Test: ELAC Miracord 70

ELAC Miracord 70 newsIm Jahr 2017 ließ das Kieler Traditionsunternehmen ELAC die eigene Tradition im Segment der Vinylteller wieder aufleben und brachte den ELAC Miracord 90 (zum Artikel) Plattenspieler an den Markt. Aber wie in jeder Familie üblich, kommt mit vielen "Kindern" erst richtig Spaß in die Hütte (…) Dem zur Folge durften wir bereits vor einiger Zeit den ELAC Miracord 70, ein zierliches Schwesterlein, erstmals bestaunen. Genau jenen Plattenspieler haben einem ausführlichen Testbericht inklusive Video vorgestellt.

 

Wo die 90 im Modell aus 2017 noch für den 90sten Geburtstag des Kielers Traditionsunternehmens stand, definiert die 70 einfach nur die darunter liegende Modelreihe. Das schlankere Model hat nicht nur beim Gewicht abgespeckt, auch das Preisgefüge wurde deutlich tiefer angesetzt. So bekommt man für eine UVP von 1200,- EUR einen sehr massiven Plattenspieler in einer, das können wir an dieser Stelle schon mal vorweg nehmen, überaus hochwertigen Erscheinung. Viel Wert legen die Kieler auch wieder beim „Out-of-the-Box-Verfahren“. Denn auch der 70er kommt komplett vormontiert samt Tonarm bzw. Tonabnehmer beim Kunden an. Lediglich eine kleine Justierung ist notwendig, dann kann der Hörspaß beginnen. Lust auf ein wenig Bewegtmaterial?

Der mittlerweile erhältliche Deckel passt auf beide aktuellen ELAC Plattenspieler (Miracord 90 und 70). Nachfolgend haben wir diesen exemplarisch einmal montiert. Dieser kann als optionales Zubehör beim Fachhändler zu einem Preis von 199 EUR erworben werden. Farblich gibt es keine Auswahl, sondern nur das abgebildete Modell zu erwerben.

ELAC Miracord 70 19k

  

Lieferumfang

 

ELAC Miracord 70 - Technische Details
 Bezeichnung  ELAC Miracord 70 Plattenspieler
 Preis   ca. 1199,- EUR  
 Hersteller-Homepage  www.elac.com
 Maße  465 x 365 x 140mm (Breite x Tiefe x Höhe) 
 Gewicht  11,0 Kg Stück
 Daten
 Ausgänge  2 vergoldete Cinchbuchsen inkl. Masseanschluss
 Tonabnehmersystem  MM-System mit Audio Technica AT95E
 Frequenzbereich  20Hz - 20kHz 
 Geschwindigkeiten   30 / 45 rpm 

 den nachfolgenden Seien wollen wir detailierte Blicke auf die einzelnen Komponenten werfen und V

ELAC Miracord 70 - Teil 1

Im Gegensatz zum größeren Model, wirkt der Miracord 70 auf den ersten Blick deutlich graziler als der bulligere große Bruder. Der Miracord 70 versteht sich als puristischer Plattenspieler der sich auf das Wesentliche fokussiert, was sich klar in der Designsprache widerspiegelt.

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Die stabile, aus MDF gefertigte Zarge ist von gebürsteten Aluminiumplanken eingerahmt und auf der Oberseite mit einer hochglänzenden-schwarzen Oberfläche besetzt. Diese Kombination erzeugt ein sehr wertiges und zeitloses Erscheinungsbild. Diese Farbkombination sollte sich in jedes Wohnambiente integrieren lassen und kann in gewünschten Raum zum echten Hingucker avancieren.

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Beim Gewicht hat der Miracord 70 zum größeren Modell Miracord 90 etwas abgespeckt. Die stabile Zarge aus MDF und die restlichen verbauten Materialien lassen die Waage bei knapp 11 Kilogramm einpendeln. Damit liegt man deutlich unter den 17 Kilogramm des Jubiläumsmodels. Die stabile MDF-Zarge besitzt dazu eine hohe innere Dämpfung und kann so hochfrequente Vibrationen effektiv eliminieren.

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Die Beplankung aus Aluminium ist nicht mehr ganz so dick ausgefallen, aber irgendwo muss man ja Gewicht einsparen und ausreichend ist der Materialeinsatz allemal. Das Firmenlogo fand wieder seinen Platz an der Front des Plattenspielers, sitzt auf dem Aluminium und lockert die schlichte Darstellung der Vorderseite etwas auf. Zusätzlich ist der Modelname in der schwarzen Hochglanz-Oberfläche mit Hilfe von silberfarbenen Schriftzeichen integriert worden, was erstklassig aussieht.  Die genaue Nummerierung des ELAC Models ist aber nur auf dem Typenschild rückseitig zu finden. Um das  Gehäuse vom Untergrund entkoppeln zu können, verwenden die Kieler beim jüngsten Spross der Plattenspielerfamilie eigens entwickelte Silikonfüße, die harte Stöße und starke Vibrationen effektiv vom Gehäuse fernhalten sollen. 

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Der Plattenteller selbst besteht laut ELAC aus getöntem Kalk-Natron-Glas, ist auf der Unterseite mit schwarzer Keramik beschichtet und trägt ein bisschen mehr als zweieinhalb Kilogramm zum Gesamtgewicht bei. Um den massiven Plattenteller nicht zu beschädigen bzw. zerkratzen legt der Hersteller eine dicke Filzmatte dem Lieferumfang bei.

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Der Glasteller ruht auf einem Subteller der vier Auflagepunkte bietet. Zwischen dem Subteller und dem Glasteller sitzen die Lagergummis aus blaugefärbten Silikon, die den richtigen Kontakt gewährleisten sollen aber auch Vibrationen entgegen wirken müssen. Um die nötige Laufruhe zu gewährleisten, setzt man auf eine Keramikkugel als zentrales Element im vorhandenen Punktlager. Selbiges ist im Übrigen vom Aufbau identisch mit dem des Miracord 90.


 

ELAC Miracord 70 - Teil 2

Um diesen massiven, mit Keramik beschichten Plattenteller aus Glas antreiben zu können, wurde dem Miracord 70 ein Motor aus dem Hause Premotec eingepflanzt. Dieser sogenannte Synchronmotor ist speziell für riemenangetriebene Schallplattenspieler entwickelt worden. Zusätzlich wurde er zweifach vom Gehäuse entkoppelt, einmal mit Hilfe von Gummidämpfern und des Weiteren mit einer Gewebezentrierung, wie auch schon beim großen Bruder gesehen.

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ELAC Miracord 70 15k ELAC Miracord 70 14k

Bei der Steuerung des Plattenspielers geht ELAC den einfachsten Weg. Es gibt an der Vorderseite einen Kippschalter für die Ein- bzw. Aus-Funktion. Das war es dann auch schon an Bedienmöglichkeiten. Der Tonarm muss, wie schon beim Miracord 90, komplett manuell aufgelegt bzw. geparkt werden. Eine Automatik sucht man beim puristischen Miracord 70 vergebens – was unserer Meinung nach auch gut so ist. 

ELAC Miracord 70 16k

Um die Geschwindigkeit des riemengetriebenen Tellers von 33 Umdrehungen pro Minute auf 45 Umdrehungen pro Minute, oder eben umgekehrt, einzustellen, entwickelten die Ingenieure von ELAC eine recht komplizierte Lösung zur Änderung der Geschwindigkeit. Die Anpassung beider Drehzahlen erfolgt durch ein Umspannen des Riemens unter dem Glasteller. Dazu muss der Glasteller abgenommen werden und der Riemen über die richtige Position des Antriebrades gelegt werden. Das ist nicht nur sehr umständlich, sondern setzt auch immer griffbereite Stoffhandschuhe voraus. Denn einmal den Teller ohne Handschuhe angefasst und schon befinden sich Fingerabdrücke auf dem Plattenteller. In unseren Augen eine etwas merkwürdige Lösung, ein einfacher Umschalter hätte die Bedienbarkeit deutlich gesteigert. 

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ELAC Miracord 70 10k

Für die Kommunikation kommen wieder hochwertig ausgeführte Cinch-Anschlüsse zum Einsatz. Diese sind für einen sicheren dauerhaften Kontakt von ELAC vergoldet und mit Hilfe einer schwarzmatten Blende auf der Rückseite montiert.

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Dem Lieferumfang liegt auch das gleich hochwertige und gesleevetes Kabel bei, welches wir schon beim Miracord 90 positiv erwähnten. Ein Kostenpunkt den man sich als Kunde also sparen kann. Der Hersteller wollte auch hier nichts dem Zufall überlassen. Outsourcing hat man schlussendlich beim Netzteil betrieben, welches extern gelagert und per einfachen Steckanschluss verbunden wird.


 

Praxistest

Durch eine sehr gut bebilderte und ausführlich beschriebene Anleitung ist der Aufbau des Miracord 70 ein Kinderspiel. Der massive Plattenteller wird einfach auf den Subteller aufgelegt, vorher müssen nur die Lagergummis in die dafür vorgesehen Aussparungen eingesetzt werden. Den Riemen um den Motor und natürlich Subteller spannen, dazu kann ein kurzes Drehen am Teller für richtige Positionierung helfen. Tonarm mit dem Gewicht ausrüsten, richtige Auflagekraft einstellen (detailliert in der Bedienungsanleitung erklärt) und das Anti-Skating-Gewicht ausrichten. Schon kann es losgehen, denn der Tonabnehmer ist schon vom Werk aus montiert.

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Für die Montage der Abdeckung sind lediglich zwei Halterungen auf jeder Seite zu montieren, die mit Hilfe von je zwei Schrauben am Gehäuse verschraubt werden. Dazu liefert ELAC auch erstklassiger Weise das nötige Werkzeug gleich mit. Nach vollzogener Montage lässt sich die Acrylglashaube einfach über die Stifte der Halterung aufschieben.

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Auch der Betrieb des Plattenspielers geht sehr einfach von Statten, mal abgesehen vom umständlichen Riemenwechsel bei geänderter Geschwindigkeit aufgelegter Vinylscheiben. Startet man den Motor mit Hilfe des Kippschalters, benötigt der Drehteller ein paar Sekunden „Anlauf“, bis er die richtige Geschwindigkeit erreicht hat. Was der Trägheit des massiven Glasteller geschuldet ist. Im Vergleich zum Miracord 90 geht der Startvorgang deutlich schneller. Aber wer hat es bei solch einer Art des Musikhörens schon eilig.

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Hat der Premotec Synchronmotor die richtige Drehzahl erreicht, hält er diese auch konstant und lässt sich schwer aus der Ruhe bringen. Auch aufgrund des massiven Gehäuses, verhält sich der der Tonarm sehr ruhig und verlässt seinen Platz auch nicht bei heftigeren Erschütterungen, wie sie zum Beispiel bei Scheiben von Notorious B.I.G schon mal vorkommen können. Die Nadel lief sehr sauber in ihrer „Rille“ und unterstreicht damit das vibrationsarme massive Gehäuse.

 

 

Klangcheck / Musikwiedergabe

An dieser Stelle wollen wir noch einmal darauf hinweisen, dass die klangliche Darbietung auch essentiell auf den gewählten Tonabnehmer zurückzuführen ist. Der vorinstallierte Audio Technica AT95E ist eher im Einstiegsbereich zu finden, was aber nicht heißen muss, dass dieser auch gut aufspielen kann. Wer aber „High End“ will, der kann das nachträglich noch zulegen. Unserem Empfinden nach wird die fertige ELAC-Lösung bei vielen für Zufriedenheit sorgen. Auf Grund der o.g. Gegebenheit wollen wir auch die Klangeindrücke nicht extrem ausschweifen lassen.

London Grammar if you waitDer aufstrebenden britischen Newcomer-Band London Grammar sagt man im Allgemeinen einen sehr audiophilen Musikstil nach, den wir mit dem Miracord 70 kombinieren wollten. Mit dem Track Shyer ließ sich hervorragend die kräftige und zugleich streichende Stimme von Hannah Reid in Verbindung mit den detailliert auftretenden Instrumenten abbilden. Der Miracord 70 weiß die nebenbei erwähnt, sehr gute Pressung, mit der üblichen Vinyl-Charakteristik aufspielen. Die Stimme der Sängerin wird sehr facettenreich und punktgenau in Szene gesetzt. Die Höhen klingen sehr sauber aus und die wenigen basslastigen Passagen setzten präzise ein, was natürlich auch immer den verwendeten Lautsprechern geschuldet ist. Wir hatten an dieser Stelle die neuen ELAC Adante in Verwendung.

 

Billy IdolAber auch kräftig zupacken kann die neueste Kreation aus Kiel. Denn Billy IdolsRebell Yell geht mächtig gewaltig voran und weiß absolut gefallen. Passender könnte es fast kaum sein bzw. schon fast als Metapher durchgehen – denn entzieht sich der Miracord doch so gut wie gänzlich dem „klassischen“ und gewohnten Design bisheriger Vinyl-Dreher. Die Stimme wird sehr gut von der Pressung genommen und in den Raum geschrien, dass aber auf einem super Niveau. Die Drums steigen punktgenau ein und kreieren die typische 80er Jahre Bühne mit der bekannt / geliebten großen Klangbühne. Gleiches gilt natürlich auch für die Stimme des Rock-Idols William Board, die mit markantem Scharm aus den Schallwandlern drängte.


 

Fazit

Der Miracord 70 stach bei unserer ersten Sichtung sofort aus der Masse hervor. An dieser Stelle kann man auch etwas subjektiver bzw. persönlicher schreiben (…) denn optisch versucht dieses Produkt den Weg von den „klassischen“, eckigen Kästen und drückt sich ganz klar in eine wesentlich modernere Designrichtung, die insbesondere auch jüngere Generationen ansprechen soll. Das optische Ergebnis? Erstklassig – und das ohne Zweifel! Unserer Meinung nach trifft man absolut den Nerv der Zeit und hat einen Plattenspieler im Aufgebot, der minimalistisch, puristisch und auch vom Farbmix sehr viele potentielle Kunden ansprechen dürfte.

Technisch und in punkto Verarbeitung wirkt der Miracord 70 erhaben, wären da nicht… Dazu aber gleich mehr. Sehr angenehm empfinden wir den Ansatz welchen ELAC auch schon beim Miracord 90 (zum Testbericht) verfolgt hat. Man erwirbt einen sehr hochwertigen Plattenspieler, der komplett spielbereit beim Kunden ankommt. Kritik müssen wir dem Dreher aber leider in zwei Punkten aussprechen. Die Umstellung der Drehgeschwindigkeit (von 33 auf 45 U/min) lässt sich nur umständlich mittels Abnehmens des Plattentellers und umlegen des darunter liegenden Riemens realisieren. Ähnliches gilt auch beim Ein-Aus-Schalter, der sich nicht so recht ins ansonsten so hochwertige Gesamtfinish einfügen will.

Darüber hinaus können wir dem ELAC Miracord 70 aber viele positive Aspekte attestieren, die man nicht unbedingt in Worten festhalten kann. Das Produkt „spricht einfach an“. Klanglich und auch in Bezug auf der Handhabung geht man sehr kundenfreundlich zu Werke. Eine sehr gute Bedienungsanleitung lässt den Kunden die wenigen notwendigen Schritte durchführen, bis der Musikspaß beginnen kann. Denn der Plattenspieler kommt bereits komplett vormontiert beim Hörer an, dieser muss lediglich den Auflagedruck und das Gegengewicht justieren.

Zu einem Kurs von 1200 EUR ist der Miracord 70 ab April 2018 dann bei ausgewählten Fach- und Online-Händlern verfügbar. Die in unserem Testbericht abgebildete Haube ist optional zu einem Preis von 199 EUR erhältlich. Trotz der genannten Kritikpunkte handelt es sich beim „70er“ um einen tollen Plattenspieler, den wir gern empfehlen.

 

 

ELAC Miracord 70 Plattenspieler  
Optisch perfekt anmutender Plattenspieler mit ein paar kleinen Schwächen - 12.04.2018

 
   Plattenspieler Testberichte  Hersteller-Homepage    
     Pro   Contra ELAC Miracord 70 01k  
 
  + sehr puristisches und hochwertiges Design
+ abseits der Norm angesiedelte Formgebung
+ ausgezeichnete State of the Art Verarbeitung
+ out-of-the-Box spielbereit
+ ausführliche & bebilderte Bedienungsanleitung
- umständliche Geschwindigkeitsumstellung
- Power-Schalter fügt sich nicht ins hochwertige
  Gesamtbild mit ein


 

ELAC Miracord 70 award k

 

 

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