Elena ist querschnittsgelähmt. Das allerdings erst seit Kurzem. Seit diesem schweren Unfall, der sie an den Rollstuhl gefesselt hat. Das Verhältnis zu ihrem Vater Miguel ist überdies nicht das Beste – auch wenn der sich nun allmählich um seine Tochter zu kümmern scheint...

Für Elena hat er das alte Landhaus renoviert und rollstuhlgerecht hergerichtet. Dort wollen die beiden ein paar Tage gemeinsam verbringen. Während der letzten Wochen hat Miguel zudem einen ausgebildeten Schäferhund mitgebracht. Arhos kann Türen öffnen und Rollladen hochfahren lassen. Elena allerdings ist das herzlich egal. Ihr Leben ist ihr ohnehin nicht mehr lebenswert und was soll ein Hund dann schon helfen? Geschieht ihm also durchaus Recht, dass er in der Vorratskammer des Hauses von einer Fledermaus gebissen wird. Bevor Miguel das von einem Tierarzt untersuchen lassen kann, erleidet er jedoch auf dem Grundstück einen Herzinfarkt. Elena muss hilflos zusehen und ist nun doch auf Athos angewiesen. Der jedoch ist plötzlich verändert. Er reagiert aggressiv und keineswegs mehr hilfsbereit. Offenbar hat ihn die Tollwut gepackt. Und Elena ist in dem Haus völlig allein und ohne jede Möglichkeit der Kommunikation. Wie soll sich die zur Bewegung fast unfähige Frau gegen ein räudiges Monster wehren …?

Erinnert sich noch jemand an Cujo? Jenen Tier-Horrorschocker, den Lewis Teague 1983 auf Basis des gleichnamigen 81er-Romans von Stephen King inszenierte? Jenes Werk, bei dem ein tollwütiger Bernhardiner eine Mutter und ihr Kind in deren fahruntüchtigen Wagen „fesselt“, bis die Mutter all ihren Mut zusammen nimmt, um zu verhindern, dass ihr Sohn durch die Hitze im Auto verdurstet? King selbst zählt Cujo zu den besten Verfilmungen seiner Werke. Ich meine mal gelesen zu haben, dass man ihn mit den Worten zitiert, dass der Film (wie Cujo selbst) immer und immer wieder zuschlage.

Mittlerweile sind fast 38 Jahre vergangen, seit Teague seinen tollwütigen Hund auf Dee Wallace Stone losließ und der Spanier José Luis Montesinos dachte sich für sein Regiedebüt, dass es doch mal an der Zeit wäre, eine sehr ähnliche Geschichte auf den Weg zu bringen. Montesinos hatte bis dato lediglich Kurzfilme veröffentlicht, ist aber damit schon seit 18 Jahren unterwegs. Und während dieser Jahre hatte er offenbar genug Zeit, die Cujo-Geschichte noch mal ein bisschen zu eskalieren. Zwar beginnt es gleichermaßen – nämlich mit einem Biss durch eine infizierte Fledermaus – doch sowohl Setting als auch Szenario hat der Regisseur angepasst.

Und Montesinos beweist in Growl Gespür für die Gefühle und Befindlichkeiten seiner Protagonistin. Schon das Herausholen aus dem Auto sowie die Verbringung von Elena in den elektrifizierten Rollstuhl zeigen im Zusammenspiel der guten Kameraarbeit und der herausragend besetzten Hauptdarstellerin, wie es in Elenas Seelenleben ausschaut. Mit einer Mischung aus Sarkasmus und Resignation begegnet die junge Frau ihrem Schicksal und den damit verbundenen Notwendigkeiten. Für den Zuschauer ist klar, dass er es hier nicht einfach nur mit einem x-beliebigen Horrorfilm zu tun hat, sondern mit einem, der sich um seine Figuren kümmert. In der Folge wird deutlich, wie tief die Schnitte in Elenas Seele sind, wie unüberwindbar der Graben zwischen ihr und dem Vater offenbar geworden ist. Mit zittrigen Händen agiert Miguel Ángel Jenner in der Rolle des sich kümmernden Dads, der offenbar aber erst jetzt zu erkennen scheint, was ihm seine Tochter wert ist. Und man nimmt ihm ab, wie sehr ihn die Situation mitzunehmen scheint.

Von dem Moment an, da Elena alleine in dem Haus ist und draußen die Gefahr durch den Hund lauert, intensiviert sich die Spannung kontinuierlich. Die Kombination aus aggressivem Tier und nahezu hilfloser Gehandicapter birgt einen latent vorhandenen Thrill, der sich in versehentlich offengelassenen Türen und Katzenklappen entlädt, während Elena nicht viel mehr als ihre Hand bewegen kann. Die Frage, was man selbst in einer derartigen Situation tun würde; wie man sich verhalten könnte, um sich zu wehren oder Rettung zu holen, drängt sich dem Zuschauer augenblicklich auf. Und das intensiviert sich, je öfter wichtige Gegenstände für Elena in unerreichbare Ferne rücken – bspw. auf ihre Füße. Was für jeden nicht gehandicapten Menschen ein Klacks wäre, ist für Elena ein Universum entfernt.

Zum Gelingen trägt bei, dass der Score sich auf die ungewöhnliche Nutzung einer Mischung aus Zupfinstrumenten und perkussivem Schlagwerk konzentriert, was äußerst atmosphärisch wirkt und noch mehr Spannung erzeugt. Natürlich steht und fällt Growl mit der Dynamik aus dem Schauspiel von Paula del Rio und dem Training des Filmhundes. Und das funktioniert hervorragend. Die Darstellerin, die man bspw. aus Anrufer unbekannt kennt, schafft es durchweg, die Querschnittslähmung glaubwürdig zu vermitteln. Nicht einfach, wenn man gezwungen ist, fast auf den kompletten Bewegungsapparat verzichten zu müssen. Parallel können die Hundeszenen durchaus überzeugen. Auch wenn viele Angriff bewusst etwas verschleiert werden, denkt man nicht die ganze Zeit über, dass hier ein freundlicher Hund nur spielen will. Nein, das ist schon eine Spur ernster. Wenn im Haus dann mal größtmögliche Stille herrscht und Elena so leise wie möglich mit dem Rollstuhl über den Boden fährt, um ja den Hund nicht zu alarmieren, sitzt man wirklich mit angespannten Nackenmuskeln vor dem TV oder der Leinwand.
Zusätzlich zur Spannung, die über den Zwei“kampf“ zwischen Hund und Elena aufgebaut wird, bekommt der Zuschauer im Laufe des Films immer wieder kleine Puzzlestücke geliefert, die er zu einem zusammenhängenden Bild über die Geschehnisse rund um den Unfall vervollkommnen kann. Elena wird hier immer wieder mit Schuldgefühlen konfrontiert, die ihrem eigenen Verhalten den Spiegel vorhalten. Vielleicht helfen ihr diese Visionen aber auch, um sich aus der Lage zu befreien…
Growl ist insgesamt weniger actionreich und weniger frontal als Lewis Teagues Cujo. Dafür punktet er mit der dichteren Atmosphäre und den teils fast unglaublich intensiven Spannungsmomenten. Aus dem begrenzten Szenario holt Regisseur Montesinos mit Hilfe seiner Hauptdarstellerin und einer passend reduzierten Filmmusik das Maximum raus. Die erzählerische Tiefe der Hauptfigur geht überdies weit über das übliche Niveau hinaus.
Autor: Timo Wolters - Copyright Szenenfotos: © ALAMODE FILMDISTRIBUTION oHG
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