Test: Revel Performa M126Be

Revel M126Be newsMit den Performa M126Be haben wir ein Paar Lautsprecher in unserer Redaktion begrüßen dürfen, die von der im Vergleich noch recht jungen Audioschmiede Revel stammen. Diese U.S. Amerikanisch Audio Manufaktur agiert unter der Flagge vom Harman Konzern und bietet hauptsächlich exklusive, im High-End angesiedelte Produkte an. Mit einem Stückpreis von um die 2000,- US-Dollar lassen sich auch die Performa M126Be Kompaktlautsprecher in diese Kategorie einordnen. Umso gespannter waren wir auf den Höreindruck. Viel Spaß beim Lesen!

 

 

Erste Berührungspunkte mit der Revel M126Be hatten wir bereits auf der letzten High-End in München (2018), zumindest vom optischen Gesichtspunkt. Denn am Stand von Harman, wo man einigen Lautsprecher aus dem Hause JBL lauschen konnte (u.a. die JBL L100 Classic), wurden im Vorraum auch einige Modelle von Revel ausgestellt.

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Optisch interpretieren sie sich etwas abseits des „gewöhnlichen“ Mainstreams, was aber auch sehr erfrischend wirken kann, aber eben eine Geschmacksfrage bleibt. Die Lautsprecher sind aber auch deshalb interessant, da sie sich in einem Bereich tummeln wo z. B. auch die DALI Epicon 2 zuhause ist, die bekannter Maße zur Messlatte in dieser Preisklasse gehört. Bevor wir uns aber dem Lautsprecher genauer widmen, erstmal die übliche kurze Zusammenfassung der technischen Daten.

  

Revel Performa M126Be Regallautsprecher - Technische Details
 Bezeichnung  Revel Performa M126Be Regallautsprecher
 Preis   4000,00 US-Dollar Paarpreis
 Hersteller-Homepage  www.revelspeakers.com
 Maße  386 x 211 x 262mm (Höhe x Breite x Tiefe) 
 Gewicht  9,97 kg Stück
 Daten
 Design  Zwei-Wege-Bassreflexsystem
 Chassis  - 1 Zoll Beryllium Kalotte
 - 6,5 Zoll Keramik-Verbundstoff-Tiefmitteltöner
 Frequenzgang  54Hz - 44kHz (Crossover 1700 Mhz)
 Empfinglichkeit  86dB
 Impendanz  8 Ohm
 empfohlene Verstärkerleistung  50-150 Watt

Detailansicht

Aus optischer Sicht bietet die M126Be eine gelungene Abwechslung im eher eckigen Lautsprechermarkt. Das massive Gehäuse verjüng sich nach hinten leicht und lässt den Lautsprecher sehr grazil auftreten, bietet aber immer noch knapp 10 Kilogramm Lebendgewicht. Denn an Material spart der Hersteller nicht. Dass Zuhause der Treiber ist unglaublich robust und stabil gefertigt, MDF ist auch hier das Material der Wahl, in einer sehr massiven Ausführung. Auf der Oberseite ist eine gewölbte Platte aufgesetzt, die einen metallischen Lack spendiert bekommen hat und in dem reflektierenden „Flakes“ eingebarbeitet wurden. Das lockert nicht nur den Gesamteindruck etwas auf, sondern verleiht den Lautsprecher das gewisse Etwas. Hier findet man auch den Schriftzug „Performa“ wieder, der vielleicht eine Hommage an Apples Macintoshs aus dem Jahre 1992-1997, oder vielleicht doch nur eine Anspielung auf den Anspruch von Revel ist? Er ist jedenfalls in der Namensgebung enthalten und hat somit seine Berechtigung.

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Wir haben hier die schwarze Variante vor uns, es gibt den Lautsprecher bzw. die komplette Serie aber in insgesamt vier Farbvarianten zu erwerben. Dazu zählen neben der hier abgebildeten Variante, auch die in den Hochglanz-Ausführungen Weiß, Walnuss und Metallic Silber. Um das interessante Zwei-Wege-System auch entsprechend einzufassen, entschied man sich in der Design-Entwicklung für einen massiven Aluminiumrahmen. Dieser schmeichelt den Treiber-Formen in dem er sie leicht nachahmt und bietet mit seiner matten Oberfläche einen stimmigen Kontrast im Übergang zum Gehäuse.

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Das Herzstück des Revel Performa M126Be ist der 1-Zoll-Beryllium-Hochtöner, der von einem 85-mm-Doppelkeramikmagneten angetrieben wird. Beryllium ist das vierte Element des Periodensystems und ein sehr seltenes Erdmetall. Es verfügt über sehr bemerkenswerte physikalische Eigenschaften, wie zum Beispiel eine sehr hohe Steifigkeit bei geringem Gewicht, welches es zum idealen Material für einen Hochfrequenzwandler macht. Für die exakte Abstrahlcharakteristik wird dem Hochtöner ein Waveguide zur Seite gestellt, welcher farblich in einem weißen Farbton gestaltet ist. Der Tiefmitteltöner besitzt einen Durchmesser von 6,5 Zoll, was ungefähr 16,5 Zentimeter entspricht. Bei der Membran setzt Revel auf eine Keramik-Verbundwerkstoff-Aluminium-Mischung, was eine hohe Effizienz, mit weniger Kompression und geringen Verzerrungen ermöglichen soll. Gerade bei hohen Lautstärkepegeln sollen Verzerrungen nicht auftreten und prädestinieren den Kompaktlautsprecher zum Pegelfreund. Beide Schallwandler sollen zusammen eine Frequenzbereich von 54 - 44.000 Hertz abdecken können und werden bei 1.700 Hertz von einander getrennt.

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Aber auch die richtige Zuteilung der Signale ist den Revel Ingenieuren eine Herzens-Angelegenheit und statten die üppig ausgelegte Frequenzweiche, die am Boden des Lautsprechers befestigt ist, mit Filmkondensatoren und Luftkern-Induktoren im Mittelton- und Hochtonbereich aus. Leider spart man beim Anschlussterminal, welches zwar wertig in seiner Qualität ist, aber nur in einer einfachen Ausführung vorliegt. Bi-Wiring oder Bi-Amping ist nicht möglich, der Sinn sei mal dahingestellt, aber andere Hersteller bieten hier deutlich mehr und das trotz deutlich niedriger Preisklasse, was wir erst kürzlich bei den z. B. KEF R3 (zum Testbericht) erfahren bzw. sehen konnten. Aber auch die DALI Epicon 2 (zum Testbericht) sind hier deutlich wertiger aufgestellt.

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Für kleine Tieftonkorrekturen liegen den M126Be jeweils ein Schaumstoffpropfen bei, um den Bassreflex-Port bei einer wandnahen Aufstellung schließen zu können. Optisch präsentieren sich die Kompaktlautsprecher sehr ehrgeizig, wenn es um die Verarbeitungsqualität geht. Dem Lautsprecher hat man ein exzellentes Lackfinish verpasst, welches man hätte kaum besser machen können.

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Hinzu kommen hochwertige Materialien in der Front die für die stimmigen farblichen Akzente sorgen. Die leicht gekrümmte „Haube“ mit der metallischen Oberflächen rundet das Lautsprecherkonstrukt letzlich gekonnt ab. Warum jetzt das Anschlussterminal so „spartanisch“ gehalten ist, können wir uns nicht erklären, aber in dieser Preisklasse hätte es ruhig etwas wertiger sein dürfen bzw. müssen. Aber es kommt bei Lautsprechern immer auf den Klang an und dem wollen wir uns auf der nächsten Seite widmen.


Klangcheck

Für die akustische Performance stellten wir den Revel Performa M126Be unsere Onkyo Referenz Kombi sowie den ELAC Discovery Server als Zuspieler zur Seite. Mit etwa 35 Zentimeter Abstand zur Rückwand und minimaler Einwinklung auf den Hörplatz (2,70m Abstand zwischen beiden Lautsprechern) wurde die beste Abstimmung erzielt.

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Fangen wir mit leichter Kost an und steigen mit Brick by Brick von Katy Perry ein. Der auf dem Unpluggend Album befindliche Song wird nur mit einer Akustikgitarre und der Stimme der Künstlerin realisiert. So einfach wie der Song doch aufgebaut ist, so faszinierend ist es mit anzuhören, wie viele Facetten und feinen Nuancen die Revel uns präsentieren. Das Seitengestreichel auf der Akustikgitarre wird sehr klar definiert in Szene gesetzt und dazu kommt eine federleichte Stimme, die sich spielend im Raum aufbaut und eine fast greifbare Plastizität erzeugt. Besser geht es kaum (...)

Mit Kaleo wollen wir weiter machen. Mit dem Titel All the pretty girls muss der Beryllium-Hochtöner zeigen, wie weit er mit hohen stimmlichen Regionen umgehen kann. Aber davor scheut sich der Treiber überhaupt nicht und liefert neben fein detaillierten Gitarrenklängen, auch eine sehr präsente Stimmenwiedergabe und musiziert genüsslich vor sich hin. Das Auflösungsvermögen ist enorm und arbeitet unglaublich fein in den Präsentation einzelner Details. Dazu wird ein sehr gut gestaffeltes Bühnenbild kreiert, welches bei geschlossenen Augen auch hier eine gewisse „Greifbarkeit“ der Töne suggeriert. Ein präziser und sehr druckvoller Tieftonbereich unterstreicht die Ernsthaftigkeit in der Wiedergabe. Für diese kompakten Maße agiert der Lautsprecher verblüffend souverän im tieferen Frequenzspektrum. Wunderschöne Darbietung dieses Songs.

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Damit es sich die kompakten Vertreter nicht zu gemütlich machen, wollen wir Jack White mit High Ball Stepper bemühen, den Lautsprechern im Thema Dynamik und Kraftentfaltung auf den Zahn zu fühlen. Trotz sanftem Einstieg, mit den elektronischen Gitarrensounds, untermauern die Revel direkt wieder ihrer Fähigkeit: das Sezieren von feinen Akzenten einzelner Instrumente. Ab der zweiten Minuten ist das Schluss mit Ausruhen und wie drehen den Lautstärkeregler in den oberen 70% Bereich und mit leicht geöffneten Mund genießen wir dieses packende Audio-Szenario und fragen uns wo die kleinen Lautsprecher diese Luft herholen, um den Track in dieser kraftvollen Art und Weise heraus posaunen zu können. Ein Volumen und Kräfteverhältnis herrscht auf den ersten Blick jedenfalls nicht bei den M126Be, denn sie klingen deutlich größer und wirken dabei nie ernsthaft angestrengt. Vor allem beeindruckt das sichere Verhalten bei wirklich schon unangenehmen Lautstärken. Wir konnten jedenfalls den kompakten Abkömmlingen keine hörbaren Verzerrungen mit Hilfe von enormen Pegeln entlocken.

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Abschließen möchten wir unseren Soundcheck mit Underworld und Twenty three blue. Hier geht es klar nochmal um das Verständnis von Impulskontrolle und der Kraftentfaltung des Tieftonbereiches.  Und ja, auch das können die Revel Lautsprecher gekonnt in einer stimmigen Audiodarstellung umsetzen. Sie besitzen Timing und überzeugen mit einem klar konturierten Bassbereich, der sicherlich keinen Subwoofer überflüssig macht, aber ein Verlangen danach deutlich geringer werden lässt. Wie ein gut gereifter Wein trumpft der Tieftonbereich vollmundig auf und demonstriert klar „es kommt nicht unbedingt auf die Größe an“. Klasse Vorstellung (…)  

Unsere einwöchige Dauerberieselung durch verschiedene Musikepochen und Genres sind wie im Flug vergangen und wir blicken nur positiv zurück. Die vielen Gesichter der Revel Lautsprecher, ob aufwendige Orchesterstücke, leise Balladen oder dynamische Rock- bzw. elektronische Musik, es ist den Lautsprecher „völlig wurscht“ was man den Schallwandler präsentiert, da sie mit allem umzugehen wissen und immer eine sehr gute Darbietung abliefern. Auch die gesamte Abstimmung der Lautsprecher ist den Ton-Ingenieuren bei Revel erstklassig gelungen. Trotz der Detailverliebtheit im Mittelton- bzw. Hochtonbereich nerven keine Zischlaute oder andere Hochton-Eskapaden, sondern münden immer in einer gekonnten Performa oder doch Performance (…) Kommen wir zum abschließenden Fazit.


Fazit

Etwas Passenderes als den Spruch „Auch andere Mütter haben schöne Töchter“ ließ sich an dieser Stelle nicht einsetzen. Denn auch trifft es genau, „Wie die Faust aufs Auge“. Die Revel Performa M126Be sind nicht nur hübsch anzuschauen, sondern bieten auch klanglich eine exzellente Darbietung. Aber bleiben wir erstmal bei dem materiellen Werten. Beim Gehäuse selbst lässt sich Revel nicht lumpen und überzieht die kompakten Lautsprecher mit einem äußerst ansprechenden Lackkleid, welches von einer Haube, im schicken Metallic-Look, abgerundet wird. Die eingesetzten Schallwandler werden von einer matten Aluminiumeinfassung an Ort und Stelle gehalten und in das Holz eingelassene Metallgewinde zeigen wieviel Verstand die Entwicklungsabteilung für Details hat. Dazu kommen hochwertige Frontabdeckungen, die mittels Magneten unsichtbar an der Front haften. Warum jetzt das Anschlussterminal so „einfach“ ausgefallen ist, bleibt uns ein Rätsel. Im Vergleich zu anderen Lautsprechern dieses Preisgefüges wie z. B. die DALI Epicon 2 oder den deutlich günstigeren KEF R3, hätte dieses etwas wertiger ausfallen müssen. Aber das ist nur ein kleiner Makel im optischen Auftreten.

Klanglich sind die Lautsprecher durchweg ein Genuss. Die Lautsprecher präferieren keine Genres, sie fühlen sich überall zuhause und das untermauern das akustisch eindrucksvoll. Besonders beeindruckt waren wir von dem Verständnis Nuancen eines noch so winzigen Details, klar und deutlich in das Klangbild montieren zu können, ohne dabei irgendwie zu übertreiben oder nervend zu agieren. Instrumente, Stimmen oder elektronische Rhythmen wurden immer feinfühlig und wenn nötig, mit Emotionalität dem Hörer präsentiert als auch von einem kraftvollen Tieftonbereich begleitet. Dieser agiert deutlich voluminöser und punchiger, als wir es den M126Be zugetraut hätten. Besonders die machbaren Pegel sind erstaunlich, die man mit den Lautsprechern fahren kann. Selbst bei hohen Lautstärken ließen sich die Revel nicht aus der Reserve locken. Sie blieben jederzeit harmonisch im Klangbild und besaßen stets die Kontrolle über ihr Handeln. Aus der audiophilen Sicht sind die M126Be eine kleine „Offenbarung“ und in jeder akustischen Faser wirklich stimmig abgestimmt.

Aktuell kosten die Revel Performa M126Be um die 4000,- US-Dollar und wir denken in Deutschland werden sicherlich um die 4000,- bis 4500,- Euro für das Paar realistisch sein. Befinden sich somit auf dem Spielfeld mit den z.B. DALI Epicon 2 oder XTZ Divine Delta. Klanglich haben alle Genannten es drauf und es wird eher zu einer persönlichen Geschmacksfrage, welche man vorab, gerade in dieser Preisklasse, Probehören sollte. Aber bei der reinen Verarbeitungsqualität müssen sich die Revel, den beiden anderen Probanden geschlagen geben, besser gesagt das einfach ausgeführte Anschlussterminal sorgt für das (marginal) schlechtere Abschneiden. Wer sich damit aber arrangieren kann und der Rückseite keine große Beachtung schenkt, bekommt für den aufgerufenen Kurs ein exzellenten Lautsprecher der sich unsere Top-Produkt-Auszeichnung verdient hat.

 

 

Revel Performa M126Be Regallautsprecher
ein noch eher unbekannter Stern am Lautsprecherhimmel - 15.01.2019

 
   Lautsprecher Testberichte  Hersteller-Homepage  
 
     Pro   Contra  Revel M126Be 06k  
   

+ schönes Design 
+ Materialwahl / sehr gute Verarbeitung
+ ausgezeichneter 
Mittel-Hochtonbereich
+ kraftvoller Bassbereich / gutes Timing
+ Bühnenbild / Staffelung / räumliche Abbildung
+ erstklassiges Auflösungsvermögen / Detailverliebt


- keine matte Oberfläche erhältlich
- einfaches Anschlussterminal

 

 

 Revel M126Be award k

 

 

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