésy, Fiona Dourif, Sir Michael Caine
  • Tonformate dts HD-Master 5.1: de, en
  • Bildformat: 1,78:1/2,20:1

Autor: Timo Wolters - © Warner Home Video. Alle Rechte vorbehalten

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