Kopfhörer

Test: nura nuraphone

Inbetriebnahme & Einrichtung

Dass der nuraphone nicht nur äußerlich modern ist, merkt man spätestens dann, wenn man nach Schaltern oder Tasten sucht. Selbst ein Einschalter ist nicht vorhanden, denn der Kopfhörer erledigt dies automatisch beim Aufsetzen. Bevor man die Konfiguration beginnt, sollte man jedoch eine Ladung vornehmen, welche nach 3h die volle Kapazität des Akkus füllen sollte. Vorraussetzung für die Konfiguration ist dann das Vorhandensein der nura App, welche für Andriod und iOS erhältlich ist. Diese führt einen sehr gut geleitet durch die einzelnen Schritte, was anmiert, schriftlich und auch per Sprachausgabe erfolgt. Der folgend dargestellte Verlauf wurde von dem Firmware-Upgrade unterbrochen, aber auch dies stellt selbst unerfahrene Nutzer vor keine Rätsel. Die ersten Schritte umfassen den richtigen Sitz des Kopfhörers sowie ein kurzes Einmessen, was von einem längeren Einmessen des Gehörs gefolgt wird. In den letzten Schritten kann man die Intensivität der Immersion seinen bedürfnissen anpassen und die beiden Touch-Tasten programmieren. In der Summe ist das Vorgehen sehr intuitiv und wirklich gelungen.

Nach einmaliger Ersteinrichtung lässt sich der Kopfhörer dann weiterhin mit der nura App etwas konfigurieren. Hier kann man bspw. dann zwei weitere Hörerprofile anlegen, die Immersion ein- oder ausschalten, die Intensivität verstellen, die Tasten umprogrammieren und das Active Noise Cancelling ein- und ausschalten. Diverse Aktionen hiervon lassen sich auch direkt auf die beiden Tasten des Kopfhörers legen, wodurch der Griff zum Smartphone bzw. das Starten der App minimiert werden kann. Die Übersicht ist hier grundlegend auch in Ordnung. Was etwas unschön ist, ist, dass wir vom benutzten Huawei P20 Lite darauf hingewiesen wurden, dass die App viel Energie im Hintergrund benötigen würde. Grund hierfür scheint eine andauernde Datenübermittlung zu sein. Inwieweit sich die Klanganpassung auswirkt, wird unter der Rubrik Klanqualität bewertet.

 

Praxis & Features

Wie bereits erwähnt, werden die nuraphone nur mit einem USB-A Kabel ausgeliefert. Dieses ist grundsätzlich für das Laden zuständig, es lässt sich am PC oder MAC aber auch Musik über diesen Anschluss hören. Genutzt wird dabei der interne DAC des nura Kopfhörers, sodass auch schlecht ausgestattete Rechner oder Laptops eine Aufwertung erfahren. Die Steuerung über die Touch-Tasten entfällt bei diesem Anschluss jedoch. Diese sind nur über eine Verbindung via Bluetooth aktiviert.

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Die beiden Touch-Tasten können insgesamt mit vier Befehlen belegt werden. Diese Anzahl ist vielleicht für den einen oder anderen ausreichend, durch die Features des Kopfhörers unserem Empfinden nach aber zu wenig. Was zudem störend aufgefallen ist, ist, dass eine Eingabe an den Tasten eine Art haptisches Feedback auslöst, welches wie ein Ploppen oder Knacken im Ohr wahrgenommen wird. Vielleicht lässt sich dieser Effekt durch die Software lösen bzw. fänden wir es nicht verkehrt, wenn man die Funktion deaktivieren könnte.

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Durch das neue G2 Firmware-Update hat der nuraphone noch einmal an Features gewonnen. So wurde ANC (active noise cancelling) nachgereicht, ebenso wie der Social Mode. Das ANC ist in den Einstellungen etwas versteckt und die Funktionsweise ist eher Durchschnitt. Den Dunstabzugshaubentest bewältigt der JBL E65BTNC besser und der Teufel Real Blue NC auf ähnlichem Niveau. Da die passive Abschrimung aber schon sehr hoch ausfällt, ist eine hohe Dämpfung dennoch vorhanden bzw. mit aktiver Musik wirklich kaum etwas der Außenwelt wahrnehmbar. Der Social Mode umgeht diese Schirmung sozusagen, und lässt einen auch mit seinen Mitmenschen kommunizieren, ohne die nuraphone abzunehmen. Ein Programmierung auf eine der Tastenbefehle kann sehr nützlich sein, denn die Funktion erfüllt ihren Zweck erstaunlich gut. Die Umgebung wird fast wie live wahrgenommen, lediglich die eigene Stimme wirkt etwas künstlich. Insgesamt ist die Rede davon, dass die nuraphone so entwickelt wurden, dass kein Entwicklungsstopp vorhanden sein soll, also per Updates weitere Funktionen nachgereicht werden sollen bzw. können. Wir sind gespannt, was der Hersteller sich noch einfallen lässt.

 

 

Tragekomfort

Eine Bewertung des Komforts gestaltet sich etwas schwierig, da nur der vormontierte Satz der Ohrstöpsel vorhanden war. Zu den "Ohrpolstern" aus Gummi lässt sich sagen, dass auch ein längerer Zeitraum kein Druckgefühl verursacht. Gleiches gilt für das Kopfband. Positiv fällt das Fazit in dieser Kategorie dennoch nicht aus, was an dem In-Ear-Part der Kopfhörer liegt. Denn der Zapfen ist nicht einstellbar, nur die Stöpsel-Gummis lassen sich variieren. Die vorhandene Größe verursachte, egal wie man die nuraphone auch aufsetzte, immer einen Schmerz im Innenohr. Lange konnte man den Kopfhörer daher nie wirklich auflassen bzw. konnte man sich nach längerer Session nicht in die Musik flüchten. Hier ist auf jeden Fall Verbesserungspotential vorhanden.

 

 

Klangcheck

Dem Klangcheck ging natürlich ersteinmal eine Einmessung vorraus. Dass dieser Vorgang tatsächlich eine individuelle Anpassung vornimmt, hat der Vergleich zweier Profile offenbart. Es lässt sich auch sagen, dass ohne die Anpassung der Klang zunächst etwas dumpf und linear erscheint. Erst durch die Anpassung an den jeweiligen Gehörgang entfalten die nuraphone ihr volles Potential, welches wirklich beachtlich ist. Zum Einsatz kam dabei ein Huawei P20 Lite, welches aptx-HD unterstützt und mit Hi-Res Material gefüttert wurde. Als weitere Möglichkeit wurde der USB-Anschluss am PC genutzt, bei welchem ebenfalls der DAC der nuraphone zum Einsatz kommt. Obacht ist bei der zusätzlichen, verstellbaren Immersion geboten, welche den Tiefgang extrem steigern kann, was nicht nur hörbar, sondern auch fühl- und sogar sichtbar ist.

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Den Anfang macht der Titel Hardwired vom Album Hardwired... to Self-Destruct. Passenderweise kommt bei zu hoher Immersion, genau diese Befürchtung auf, dass es entweder die nuraphone oder die Ohren zerlegt. Ob man den Kopfhörer dabei per Bluetooth oder Kabel benutzt, spielt aber keine Rolle, Pegel und Bass können enorm gesteigert werden. Daher ist eine Stellung bei etwa einem Viertel ein guter Kompromiss bzw. zu einem Rantasten der Grenzen geraten. Hier legt sich der nura aber immer noch richtig ins Zeug, um jeden Teil der Band Metallica so detailgetreu wie möglich abzubilden. Und das gelingt dem Kopfhörer wirklich hervorragend. Die Riffs klingen präzise, der Bass wuchtig und raumfüllend, ohne das sich James Hetfields markante Stimme in den Hintergrund verabschiedet. Das Konzept des 2-Wege Systems geht hier bereits vollends auf.

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Wie dynamisch der Kopfhörer durch das ausgeklügelte Spielprinzip agiert, kann River von Bishop Briggs vom Album Church Of Scars unter Beweis stellen und das auch komplett ohne Immersion. Die kräftigen Stimme der zierlichen Engländerin wird hier nicht instrumental, sondern elektronisch untermalt, das aber auch nicht zu knapp. Eingeleitet durch eine eher ruhige Passage mit harten Snares, setzt die Gänsehaut eigentlich bei jedem erneuten Hören des Refrains ein. Hier brüllt die Sängerin regelrecht gegen den einsetzendes Bass an, was mit den nuraphone einfach nur Spaß macht. Statt gepumpe begneten einem hier saubere, warme Bässe, einhergehend mit der klar verständlichen Stimme. Echt genial umgesetzt! 

Zeit eine gegenteilige Musikrichtung unter die Lupe zu nehmen. Beinahe schon schnullzig kann No Matter What von Calum Scott schon bezeichnet werden. Grundsätzlich wird der Song von der Stimme des Künstlers getragen, welche sich sehr klar in allen Facetten abzeichnet. Mit der leichten Klavierbegleitung am Anfang und den später einsetzenden weiteren Instrumenten wird hier tatsächlich ein feeling wie beim Live-Konzert erzeugt, oder neudeutsch, eine Immersion geschaffen. Insgesamt lässt sich am Klang des nuraphone kaum rütteln. Der Kopfhörer klingt durch den äußeren Bass-Treiber sehr füllig, wobei der In-Ear-Treiber keine Details schluckt. In der Summe einfach sehr ausgewogen, wobei die einstellbare Immersion einem bestimmt auch die Trommelfälle zerbersten könnte.


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