HiFi-Kompaktanlagen

Test: Naim Mu-so 2

Praxis und Klangcheck

Für die klangliche Wiedergabe ist ein 3-Wege-Stereo-System zuständig, dass auf eine Gesamtleistung von 450 Watt zurückgreifen kann. Im Gegensatz zur ersten Generation, ist das Gehäusevolumen um 13% angestiegen und soll der Tieftonwiedergabe bzw. den beiden ovalen Chassis unter die Arme greifen. Im Mu-So 2 agiert auch ein DSP für die Klangregelung, der in der App drei vordefinierte Klangprofile dem Nutzer bereitstellt, die sich aber nur auf den Aufstellort konzentrieren. Eigene Anpassungen in den einzelnen Frequenzbereichen sind leider nicht möglich. Eine einfache Höhen- bzw. Bassregelung hätten wir uns schon gewünscht, aber dazu gleich mehr.

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In der Praxis kann sich der Naim Mu-so 2 positiv behaupten. Die Einrichtung ist mittels kostenloser App und unserem Smartphone schnell erledigt, so ist das Gerät ist innerhalb von 5 Minuten in eigenen Netzwerk integriert. Wer jetzt nur die kabelgebundenen Schnittstellen nutzen möchte, muss diese Einrichtung nicht zwingend durchlaufen, da dank Fernbedienung oder dem exzellenten Touchpanel alle Zugänge zum Gerät auch so erreichbar sind.

Einrichtung der Naim-App auf einem Android-Smartphone

Ohne Netzwerkschnittstelle verschenkt man aber einiges an Potenzial, den in dem Musiksystem sitzt auch eine leistungsstarke Streaming-Engine die den Zugang zu dem Naim Multiroom Universum bereitstellt. Des Weiteren verfügt das System auch über eine Zertifizierung als Roon-Endpoint und kann daher einfach über die beliebte Plattform mit Audiodaten gefüttert werden. Über die App erhält man aber auch den Zugang zu den Streaming-Diensten TIDAL, Spotify oder das Webradio und kann das System auch per Google Chromecast oder Apple Airplay 2 mit weiteren Diensten versorgen. 

 

Oberfläche der Naim-App auf einem Android-Smartphone

Wer lieber auf die eigene digitale Musiksammlung zurückgreifen möchte, kann das über die Server- oder eben USB-Schnittstelle realisieren. Da spielt es auch kaum eine Rolle, in welchem Format die Audiodateien vorliegen. Es werden neben WAV, FLAC, AIFF von bis zu 24bit/384kHz, auch DSD-64 bzw. -128 unterstützt, aber natürlich auch MP3, AAC, OGG und WMA.

Roon Screen
Naim Mu-so 2 besitzt auch eine ROON-Endpoint Zertifizierung

Aber neben dem Zugang zu einigen Musikdiensten, bietet die App auch verschiedene praktische Funktionen wie z. B. die Weckfunktion, die Definition der einzelnen Preset Speicherplätze oder eine dreistufige Beleuchtungsfunktion. Der Umgang mit der App selbst gestaltet sich intuitiv, Oberfläche und Menüstrukturen sind logisch gegliedert und klar gekennzeichnet was einen problemlosen Umgang im Alltag gewährleistet.

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Bluetooth muss ohne hochauflösende Codecs wie z. B. aptX-HD auskommen

Wichtigster Part eines Soundsystems ist sicherlich die Audiowiedergabe, hier können wir vorwegnehmen, das Naim in der neuen Mu-So Generation dies sehr gut realisiert hat. Unsere Erwartungen waren hoch, haben die Briten doch in Zusammenarbeit mit den Kollegen von Focal daran entwickelt, aber das hat sich gelohnt. Obwohl das Musiksystem vom Format und Design eher auf Understatement setzt, eben typisch britisch, möchte das klanglich nicht dazu passen. Hier bietet sich dem Hörer eher eine sehr dynamische, groß aufspielende Klangkulisse, die gerade im Tieftonbereich überraschend kraftvoll agiert. Obwohl die einzelnen Schallwandler bauartbedingt sehr nah aneinander sitzen, besitzt das erzeugte Bühnenbild eine gute Breite in der Darstellung, klingt zwar nicht wie ein „richtiges“ Stereo-Setup, aber kommt dem schon recht nah.

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Durch das Drei-Wege-System werden alle Frequenzbereiche gut dosiert dargestellt, die Abstimmung ist eher warm als analytisch und mit einer minimalen Dominanz des Tieftonanteils. Aber das Mu-So 2 musiziert unglaublich präsent, dabei spielt es keine Rolle ob man Live-Auftritten wie Katy Perrys bei MTV Unplugged genießt, sich großen Orchestern mit vielen Instrumenten hingibt oder mit elektronischer Musik von Paul Kalkbrenner die Rampensau auspackt. Das kompakte Soundsystem überzeugt mit ansprechender Dynamik, stellt einzelne Instrumente und Stimmen sehr deutlich als auch klar differenziert dar und wirkt in jedem Genre sehr harmonisch abgestimmt. Leider hat man als Nutzer keine Möglichkeit in die Klangwiedergabe selbst einzugreifen, außer in der App den Aufstellort zu definieren. Denn auch wenn die Mu-So 2 mit einer guten Abstimmung überzeugt, hätten wir uns hier und da eine leicht erhöhten Hochtonbereich und etwas zurückhaltenden Tieftonbereich gewünscht. Aber das ist meckern auf hohem Niveau, denn grundsätzlich hat uns die Musikwiedergabe mit einem breiten Bühnenbild, einer sehr kraftvollen Wiedergabe und hohen Pegeln ohne Verzerrungen positiv überrascht.

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dank Chromecast built-in auch im Google-Universum nutzbar

Dank der HDMI-ARC-Schnittstelle möchten wir dem Audiosystem aber nicht nur musikalisch auf den Zahn fühlen. Denn man kann die Mu-So 2 auch für die Aufwertung des TV-Sounds nutzen und somit die etwaige Soundbar durch die kompakte HiFi-Anlage ersetzen. Um den TV-Sound zu beurteilen, ließen diverse Netflix-Serie und UHDs über unseren Panasonic TV „flimmern“. Wir waren begeistert wie gut das Mu-So System auch in diesem Bereich performt. Eins vorab, Surround-Formate wie Dolby-Digital oder DTS-Formate versteht das System nicht und beim Ausgabeformat muss auf PCM umgestellt werden, damit das Mu-So 2 auch die zugespielten Daten versteht. Dann kann es aber auch schon losgehen - auch hier meistert das Audiosystem die Aufgabe mit Bravour.

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Die Stimmenwiedergabe überzeugt mit einzelnen Facetten, Schauspieler besitzen hörbar ihre Stimmfarbe, wie man sie eben kennt und kommen stimmig aus der Bildmitte. Sogar der dynamischen Effektwiedergabe würden wir einen Hauch an Räumlichkeit zusprechen, einzelne Elemente in hektischen Szenerien lösen sich von der Schallwand, bauen sich strukturiert vor dem Hörer auf und erzeugen ein leicht andeutendes räumliches Gefühl. Dazu gesellt sich ein knackiger Tieftonbereich, der gerade Explosionen oder kraftvolle Filmscores mit Substanz füllt und das Klangbild stimmig abrundet. Sicherlich ist eine Soundbar mit externem Subwoofer dynamischer unterwegs, aber das Mu-So 2 ist ein stimmiges Komplettpaket, dass neben einer ansprechenden TV-Sound-Wiedergabe auch richtig Lust auf das Musizieren hat und somit im Wohnzimmer einige Gerätschaften ersetzen könnte bzw. den Wunsch nach mehr erst gar nicht aufkeimen lässt. Aber der abschließenden Beurteilung muss sich die Naim Mu-So 2 noch stellen und zu der kommen wir jetzt.


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