Eingerichtet sind die Kopfhörer schnell, denn bis auf die Kopplung mit einem entsprechenden Smartphone oder anderen Zuspieler muss nichts unternommen werden. Dank der Google-Schnittstelle erkennt das Smartphone auch automatisch, das ein Kopfhörer bereitsteht und Überraschung, das Smartphone verband sich kurz darauf mit den Kopfhörern. Voraussetzung ist natürlich, dass der Google Assistent installiert ist. Wer lieber Amazons Alexa als Sprachassistenten nutzen möchte, muss auch hier nur die App vorher installiert haben und dann den Kopfhörer unter Einstellungen konfigurieren. Wir haben uns aber aufgrund der weiten Verbreitung für die Google-Variante entschieden. Die Symbiose aus Musikwiedergabe und Sprachassistenten ist im Alltag sehr hilfreich und mit einem einfachen „Hey Google“ kann man auch ohne Berühren des linken Ohrhörers mit dem Assistenten in Kontakt treten. So verpasst man keine eingehenden Nachrichten mehr. Hört man gerade sein Lieblingsalbum und es trifft eine neue Nachricht ein, wird man darüber informiert und kann sich diese auch gleich vorlesen lassen. Dabei wird die Musik aber nicht gänzlich gestoppt, sondern läuft leicht gedämpft im Hintergrund weiter. Erst beim gewünschten Vorlesen der Nachricht unterbricht Google die Musikwiedergabe, spielt danach aber nahtlos weiter.
Wer möchte, kann dem Sprachassistenten auch eine Antwort auf die Nachricht diktieren. Aber nicht nur das Vorlesen von Nachrichten ist möglich. So kann der Kopfhörer auch als Audioguide im Urlaub fungieren. Wer bspw. Informationen zu gefundenen Sehenswürdigkeiten oder eine Route zum nächsten Bahnhof benötigt, legt den Finger auf den linken In-Ear-Stick, wartet kurz auf den Signalton und formuliert Fragen wie „Wie heißt die Sehenswürdigkeit an meinem Standort?“ oder „Wie komme ich wieder zu meinem Hotel?“ und Google sucht die passenden Informationen heraus, erstellt die beste Bahn-Verbindung, informiert über aktuelle Abfahrtzeiten und startet vollkommen automatisch auch die Navigation zum nächsten Bahnhof.
Ich mach das jetzt schon ein paar Jahre und habe den Anfang dieser Sprachassistenten als Technik-Redakteur voll miterlebt und bin jedes Mal aufs Neue begeistert und zugleich schockiert, wie leistungsfähig die Entwicklung voran geht und wie diese Assistenten mittlerweile einem unter die Arme greifen können. Sicherlich muss man dafür auch einiges in Kauf nehmen, immer den aktuellen Standort mit Google zu teilen, das die Abfragen, Nachrichten, Musik-Gewohnheiten etc. irgendwo im Datensumpf der Welt gespeichert werden. Wer aber mit der „gläserner Mensch“ Problematik keine Berührungsängste hat, dem steht der smarten Unterstützung im Alltag nichts mehr im Wege. Denn es funktioniert erschreckend gut. Aber zurück zum Kopfhörer.
Akkuzustand der Ladeschale wird über drei LEDs dargestellt
Um in den Genuss des vollen Funktionsumfang des Kopfhörers zu kommen, musste ich noch eben die JBL Headphones App aus dem Playstore runterladen. Auch hier müssen beim ersten Start diversen Datennutzungsrichtlinien zugestimmt werden, leider üblich und auch die Standortabfrage ist mit der Bluetooth-Nutzung unumgänglich verknüpft. Die App selbst ist sehr übersichtlich gehalten und bietet mit ihrer JBL-typischen orangen Farbgestaltung eine gute Lesbarkeit sowie den schnellen Zugriff zu den wichtigsten Funktionen. Neben der Anzeige des Akkuzustandes für alle drei Geräte: linker- und rechter In-Ear und der Ladeschale, lässt sich hier auch das ANC, also das Noise-Cancelling in den schon erwähnten Modi regeln. Die Steuerung der Kopfhörer ist auch intuitiv gelöst und kann in der App angepasst werden. Dafür stehen am rechten und linken Ohrstöpsel berührungsempfindliche Oberflächen zur Verfügung, die einfache Funktionen wie Lautstärkeregelung, Musiksteuerung oder die Rufannahme steuern können. Auch der schon erwähnte Sprachassistent ist über berühren aufrufbar.












Bei der Audiowiedergabe hat mich der JBL Live Pro+ positiv überrascht. Auch wenn der JBL typische Sound, viel Dynamik und satter Bassbereich, auch beim Live Pro+ nicht von der Hand zuweisen ist, überzeugen die Kopfhörer auch mit einem sehr ansprechenden Auflösungsvermögen. Beim Song Never enough von Loren Allred ist die Stimmenwiedergabe sehr emotional angehaucht, so das Gänsehaut garantiert ist. Wirklich beeindruckend und völlig unerwartet, auch wenn der Kopfhörer minimal übertreibt im Hochtonbereich. Das zeigt sich an teilweise spitzen Tönen, gerade bei höheren Lautstärken. Auch bei Brick by brick von Katy Perry sind die „S“ Laute teilweise etwas zischelnd abgebildet, was die Wiedergabe für den einen oder anderen anstrengend werden lassen kann. Das lässt sich auch mit dem guten Equalizer nicht komplett vermeiden, aber etwas reduzieren.

Größenvergleich: links JBL Live Pro+ TWS - rechts: JBL Tune 225 TWS
Wird es heftig, wie bei Till I Collapse von Eminem, fällt das aber kaum ins Gewicht, denn der fette Beat scheppert so heftig, dass der Song einfach nur genial ankommt. Dynamik, Tiefgang sind klare Stärken des Kopfhörers, aber kontrolliert, ohne alles zu dominieren, sodass dem Rap-Gesang und den restlichen Elementen ausreichend akustischer Platz eingeräumt wird. Das hört sich nicht nur stimmig an, sondern macht Spaß und wirkt ausbalanciert. Wer es auf die Spitze treiben möchte, wählt die vordefinierte „Bass“ Einstellung und dann zeigen die In-Ears was in ihnen steckt. Das ist sicherlich nicht gesund für die Ohren, aber gerade Tracks wie Hyperricum von Luca Agnelli leben davon. Es ist beängstigend als nach 60 Sekunden der Beat richtig einsetzt, wie kraftvoll aber kontrolliert der Bass bis zu den höchsten Pegeln präsentiert wird. Das ist auf Dauer sicherlich nicht gesund, aber geil. Klanglich ist der JBL Live Pro+ gut unterwegs, bis auf seinen minimal überspitzen Hochtonbereich, agieren die In-Ears sehr gut abgestimmt, überzeugen mit einem unglaublichen Tiefbass, viel Dynamik und guten Auflösungsvermögen. Das macht ihn für jedes Musikgenre nutzbar, aber meine Empfehlung liegt dann doch eher im spaßigen Bereich.
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