Lautsprecher (portabel)

Test: Marshall Stockwell II

 

Klang- und Praxischeck

Um auf meiner Terrasse in Stimmung zu kommen, steige ich mal etwas unkonventionell ein und suche mir bei TIDAL den Song Lambada von Kaoma raus, denn hier herrschen aktuell 30 Grad in der Sonne und mir ist nach feurigen Rhythmen. EIEIEIEIE! Dem Marshall gefällt meine Musikwahl und mir gefällt, wie er diese interpretiert. Die Instrumente sind detailliert präsentiert, auch stimmlich macht der Stockwell II alles richtig, die Interpretin klebt nicht an der Schallwand, sondern löst sich leicht und verbreitet Stimmung. Ich musste aber den Hochtonregler etwas anpassen, die tonale Grundausrichtung war mir etwas zu dumpf, aber dafür hat ja Marshall die Regler vorgesehen. Bevor TIDAL mit Tina Turner und The Best weiter macht, Wechsel ich lieber das Genre, soll jetzt keine Majestätsbeleidigung sein, aber Tina ist nicht meins…

Marshall Stockwell II 02k

In der 1989!-Playlist befindet sich auch Black Velvet mit Alannah Myles, ein Klassiker der auf jeder Party mitgegrölt werden kann. Der Marshall kann das aber besser, also das Grölen, und liefert einen satten Bass mit schön rauchiger Stimme. Der Stockwell zeigt aber auch typische Marshall „Qualitäten“ und so ist der Bassbereich leicht dominant abgestimmt, obwohl der Drehregler für den Tieftonbereich schon in der Nullstellung ruht. Aber alles im Rahmen, sodas der Lautsprecher diese verruchte Stimmung gut transportiert und der von mir vorher erhöhte Hochtonbereich unterstützt auch hier etwas, er verleiht der Sängerin Myles eine feine „crispy“ Stimme, so wie ich sie in sehr ähnlicher Form auch von „richtigen“ Lautsprechern kenne.

Marshall Stockwell II 03k

Geil, in der Playlist ist auch der Song Ugly Truth von Soundgarden, einer meiner Lieblingsbands zusammen mit Linkin Park. Tragisch das beide Frontmänner sich kurz nacheinander das Leben nahmen, in dem Musikgenre ein echter Verlust. Der Inhalt Ugly Truth deutet vielleicht auch die Probleme etwas an, aber ich will nicht abschweifen… Der Marshall jedenfalls knallt mir gut akustisch gezeichnete Gitarrenriffs vor den Latz und Cornells Stimme besitzt die richtige Intensität, um den Song ernst zu nehmen. Dabei verzerrt er nicht, bei voll aufgedrehten Hochtonregler wird es aber anstrengend, also schnell auf die Hälfte zurück, mehr braucht es bei dem Song nicht. Dann passt die Performance und der Song wirkt sehr ausgewogen abgebildet. Auch wenn ich hier von einem Bluetooth-Lautsprecher rede, würde ich dem Stockwell II audiophile Gene zuschreiben. Für dieses Einsatzgebiet nimmt er seine Arbeit überraschend ernst und besitzt ein solides Grundverständnis für gute Musik und dessen Abbildung.

Marshall Stockwell II 04k

Um den Stockwell aus der Reserve zu locken, muss ich aber die Playlist doch verlassen und reise fünf Jahre weiter mit Juicy von Notorious B.I.G. Voll aufgedreht zeigt auch der Stockwell II wie „saftig“ er ist und überzeugt mit einem beachtlichen Bassbereich, der vielleicht manchen etwas drüber sein dürfte, aber für mich passt er perfekt auf den Track. Zur Not hilft der Regler für den Tieftonbereich. Ich habe den Regler jedenfalls am Anschlag, um zu hören was der Marshall so kann, aber das juckt ihn herzlich wenig. Er liefert auch bei voller Lautstärke einen kontrollierten, zwar leicht dominanten, aber nicht übertriebenen Beat. Das Gehäuse vibriert, der Tieftöner ackert was das Zeug hält, aber Effekte und die im Refrain auftauchende Protagonistin werden trotzdem nicht ignoriert, sondern platzieren sich brav hinter dem Beat, untermalen das Geschehen stimmig und ich lasse diese Hörsession kopfnickend ausklingen. Absolut Juicy diese Vorstellung…

Das wären dann auch meine „just two cents“ zum Thema Marshall Stockwell II und komme zum Fazit.


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