Wie für einen Standlautsprecher üblich, braucht auch die B-60 Platz zur Entfaltung und mag es nicht irgendwie eingequetscht aufgestellt zu werden. Wer keinen Platz hat, sollte sich dann eher die B-40 bestellen, da ist man flexibler und bekommt trotzdem etwas Potentes für die Ohren. In meinem Szenario habe ich dem Standlautsprecher um die 30 Zentimeter Platz nach hinten eingeräumt, seitlich ist glücklicherweise bei mir keine direkte Wand. Des Weiteren wurden die Lautsprecher minimal auf den Hörplatz eingewinkelt. Wer der B-60 das volle Potenzial entlocken möchte, muss hier den Lautsprecher eine kräftigen Verstärker zur Seite stellen. Der Wirkungsgrad ist nicht unbedingt Verstärker-freundlich einzuordnen. Ich nutzte eine Onkyo P-3000R Vorstufe mit einem Elac Discovery Music Server für die Streaming-Dienste und als Endstufe eine Onkyo M-5000R, die genügend Leistung mitbringt und keinen Flaschenhals darstellen sollte.
Ich steige etwas entspannter in meinen Klangcheck ein und bei einer ruhigen Runde mit Diana Krall oder Gregory Porter überraschen die B-60 mich, wie wenig sie sich nach einem "Einstiegslautsprecher" anhören. Aber wie sollte denn ein Standlautsprecher im Einstiegsbereich klingen? Das ist natürlich schwierig zu beantworten, aber die nuBoxx B-60 machen direkt klar, das sie es ernst meinen und zaubern eine sehr stimmige Klangbühne auf meine Ohren. Ob zarte Klavieranschläge, im Hintergrund agierende Trompeten oder eben die einzigartigen Stimmen, die B-60 staffeln das Bühnenbild mit einer klaren Struktur, bringen eine stimmige Emotionalität mit, welches in diesem Genre eine Grundvoraussetzung ist und die Musik erlebbar machen. Soviel Verständnis für die Feinheiten eines Songs habe ich den B-60 gar nicht zugetraut.
Bei Rockklassikern wie Purple Rain von Prince, Show must go on von Queen oder Led Zeppelins – Stairway To Heaven holen mich die Nubert vom ersten Ton ab und bieten einen kurzweiligen, aber spaßigen Rock-Ausflug. Neben einem saftigen Beat, der präzise und kraftvoll zu Werke geht, ist auch die Räumlichkeit der B-60 beeindruckend. Die Songs lösen sich leichtfüßig von der Schallwand, was in einer sehr stimmigen Soundkulisse mündet. Auch der Detailgrad überzeugt. Dieser ist mit zwar nicht mit dem Feingefühl eines AMT-Hochtöner wie den JET5 vergleichbar, aber in dieser Preisklasse sehr ausgeprägt ohne dabei spitz oder unschöne Zisch-Laute zu produzieren.
Für einen saftigen Beat zücke ich meine R&B Allzweckwaffe Mary J. Blidge. Mit ihren Songs verbinde ich erste Gehversuche mit dem weiblichen Geschlecht, diese Erinnerungsanker rufen auch die Nubert B-60 wieder in mir auf. Auch wenn ich damals deutlich schlechter ausgestattet war, was die Lautsprecher betrifft, ist die Vergangenheit sofort wieder präsent. Der Einstieg mit Klavier gelingt und die Zeitreise kann losgehen. Dann kommt die wunderbare Mary J. Blidge dazu und die Nubert zeigen auch in diesem Genre das Verständnis für Details und wie man viele Elemente zu einem großen Ganzen formt. Dank der kraftvollen Tieftöner ist richtig Druck im Kessel, der Bass geht schön tief aber bleibt jederzeit präzise und das auch bei höheren Pegeln. So überzeugt nicht nur der Detailgrad, sondern die B-60 können auch mit einem dynamischen Bass punkten, der mit einem guten Timing daherkommt.
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