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Filmrezension: THE MULE

Filmtip Newsbild the muleRezension des Films: THE MULE. Earl Stone war die Arbeit stets wichtiger als die Familie. Als Held im Koreakrieg kümmerte er sich später lieber um seine Blumenfarm als den wichtigen Ereignissen der Familie beizuwohnen. Zwölf Jahre nachdem er dann auch die Hochzeit seiner Tochter verpasst hatte, hat ihm das Internet aber die Tour vermasselt und er steht vor dem Konkurs.

 

 

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Rezension zu "THE MULE"

Earl Stone war die Arbeit stets wichtiger als die Familie. Als Held im Koreakrieg kümmerte er sich später lieber um seine Blumenfarm als den wichtigen Ereignissen der Familie beizuwohnen. Zwölf Jahre nachdem er dann auch die Hochzeit seiner Tochter verpasst hatte, hat ihm das Internet aber die Tour vermasselt und er steht vor dem Konkurs. Er muss seine Angestellten entlassen und sein Truck hat schon länger keine Wartung mehr erhalten. Gleichzeitig steht die Vermählung der Enkelin vor der Tür und Earl lässt sich erstmals wieder bei der Familie blicken. Nur um direkt von seiner Ex-Frau und der Tochter angefahren zu werden, dass er ohnehin nur gekommen wäre, weil er nicht weiß, wo er sonst hin soll. Als er von dannen ziehen möchte, wird er von einem der Partygäste angesprochen. Der bietet ihm an, dass der rüstige alte Herr einfach nur ein Paket transportieren soll – immerhin blickt Earl auf 60 Jahre Fahren ohne jeden Strafzettel zurück. Als er darauf anspringt, ahnt er nicht, um was genau es geht. Während der dritten Tour bricht er die Regel und öffnet das Paket. Earl stellt fest, dass man ihn offenbar als Kokainschmuggler für ein Kartell nutzt. Doch selbst als er das weiß, hört er nicht auf. Das Geld ist gut und der Job einfach. Und vielleicht findet er darüber auch einen Weg zurück zu seiner Familie…

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Gut zehn Jahre lang hatte Leo Sharp (Jahrgang 1924) Kokain für das mexikanische Sinaloa Kartell von der mexikanischen Grenze nach Detroit geschmuggelt. Er war damit der „erfolgreichste“ Drogenkurier des Kartells, bis er 2011 mit rund 100 Kilo Koks an Bord seines Lincoln Mark LT erwischt wurde – ohne Frage ein Stoff, der wie gemacht ist für einen Film. Und eine Story, die Clint Eastwood inspirierte, erneut auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Dass er (wie im Bonusmaterial zu hören ist) zunächst überhaupt nicht an sich selbst als Hauptdarsteller dachte, mag daran liegen, dass er schon 2008 bei Gran Torino davon sprach, das letzte Mal vor die Kamera getreten zu sein. Oder aber der große alte Mann des US-Kinos lässt sich gerne bitten. Dies taten die für die Nebenrollen gecasteten Darsteller dann auch fleißig, weshalb man Eastwood nun erneut in dreifacher „Belastung“ bewundern darf (auch als einer der Produzenten fungiert er ganz nebenbei).

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Aber mal ganz ehrlich: Wer außer ihm hätte diesen 80-jährigen, knorrigen Herrn spielen sollen, wenn nicht er selbst? Und das tut er auch in The Mule auf unnachahmliche Weise. Glaubwürdig vermitteln auch hier wieder seine Kollegen, dass er für den Earl Stone eine etwas gebücktere Haltung und langsamere Bewegungen einstudierte, um nicht so agil zu wirken, wie es der (zum Zeitpunkt des Drehs) 88!-jährige Eastwood eigentlich könnte.

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Aber mal ganz ehrlich: Wer außer ihm hätte diesen 80-jährigen, knorrigen Herrn spielen sollen, wenn nicht er selbst? Und das tut er auch in The Mule auf unnachahmliche Weise. Glaubwürdig vermitteln auch hier wieder seine Kollegen, dass er für den Earl Stone eine etwas gebücktere Haltung und langsamere Bewegungen einstudierte, um nicht so agil zu wirken, wie es der (zum Zeitpunkt des Drehs) 88!-jährige Eastwood eigentlich könnte.

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Und so darf man ihm in sein faltiges Gesicht schauen, darf ablesen, welches Leben dieser Earl geführt hat, nachdem er als Held aus dem Koreakrieg kam und seine Familie der Arbeit auf seiner Pflanzenfarm unterordnete. Trotz des gemächlichen Tempos des Films ist das großes Schauspielkino – und dabei weit von jeder Peinlichkeit entfernt. Zwar spielt der Schauspieler/Regisseur auch hier gerne mal mit der einen oder anderen politisch inkorrekten Spruch gegenüber Mexikanern oder Lesben. Zudem raunzt er bei jeder Gelegenheit über die „Seuche“ der Handys und des Internets. Doch das ist weniger dem republikanisch-konservativem Eastwood zuzuschreiben als vielmehr der Story an sich. Denn die Nähe zu ähnlichem Verhalten seines Walt Kowalski in Gran Torino ist hier tatsächlich gegeben.

Hüben wie drüben haben wir es mit einem grummeligen alten Mann zu tun. Einem, der in Diskussionen nicht nachgibt und der irgendwie immer denkt, dass gewiss nicht er es ist, der an allem die Schuld trägt. Und so entwickelt sich um die Geschichte des Drogenkuriers eine viel wichtigere – eine Story von einem Mann, der sich verändert. Der erkennt, welche Dinge ihm nach all den Jahren des Rückzugs auf seine Blumenfarm wirklich etwas bedeuten und wofür es sich zu kämpfen lohnt. Nachdem er die Hochzeit seiner Tochter einer Preisverleihung und dem anschließenden Besäufnis in einer Bar unterordnete, wird ihm allmählich bewusst, dass er gerne verlorene Zeit wieder gutmachen würde. Und das schildert The Mule spätestens dann in bewegenden Bildern, wenn seine Ex-Frau plötzlich erkrankt.

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Die trotz Familienstory und Drogenkrimi an und für sich relativ ereignisarme Geschichte würzt The Mule mit Elementen eines Roadmovies. Und da die Kurierfahrten von der mexikanisch-amerikanischen Grenze bis hoch nach Detroit stattfinden, nutzt Kameramann Yves Bélanger die Zeit für wunderschöne und epische Aufnahmen entlang der Route. Die tollen Landschafts-Szenen werden noch ergänzt von entspannter Country-Musik, die Eastwoods Earl charmanterweise nie so richtig textsicher mitsingt. Außerdem wird das Ganze noch mal mit ein paar humorvollen Momenten gewürzt, wenn Stone vor keinem der schwer bewaffneten Kartell-Mitglieder den Schwanz einzieht und gerne mal einen süffisanten Kommentar fallen lässt.

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Ob’s in Wahrheit auch so gewesen ist? Man weiß es nicht. Dem Film aber tut es gut und lässt ihn durchweg unterhaltsam werden. Dabei verschweigt Eastwood nicht, dass sein Earl Stone letztlich ein Verbrecher ist. Einer, der harte Drogen durchs Land schaukelt und damit innerhalb einer Mühle arbeitet, die Tausende auch junge Menschen in die Abhängigkeit und möglicherweise in den Tod treibt. Selbst wenn der Film dies in der Rolle von Stone ein bisschen romantisiert, gibt es ja noch die Staatsgewalt. In Person von den Agenten Bates (unglaublich entspannt: Bradley Cooper) und Treviño (Michael Peña) wird deutlich, welche unglaublichen Mengen der alte „Muli“ hier ins Land brachte.

Beiden Darstellern ist übrigens eine herausragende gemeinsame Szene gegönnt, die fast das Format des Aufeinandertreffens von Al Pacino und Robert De Niro in Heat hat. Und wie in Michael Manns Actionfilm von 1995 ahnt man, dass es auch in The Mule für Earl kein gutes Ende nehmen wird. Dessen reales Vorbild wurde nach seiner Ergreifung übrigens im Jahre 2014 zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, von der er letztlich ein Jahr absolvierte.

 

   

 

 

Fazit: 

The Mule erreicht nicht ganz die emotionale Tiefe von Gran Torino und ist bewusst entspannter und lockerer angelegt. Eastwood ist als Produzent/Regisseur/Schauspieler aber nach wie vor eine Wucht. Und ein bisschen wünscht man sich schon, dass es nicht sein letzter Auftritt vor der Kamera gewesen sein wird. Die UHD unterscheidet sich von der Blu-ray nur in Nuancen. Die höher (skalierte) Auflösung wird erst bei sehr großen Bildbreiten deutlich und die Kontrastdynamik bleibt unterhalb der Möglichkeiten.

 

Filminfos und Inhalt - THE MULE

  • Anbieter: Warner Home Video
  • USA 2018
  • O-Titel: The Mule
  • FSK 12
  • Regie: Clint Eastwood
  • Darsteller: Clint Eastwood, Bradley Cooper, Andy Garcia, Laurence Fishburne, Michael Peña, Dianne Wiest, Manny Montana, Taissa Farmiga, Alison Eastwood
  • Tonformate BD: dts-HD-Master: de, en
  • Tonformate BD/UHD: dts-HD-Master: en // Dolby Digital: de
  • Bildformat: 2,35:1
  • VÖ: im Handel

 Autor: Timo Wolters - Copyright Szenenfotos: Warner Home Video