Kopfhörer

Test: Yamaha YH-L700 Kopfhörer

 

 

Praxis- und Klangcheck

Eingerichtet ist der Kopfhörer schnell mit dem Smartphone, verfügt aber über kein Fastpair, so dass manuell nachdem Yamaha YH-L700 im Bluetooth-Menü gesucht werden muss. Die App von Yamaha ist sehr einfach gehalten und liefert leider zu den einzelnen Menüpunkten keine wirkliche Erklärung. Eine Info was sie bewirken wäre hier hilfreich gewesen und auch eine stufenlose Verstellung der NC-Funktion hätte ich begrüßt, diese lässt sich aber nur aktivieren oder eben deaktivieren. Wo ich gerade beim ANC bin. Die Geräuschunterdrückung funktioniert gut, ist aber nur Durchschnitt, bringt ein geringes Grundrauschen mit und hat mich für diese Preisklasse etwas enttäuscht. Selbst mein Bose 700NC war da effektiver unterwegs und bietet zudem eine 11stufige Verstellung der Geräuschunterdrückung. 

yamaha yh l700 14k

Das Feature Listing Optimizer analysiert die Dichtheit am Ohr sowie den Luftdruck innerhalb des Hörers. Alle zwanzig Sekunden soll laut Yamaha die Elektronik die Messergebnisse überprüfen und darauf die Wiedergabe optimieren. Klingt fantastisch, in der Praxis aber ist kein wirklicher Unterschied zuhören. Die Kopfhörer sitzen von Hause aus schon sehr gut und ob jetzt der Luftdruck den Klang verfälscht oder eben nicht, konnte ich nicht feststellen. Ob aktiviert oder eben nicht, in beiden Modi klingt der Kopfhörer gleich. Ähnlich verhält sich das mit dem Advanced Listening Care. Diese soll laut Yamaha in Echtzeit anhand von Daten aus den letzten 5 Sekunden die Optimierung der Lautstärke vornehmen.  Alle 0,7 ms wird der Lautstärke-Durchschnitt berechnet. Die Korrektur wird über einen 4-Band-EQ vorgenommen und richtet sich adaptiv nach der durchschnittlichen Lautstärke. Hört sich aufwändig an, bewirkt aber nicht viel im Alltag. Klingt eher wie eine Loudness-Funktion, wenn man leise Musik hört. Aber bei höheren Lautstärken konnte ich auch hier keine wirklichen Unterschiede wahrnehmen.  

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Wirklich positiv überrascht hat mich der 3D Sound Field Modi und dessen vordefinierten sieben Presets. Zur Verfügung stehen Cinema, Drama, Music Video, Concert Hall, Outdoor Live, Audio Room und Background Music. Mit zugeschalteten 3D bekamen Musikstücke oder auch Videos eine tiefere Bühne, man hörte einen angedeuteten Raum um sich und der DSP erschuf eine leichte Distanz zwischen Ohr und Schall, wie man es von Lautsprechern eigentlich nur kennt. Bei normaler Musikwiedergabe eher wenig förderlich, da man diese im Stereo genießen möchte und der Effekt auch kaum präsent ist. Aber schon beim Abspielen von Kinotrailern oder Live-Konzerten vermittelte der DSP eine hörbare Tiefe in der Soundkulisse. Wenn man den Kopfhörer jetzt mit einem TV koppelt, in meinem Fall mit einem Panasonic HZW1004, machen hochwertige Filmproduktionen richtig Spaß und man bekommt eine echte Surrounddarstellung geboten. Wunder darf man jetzt nicht erwarten, aber für einen Kopfhörer ist die räumliche Darstellung schon beachtlich, wenn das richtige Zuspielmaterial zum Einsatz kommt. Manche Streaming-Dienste bieten ja mittlerweile auch 3D Audiofiles an, aber das wirkt alles noch etwas in der Entwicklung und nicht wirklich ausgegoren. Spannend ist dieses Feature aber alle mal. Genauso wie das integrierte Headtracking. Dieses schaltet man ein, wenn man zentral auf den Bildschirm schaut, damit der Kopfhörer den mittigen Referenzpunkt bestimmen kann und dann wird das Soundsignal durch Bewegen des Kopfes im Raum dementsprechend verschoben. Also schaut man nach links, hört man den größten Anteil des Tons auf dem rechten Ohr etc. So kann man sich im Klangbild bewegen, was ein cooles Feature ist und in Verbindung mit Virtual-Reality-Anwendungen sicherlich einen sinnvollen Anwendungszweck besitzt. Im normalen Alltag verpufft es dann leider zu einem Gimmick, denn einen wirklichen Nutzen kann man daraus nicht ziehen und auf Dauer nervt es dann auch, wenn sich ständig die Audiokulisse verändert. Aber es funktionierte größtenteils einwandfrei, nur manchmal verlor der Kopfhörer die Mitte aus den "Ohren" und man musste eben den Kopfhörer neu zentrieren.

yamaha yh l700 13k

Klanglich ist der Yamaha YH-L700 ein Brett, das kann man nicht anders sagen. Aber eher in Richtung dem Motto von Markus "Ich mach Spaß, Ich geb Gas". Der Ohrhörer ist unglaublich dynamisch unterwegs, leicht bassbetont, geht brutal tief runter und liefert auch im Tiefbassbereich eine stimmige Performance ab. Der Treiber lenkt so weit aus, dass bei maximaler Lautstärke und heftigen Bassattacken der Kopfhörer auf dem Kopf vibriert. Klasse ist dabei, dass er die Kontrolle nie verliert, sondern immer sehr präzise agiert, egal wie laut man den Pegel einstellt. Gleiches gilt aber auch für das Auflösungsvermögen und die Stimmenwiedergabe. Neben Spaß kann der Japaner aber auch emotional und liefert auch bei den großen Künstlern der Welt eine klasse Soundkulisse, welche mit vielen Details aufwarten kann. Auch wenn der Bluetooth Codec aptX unterstützt wird, sein volles Potenzial entfaltet der Yamaha erst, wenn man ihn an einen wertigen DAC per Kabel verbindet, denn dann fällt die letzte Hürde der Audiokompression und der Ohrhörer spielt groß auf. Ob feine Klänge eines Pianos von Alcia Keys, die gewaltige Stimme einer Christina Aguilera, oder Gitarrenriffs von James Hetfield. Musik steckt in der DNA des Kopfhörers, er seziert sie nicht bis ins letzte Quäntchen, sondern ist homogen abgestimmt, mit einer leichten Dominanz im Bassbereich, die entweder Spaß macht, hochemotional ist oder zum Träumen verleitet. Wirklich eine eindrucksvolle Vorstellung. Eigentlich würde ich jetzt noch meckern, dass es keine Klangregelung gibt in der App, aber in diesem Fall hat sie mir irgendwie nie gefehlt, denn die Grundabstimmung ist Yamaha klasse gelungen, zumindest für meine Ohren. Abschließend noch ein paar Worte zur Akkulaufzeit. Yamaha gibt hier mit aktivierten ANC um die 34 Stunden an. Knapp unter 30 Stunden konnte ich erreichen, mit zugeschaltetem 3D Sound Field fällt dann die Akkulaufzeit rapide ab und ich kam auf knapp 9 Stunden. Der DSP braucht anscheinend ordentlich Strom. 

 

 


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