Der Soundcore Motion+ will rein optisch eigentlich nicht ins Gelände. Und das, obwohl er auch nach IPX7 zertifiziert ist, was so viel bedeutet, als dass man ihn auch im starken Regenschauer einfach stehen lassen kann. Beim Design ist eher Unterstatement angesagt. Erhältlich ist er daher auch nur in der gezeigten schwarzen Ausführung. Einen Großteil der Fläche des Geräts nimmt das Frontgitter ein, welches aus Metall gefertigt ist und einen relativ robusten Eindruck hinterlässt. Durch die Maschen kann man einen Blick auf die verbauten Einzelteile der Tonerzeugung erhaschen. Wie angesprochen setzt man auf ein aktives 2-Wege-System, welches sich aus zwei 25mm Hochtönern und zwei 50mm Tieftönern zusammensetzt. Um den Klang breiter wirken zu lassen, sind die Hochtöner um 15° nach außen und, wie die anderen auch, um 15° nach hinten geneigt.
Damit der Tiefgang nicht zu kurz kommt, setzt man auf eine mittlerweile weit verbreitete Methode in Form eins passiven Radiators. Dieser prangert prägnant in der Mitte, trägt das Marken-Logo. Auf der Rückseite ist ein weiterer verbaut, welche durch die kleineren Öffnungen "atmet". Insgesamt erinnert der Aufbau damit etwas an den Dockin D Fine+. Die Kombination soll einen Frequenzbereich von 50 Hz bis 40 kHz abdecken können. Zusammen mit dem integreren DSP, welcher hier als aktive Frequenzweiche arbeitet, sollen Titel originalgetreu mit allen Details wiedergegeben können.
Etwas gegen den Outdoor-Einsatz spricht die Oberflächen-Beschichtung. Denn der Softtouch-ähnliche Überzug ist kratzeranfällig und offenbart jeden Fettgriffel. Zweiteres kann man schnell beseitigen, da er ja wasserresistent ist, gegen Kratzer hilft nur Vorsicht. Der IPX7 Schutz zeigt sich bei den Anschlüssen, welche von einem dicken Gummi-Stopfen verschlossen werden. Dahinter verbirgt sich eine USB-C Buchse zum Aufladen sowie ein 3,5mm Klinken-Eingang. Ansonsten kann man seine Musik per Bluetooth 5.0 inklusive aptX an den Lautsprecher senden. Reichen einem die beworbenen 30W nicht aus, kann man auch zwei gleiche Geräte miteinander verbinden. Empfohlen wird hier in Innenräumen ein Abstand von maximal 5m, draußen dürfen es bis zu 15m sein.
Eingeschaltet wird er über die seitliche Taste. Hier reicht ein kurzes Drücken schon aus, was zur einer versehentlichen Auslösung führen könnte, transportiert man ihn mit anderen Gegenständen in einer Tasche. Zum Ausschalten muss man ihn hingegen länger gedrückt halten. Andersherum wäre in unseren Augen evtl. sinnvoller. Die Tasten auf der Oberseite sind alle in die Oberfläche eingearbeitet und bieten einen knackigen Druckpunkt, was in Anbetracht des Flare Mini keine Selbstverständlichkeit ist. Neben dedizierten Tasten für die Bluetooth-Verbindung, die BassUp Technologie sowie die Lautstärke, werden Befehle wie Pause/Wiedergabe, Vor und Zurück über die mittige Multifunktionstaste ausgeführt. Ist der Lautsprecher mit einem Smartphone gekoppelt, kann über die Taste zudem Siri oder der Google Sprachassistent erreicht werden.
Die Soundcore App ist eine universelle Schnittstelle für alle Produkte des Herstellers, zumindest zu denjenigen, die sich konfigurieren lassen. Auf bspw. den Soundcore Flare Mini trifft das nicht zu. Ansonsten ist die Auswahl aber bereits sehr umfangreich. Die App dient dazu, dass man die Lautsprecher mit neuen Firmwares füttern kann. Zudem findet man einen Equalizer vor, welcher bereits mit sechs Profilen gefüllt ist. Zudem kann man neun Band EQ selbst Hand anlegen. Durch die neuste Firmware wird der eingestellte EQ nun auch auf dem Motion+ abgespeichert, was zuvor noch nicht der Fall war.

Die Erwartungen an den Soundcore Motion+ hat der Hersteller selbst recht hoch geschraubt, da man konkret mit der Hi-Res Zertifizierung wirbt. Potential sollte theoretisch also vorhanden sein. Im Internet werden auch regelrecht Lobeshymnen auf den Lautsprecher gesungen, was die Erwartungshaltung nicht schmälerte. Im ersten Moment klingt der Motion+ jedoch sehr trocken bzw. nüchtern. Man kann schon beinahe von Emotionslosigkeit sprechen - mich wollte er damit nicht überzeugen. Passt man den Klang jedoch mittels Equalizer etwas an, wendet sich das Blatt, zumindest ein wenig. Aus persönlicher Sicht bzw. persönlichem Gehör bringt ein Anheben der tiefen und hohen Frequenzen (Badewannenkurve) schon etwas mehr Dynamik ins Spiel. Den Mitten wird damit etwas der Wind aus den Segeln genommen, der Klang bleibt allerdings sehr detailreich und gewinnt gleichzeitig aber auch an Bass bzw. "Wärme". Insgesamt ist dem portablen Lautsprecher der analytische Charakter aber nicht ganz auszutreiben, was nicht jedem gefallen muss. Wäre der Bass noch kräftiger, könnte man fast schon von Miniatur-Monitoren sprechen. So schafft es das Ensemble der verwendeten Treiber für feine Höhen zu sorgen und der Bass wirkt kräftig, wobei eher trocken, auf keinen Fall aber wummernd.
In der Summe lässt sich also mit dem Motion+ eine gute Klangbalance finden, benötigt dafür vermutlich aber den Einsatz der App bzw. dessen Equalizers. Was interessant ist, dass das Anstellen der Hochtöner tatsächlich etwas zu bringen scheint. Zumindest kann gesagt werden, dass mehr Stereo-Bühne erreicht wird als mit den meisten Lautsprechern in dieser oder ähnlicher Größe erreicht wird. An ein Stereo-Dreieck reicht man natürlich lange nicht heran, aber die räumliche Abstrahlung gelingt dem Motion+ recht gut.
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