Travis Block ist Veteran und Ex-FBI-Agent. Seit einiger Zeit arbeitet er für den FBI-Direktor Robinson als Fixer, als Problemlöser. Sein letzter Auftrag sollte allerdings der letzte sein. So langsam wäre es an der Reihe, Zeit mit seiner Tochter und der Enkelin zu verbringen
Von Erster ist er entfremdet, weil sie von der Paranoia ihres Dads genervt ist. Letztere nimmt die Züge des Opas mittlerweile an, was die Tochter alles andere als begeistert zurücklässt. Als Block Robinson eröffnet, sich zurückziehen zu wollen, ist der kaum begeistert. So wenig begeistert, dass er ihm sehr deutlich macht, wie wichtig er für die Organisation und vor allem für FBI-Agenten in Not ist. Und so muss Travis sich weiter auf die Suche Dusty Crane machen. Crane war undercover unterwegs und hat nun offenbar die Nase von seinem Tun voll. Zur Presse möchte er gehen, um dort einige Interna preiszugeben. Block soll Crane finden, bevor er Schlimmeres anrichten kann. Doch als er den Abtrünnigen aufspürt, erzählt dieser im Dinge, mit denen Travis nie gerechnet hätte …

Es gab mal eine Zeit, in der war Liam Neeson ein echter Kinomagnet. Anfang/Mitte der 90er schwang der nordirische Schauspieler sich mit Schindlers Liste, Rob Roy, Michael Collins oder Nell zur ersten Wahl für anspruchsvolle Kinodramen auf. Doch er ließ sich nicht festlegen und probierte sich weiter aus. Als Qui-Gon Jinn dominierte er Star Wars: Episode I und in Tatsächlich … Liebe zeigt er, dass er auch Romantik beherrscht. In Batman Begins durfte er außerdem einen vielschichtigen Antagonisten geben, bevor er 2008 (mit damals bereits 56 Jahren) in 96 Hours erstmals einem lupenreinen Actionfilm zu Erfolg verhalf. Die Rolle als Einzelkämpfer, der seine Familie vor dem Zugriff von üblen Kerlen bewahrt, verkörperte er mit derart viel Energie und dem ihm eigenen Charme, dass sie als Vorlage für zahlreiche Nachfolger diente.

Nicht nur gab es zwei Fortsetzungen, schrieb man Neeson von nun an ständig diese eindimensionale Rolle auf den Leib. Und es geschah das, was er zuvor erfolgreich verhindert hatte: Neeson ließ sich auf eine einzige Rolle reduzieren. Was hier und da durch verschiedene Settings noch ganz okay funktionierte (96 Hours in der Luft aka Non-Stop und 96 Hours im Zug aka The Commuter), nutzte sich immer mehr ab. In Summe mehr als ein Dutzend Filme, in denen die Rolle des Einzelkämpfers für die (mal mehr, mal weniger) gute Sache nur marginal variiert wird, hat Neeson mittlerweile auf der Vita. Das mag zwar sein Konto füllen, verärgert aber in der Zwischenzeit nicht nur die Kritiker (die ihn einst mochten), sondern auch sein Publikum (das ihn einst mochte).

Mit Blacklight kommt nun der nächste schnell runtergekurbelte Actioner, in dem Neeson einen Ex-FBI-Agenten (gähn) spielt, der den Job des Fixers (doppel-gähn) innehat, der aber eigentlich nach seinem letzten Job die aufreibende Arbeit an den Nagel hängen will (dreifach-gähn). Bei so viel Mangel an Originalität und dermaßen vielen Klischees sollte es eher mit einem Wunder zugehen, wenn das wirklich unterhaltsam gerät. Und das tut’s nicht. Oder maximal leidlich. Schon die Eröffnungs-Action-Szene gerät mau und vorhersehbar. Bis zur zweiten Sequenz, in der mal etwas los ist, dauert es 25 Minuten. Dann immerhin gibt’s eine zünftige Autoverfolgung der Marke Mülllaster gegen Dodge Challenger Hellcat – geschenkt, dass hier CGI genutzt wurde, um (unter anderem) aus dem australischen Canberra das amerikanische Washington zu machen.

Auch wenn’s im Falle eines aufgespießten Fahrzeugs wirklich nicht gelungen aussieht. Überraschend hingegen, dass man Neeson ein so schnittig-jugendliches Gefährt angedeihen ließ. So richtig mag’s nicht zum Action-Opa passen, aber ein bisschen cool ist’s schon. Dass Neeson immer noch der charmante Kerl ist, ist auch hier das größte Pfund, dass der Film in die Waagschale werfen kann. Und wenn er noch dazu einen Typen spielt, der nicht frei von Makeln ist, wird es noch sympathischer. Blocks Zwangsstörungen und Paranoia geben der Figur etwas Tiefe, die in der familiären Dynamik aufgenommen und diskutiert werden. Das bleibt zwar größtenteils an der Oberfläche, aber immerhin versucht man, hier etwas mehr Story unterzubringen.


Trotz des eher zahmen Tempos kann man Blacklight einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen. Was auch an dem Zusammenspiel Neesons mit Emmy Raver-Lampman liegt. Raver-Lampman spielt die aufrichtige Journalistin Mira Jones, die langsam Vertrauen zu Block fasst und mit ihm zusammenarbeitet. Die beiden Darsteller harmonieren gut zusammen und obwohl (viel zu) schnell klar ist, wer hier die Fäden im bösen Spiel in der Hand hält, kann sich eine gewisse Spannung aufbauen. Torpediert wird das allerdings vom dümmlichen Verhalten der „Superspezialisten“ vom FBI, deren Neigung trotz kurzer Distanz ständig daneben zu schießen ziemlich absurd wirkt und die dann auch noch die Knarren seitwärts halten, als wären sie Schießbudenfiguren in einem schlechten Gangsterfilm. Die Story hält diesen Ärgerlichkeiten dann auch kaum etwas entgegen und wird im Verlaufe nicht innovativer als es die grobe Inhaltsangabe vermuten lässt. Das relativ abrupte und wenig spektakuläre Ende kann mit den Makeln leider auch nicht aufräumen. Für Neeson-Fans geht das gerade so noch in Ordnung und ist teilweise unterhaltsamer als dessen letzte zwei/drei Filme.

Blacklight ist erneut kein Neeson-Highlight. Es ist auch kein totaler Rohrkrepierer, sondern irgendwas zwischendrin. Die Story ist zwar belanglos und das Verhalten der Figuren teilweise ärgerlich dumm, aber Neeson spielt souverän und hier und da gibt’s sogar spannende Momente.
Timo Wolters
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