Die PIEGA Premium Gen2 Lautsprecher-Serie dürfte vermutlich eine der Modellreihen der Schweizer Manufaktur sein, welche die größte akustische Spanne zu bieten hat. Vom kleinen, kompakten Einstiegsmodell (301), bis hin zum edlen und zugleich ausgewachsenen Luxus-Standlautsprecher finden sich hier verschiedene Ausführungen. Mit der 301 Gen2 haben wir uns die kleinsten Schallwandler vor die Brust genommen.
Die zweite Iteration der Premium Modellreihe (Gen2) hat PIEGA bereits Ende 2024 vorgestellt und darf keinesfalls mit der Premium Wireless Serie (zum Testbericht) verwechselt werden. Diese sehen zwar optisch nahezu identisch aus, haben aber grundsätzlich unterschiedliche Funktionsweisen vorzuweisen. Wie einleitend schon geschrieben, bietet die im Fokus stehende Serie eine unglaublich große Spanne beim Preis, aber natürlich auch bei der jeweiligen Klangleistung.
Die 301 Gen2 ist das kleinste Modell aus der Serie (zum Hersteller) und wird nach oben hin mit der 701 Gen2 und noch recht neu, mit der Premium 801 (wir berichteten) erweitert. Preislich steigt man mit 2500 Euro (Paar) ein. Die 701 Gen2 liegt bei circa 8000 Euro und das Flaggschiff, die 801, wird mit rund 10.000 Euro veranschlagt.
Was zeichnet diese Lautsprecher-Serie jetzt nun aber aus? Im Vergleich zum Vorgänger, hat man die neueste Version des magnetostatischen Hochtöners RM 01-24 implementiert, die ursprünglich aus der nochmals höherwertigen Coax-Serie stammt und bspw. auch bei der PIEGA COAX 411 (zum Testartikel) verbaut ist. Hinter dem neuen Kürzel „RM“ verbergen sich die beiden Namen der Erfinder (Roger Kessler und Mario Ballabio) – aber das nur als kleiner Sidefakt.
Im Vergleich zur vorherigen Modellreihe hat man die zweite Generation deutlich eleganter gestaltet. Jene orientiert sich, erkennend am ovalen Gehäuse, stark an die bekannte ACE-Serie. Wie generell von PIEGA gewohnt, kommt selbstverständlich auch wieder das hochwertige Aluminiumgehäuse in eloxierter Farbausführung zum Einsatz. Die Farbausführungen selbst haben zudem eine sandgestrahlte Mattierung erhalten, wodurch die Optik nochmals ansehnlicher sein soll als ohnehin schon. Man kann, relativ neu, auch zwischen weiteren eloxierten Tönen wählen. Schwarz und Weiß werden lackiert und sind ebenfalls aufpreispflichtig, wie auch die eloxierten Töne. Diese sehen aber fantastisch aus und dürften ihr Geld auf jeden Fall wert sein (…)
Verschiedene Farbausführungen stehen zur Wahl - gegen Aufpreis versteht sich
Es gibt insgesamt acht Farbvarianten, bei denen sowohl der Innenraum des Gehäuses, als auch außen komplett eingefärbt sind. Dafür wird das Aluminium eloxiert, was das Finish edler und resistenter gegen Verfärbungen durch beispielsweise UV-Strahlung macht. Die drei Farben Schwarz, Weiß und Silber gehören zur „normalen“ COAX-Serie. Acht weitere Farboptionen, wie das von uns getestete Misty Green, gehören zur Coax Excellence Serie, die noch einmal ca. 700 Euro Aufpreis bedeuten.
Aber kommen wir zurück zur 301 – jene Box ist als klassischer 2‑Wege Kompaktlautsprecher konzipiert, der noch eleganter als der direkte Vorgänger auftreten möchte und entsprechend im Design geformt wurde. Markant zu sehen, oder eben nicht, je nachdem, ob die Blende darauf sitzt, findet man hier einen 140 mm Tiefmitteltöner (FSD-M) vor, der das o. g. Hochtonbändchen flankiert. PIEGA beziffert die 301 Gen2 mit einem Wirkungsgrad von 89 db/W und gibt einen Frequenzbereich von 50 Hz bis 39.000 Hz an.
Die Schweizer Klangskulptur wird vor Ort in Handarbeit aus Aluminium-Strangguss hergestellt. Damit ist der Satz „Der Lautsprecher sieht aus, wie aus einem Guss.“ Nicht nur ein Spruch, sondern eine Tatsache. Das eloxierte Metall ist absolut makellos und fast zu schade zum Anfassen. Wir haben das aus Testzwecken dennoch getan und können von einem echten Handschmeichler sprechen, auf dem keine Fingerabdrücke zurückbleiben. Wie sich die farblichen Möglichkeiten in der Praxis widerspiegeln, haben wir u. a. auf der zurückliegenden High End 2025 in München per Video festgehalten:
Hier eine Übersicht zu allen technischen Eckdaten:
| Lautsprecher im Überblick | |
| Bezeichnung | PIEGA Premium 301 Gen2 |
| Preis | 2500,- EUR (Paarpreis) |
| Hersteller-Homepage | https://piega.ch/ |
| Maße | 310 x 170 x 228 mm |
| Gewicht | 6,1 kg pro Stück |
| weitere Daten | |
| Frequenzband | 39 – 50.000 Hz (±3dB) |
| Empfindlichkeit | 88 dB/W/m @ 4 Ohm |
| empf. Verstärkerleistung | 20 - 200 Watt |
| Tieftöner | 140 mm FSD-M |
| Koaxial-Chassis | 1x RM 01-24 Koaxialbändchen |
| Gehäusematerial | Aluminium-Starnggussprofil |
Das Gehäuse der 301 Gen2 verjüngt nach hinten in eine Rundung, wie wir das in letzter Zeit bei immer mehr Lautsprechern sehen bzw. auch schon bei der COAX 411 umgesetzt wurde. Wenn man es aufs Wesentliche herunterbricht, lässt sich sagen, dass die Schweizer einen roten Faden im eigenen Design-Programm haben – sehr löblich! Das ist nicht nur optisch ansprechend, sondern vermeidet auch stehende Wellen durch parallele Seitenwände, was aber auch schon zum großen Teil dem massiven Aufbau des Gehäuses geschuldet ist.
Auch hier setzt man auf das aufwändige Strangpressverfahren, bei dem das Gehäuse aus einem ganzen Block Aluminium besteht und nicht aus mehreren Teilen verklebt oder verschraubt wird. Im Kompaktbereich gibt es nur sehr wenige Hersteller, die dies bei einem Endkundenprodukt anbieten. Einer der wenigen Beispiele ist eine ELAC BS 312.2 Elegant.
Natürlich kommen die Lautsprecher auch mit einer Stoffabdeckung daher, die fest auf dem Lautsprecher sitzt und sich nur mit Hilfe eines Magneten oben in der Mitte abziehen lässt. In diesem Fall geht das wunderbar einfach und es präsentiert sich ein sehr schickes Antlitz, das gerade in Kombination mit dem silbernen Aluminium sowie den schwarzen Chassis hervorragend dasteht.
Der Bändchen-Hochtöner zählt nach eigener Aussage, zu den fortschrittlichsten des Unternehmens. Die angelegte „supersymmetrische Magnetkonfiguration“ sowie die im Vergleich zum Vorgänger verbesserte Dämpfung sollen ganz klar der Wiedergabe im Form Klarheit und Präzision zugutekommen. Mit einem zusätzlichen zentrierten Frontmagneten und einer symmetrischen Anordnung auf beiden Seiten des Aluminium-Bändchens wird das Magnetfeld optimiert, was eine bessere Linearität, verbesserte Impulsantwort und weniger Verzerrungen ermöglicht, so die PIEGA-Entwickler selbst. Die Supersymmetrische Treiber (SSD) Technologie halbiert das benötigte Magnetmaterial, was sowohl die Effizienz steigert als auch die Umweltbelastung senkt, während man gleichzeitig die Leistung der Schwingspule verbessert hat.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Verbesserung der inneren Dämpfung des Bändchens gelegt, basierend auf den Fortschritten des koaxialen Hochtöners. Dieses neue Bändchen vereint das kompakte Design des LDR 2642 MKII, sodass es ohne Beeinträchtigung der Klangqualität leichter in kleinere Lautsprechergehäuse passt. Gleichzeitig profitiert es von der größeren Membran des LDR 3056, was seine akustischen Fähigkeiten verfeinert. Das Ergebnis soll ein Bändchen sein, das die Stärken seiner Vorgänger vereint und sanftere, natürlichere Hochfrequenzen bietet, gepaart mit der Präzision des Koaxial-Hochtöners.
Für die unteren Frequenzen hat man einen 140 mm großen Tiefmitteltöner (FSD-M) verbaut, der dafür sorgen soll, eine makellose Wiedergabe zu realisieren, die dann auch noch perfekt mit dem Bändchen harmoniert. Optisch sichtbare Montagepunkte gibt es nicht – generell lässt sich auch sagen, dass die Lautsprecher ohne Abdeckung sehr viel besser zur Geltung kommen, als mit.
Wie detailversessen man gearbeitet hat, sieht man am Beispiel des hervorragend eingefrästen Firmenlogos in das massive Aluminiumgehäuse, das nicht nur vor Präzision strotzt, sondern zugleich auch ein passendes Detail des Gesamtproduktes darstellt.
Sehr präzise und edle Gehäuseverarbeitung
Sehr hochwertig ist auch wieder das Anschluss-Panel ausgeführt, welches Bananenstecker aufnehmen kann, es sich die Kabel aber auch klassisch verschrauben lassen. Wie hier dargestellt, bietet PIEGA auch passende Stative an, an denen die Lautsprecher elegant befestigt werden. Neben einer Schraube ist die Auflagefläche (am Stativ) des Lautsprechergehäuses ab Werk mit einem extrem stark klebenden Pad versehen. Eher fällt das ganze Konstrukt, als dass sich der Lautsprecher herunterlöst – das hält extrem fest.
Fixierung mit einer Schraube - Lautsprecher sitzt extrem fest
Sehr edles Stativ für die Premium 301 Gen2 - in Silber und Schwarz verfügbar
Die Empfindlichkeit des Lautsprechers gibt PIEGA mit 88 dB/W/m bei 4 Ohm. Der Frequenzbereich liegt zwischen 39 Hz und 50 Kilohertz (und damit voll HiRes-tauglich). Das Gehäuse hat die Abmessungen 31 × 17 × 23 Zentimeter bei einem Gewicht von 6,1 Kilogramm. Als Verstärkerleistung steht ein Wert von 20 bis 200 Watt im Raum.
Auf der nächsten Seite geht es dann weiter zum Praxisbereich und unseren Klangeinschätzungen.
Der Klang der PIEGA Premium 301 Gen2 lässt sich schlicht und einfach mit „extrem gut“ bezeichnen. Das Schweizer Taschenmesser hat auch hier wieder zugeschlagen (…) aber der Reihe nach. Fairerweise muss man erwähnen, dass ich die Möglichkeit hatte, die mehr als dreimal so teuren PIEGA COAX 411 im direkten Vergleich zur Premium 301 Gen2 antreten lassen zu können. Die Unterschiede in den klanglichen und preislichen Ausrichtungen kommen keinesfalls von ungefähr, aber das soll gar nicht das Thema sein.
Warum jetzt diese kleine Story dahinter? Klar ist ein gewisser akustischer „Abstieg“ merkbar, das große Aber dahinter ist aber auch, dass man diesen binnen von Sekunden / Minuten vergessen hat. Worauf ich jetzt hinaus will, ist die absolute Beständigkeit in zahlreichen Facetten, bei der absolut punchigen, präzisen und für diese Lautsprechergröße unglaublichen Bass-Performance. Wenn man mit den Kleinen macht, wofür sie gebaut wurden, verbirgt sich hier enormes Potenzial in allen Frequenz- und Pegelbereichen. Unter anderem Titel von 50 Cent mit extremen Tieftonanteilen, eigentlich Gift für Lautsprecher dieser Gattung, werden überaus präzise präsentiert. Selbstredend kann man auch mit dem Abstand zur Wand hier den Effekt verstärken oder abschwächen. Mit einher geht die Pegelfestigkeit, die bei höheren Volumenbereichen an den Tag gelegt wird, das ist wirklich erstaunlich.
Warum eigentlich der Vergleich zur COAX 411? Wenn man es herunterbrechen würde, könnte man urteilen, dass es die Entwickler auf überzeugende Art geschafft haben, die klanglichen Charakterzüge exakt gleich in die jeweiligen Serien zu implementieren, natürlich immer in Relation zur Größe und Chassisbestückung gesetzt. Ob nun mit verhaltenen Pegeln oder im oberen Drittel: Die 301 Gen2 agiert überaus präzise mit einer phänomenal großen Bühnenstaffelung, die extrem plastisch veranlagt ist, ein relativ breites Abstrahlverhalten bietet und in Summe ganz klar vielen anderen Standlautsprechern den Rang ablaufen wird. Die angegebenen 39 Hz im unteren Frequenzbereich merkt man zu keinem Zeitpunkt an, dass es hier auch ein wenig feiner zu Werke gehen könnte. Die akustische Eigenheit des Bändchen-Hochtöners arbeitet hier eine extrem feine Detailauflösung heraus, die in diesem Maße perfekt austariert und nicht überspitzt wirkt, wie man anderer Hochtöner dieser Gattung.
Zugegeben, war ich zu Beginn doch etwas skeptisch, was die Lautsprecher im Stande sind zu leisten – ich wurde massiv eines Besseren belehrt. Einen riesengroßen Einfluss auf die abgelieferten Audiofähigkeiten hat, wie auch bei allen anderen PIEGA-Produkten, das massive Aluminiumgehäuse, welches Verzerrungen jeglicher Art „wegschluckt“. Innerhalb des Produktumfeldes könnte dieser Kraftzwerg doch ein kleiner Geheimtipp sein, wenn das Budget für die teureren Serien nicht aufgebracht wird – oder gar als Zweitanlage? Als Zuspieler wurde im Übrigen eine Cambridge CX Kombo aus EXA100 (2x 150W – 4 Ohm) und EX-N100 verwendet, also keine Übergeräte, aber dennoch eine perfekte Harmonie zwischen Lautsprecher und Elektronik dargestellt.
Zwischenfazit: Überraschend potente, präzise agierende Lautsprecher, die keine Spur von analytischer Darbietung an den Tag legen, sondern die Titel auf einem extrem hohen Niveau wiedergeben, wie vom Komponisten angedacht. Damit wäre alles in diesem Bereich gesagt und wir kommen auf der nächsten Seite zum finalen Fazit.
Kauft man Schweizer Produkte aus einer Manufaktur, bekommt man Qualität im überproportional großen Maße. Das war ein Leitmotto, welches sich vielerorts stark eingeprägt hat. Trifft das auch in diesem Fall zu? Absolut und sogar noch darüber hinaus. Die grundlegende Verarbeitungsqualität des Unternehmens ist bereits von anderen Produkten bekannt, die wir in diesem Rahmen auch schon vorgestellt haben. In Handarbeit gefertigte Chassis- und Hochtoneinheiten in Horgen am Züricher See sind dabei nur ein Bestandteil dessen, was die Entwickler den Kunden mit an die Hand geben wollen.
Im Falle der Premium 301 Gen2 bekommt man als geneigter Anwender eine sehr kompakte Box vorgesetzt, die nicht erst auf den zweiten Blick überzeugt, sondern schon bei den ersten Tönen durchaus großspurig überraschen kann. Die positiv gemeinten Attitüden, die der Schallwandler mitbringt, kennen wir aus den deutlich größeren Serien. Zu nennen wären die verzerrungsfreie Darbietung, auch bei hohen Pegeln, Hochtonpräzision und das generelle Bühnenvolumen, die hier die Leistung abrunden. Im Grunde handelt es sich um die geschrumpften COAX-Lautsprecher, nur eben in einer anderen Serie verpackt und mit etwas weniger Leistung – und ja, auch deutlich geringeren Anschaffungskosten.
Für das Paar muss man 2500 Euro einkalkulieren (Silber eloxiert). Wählt man die weiß oder schwarz lackierte Ausführung, werden daraus 2900 Euro. Die Standfüße kosten nochmals 600 Euro, gefertigt ebenfalls in allerhöchster Materialgüte.
Im Kern erhält man einen sehr unscheinbaren und verhältnismäßig kleinen Lautsprecher, der die bekannten PIEGA-Grundsätze mitbringt und das Prädikat Schweizer-Luxusgut zu Recht tragen darf. Aber auch klanglich sind die Premium 301 Gen2 eine absolute Empfehlung – wohl bedacht immer mit dem Wissen, welchen eigenen Anspruch man an ein System selbst hat. Wo man den gewünschten PIEGA-Lautsprecher kaufen kann, erfährt man hier direkt beim Hersteller.
PIEGA Premium 301 Gen2