Test: JBL L82 Classic

JBL L82 Classic newsNach den JBL L100 Classic, die vor knapp drei Jahren das Licht der Welt erblickten, wurden genau vor einem Jahr die neue JBL L82 Classic angekündigt. Die kleinere Version der Classic-Serie bietet optisch ähnliche Kost, sind aber technisch etwas abgespeckter unterwegs. Ob die kleinen Geschwisterchen den positiven Lorbeeren der L100 Classic gerecht werden, klärt das folgende Review.

 

 

Fast 50 Jahre hat sich JBL, die heute unter der Flagge der im Samsung-Konzern integrierten Harman Kardon Group agieren, Zeit gelassen um die L100 Classic, die im Jahre 1970 als Heimlautsprecher-Variante der beliebten JBL 4310 Pro Monitor Lautsprecher auf den Markt kamen, neu aufzulegen. Anfang 2020 folgte nur die kleinere und zudem preiswertere Variante L82 Classic. Mit der Neuauflage der L100 Classic (zum Testbericht) ist es JBL gelungen, wieder erfolgreich in das Lautsprechersegment einzutauchen. In den Siebzigern, Achtzigern und bis weit in die Neunziger war JBL vom Audiomarkt nicht wegzudenken, aber in den letzten Jahren ist es ruhig geworden im HiFi-Bereich, zumindest auf unseren Breitengraden. Mit einer neuen Produktoffensive unter der High-End Marke JBL Synthesis möchte man an die so erfolgreichen und umsatzstarken Zeiten anknüpfen und dabei sollen auch die L100 Classic wie auch die neuen hier vorgestellten L82 Classic helfen.

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Mit den L82 Classic möchte man an den Erfolg der L100 anknüpfen und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die optischen Unterschiede in Grenzen halten. Das kleinere Modell ist ein kompakter 2-Wege-Regallautsprecher der auf die gleichen Akustiktechnologien und das ikonische Retro-Design des größeren Familienmitglieds zurückgreift. Das Vintage-Design des L82 Classic besteht aus einem Echtholzfurniergehäuse aus Nussbaum und dem bekannten Quadrex-Schaumgitter, welches in den Farben Schwarz, Orange oder Blau erhältlich ist. Wir haben die orange Version für dieses Review erhalten.

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Wie schon die L100, sind auch die L82 als Regallautsprecher deklariert, was zur kleineren Variante auch eher passt als zum großen Bruder. Mit den knapp 13 Kilogramm wiegen die L82 auch nur etwa die Hälfte (L100 - 27 Kilogramm) des großen Modells. Der passive Zwei-Wege-Lautsprecher misst etwa 47 cm in der Höhe, 28 cm in der Breite, und 31 cm in der Tiefe, was mit diesen Abmessungen immer noch ein wuchtiger Vertreter seiner Größenordnung ist. Das massive Gehäuse aus MDF ist umlaufend mit einem Echtholz-Walnuss-Furnier überzogen und für den farblichen Kontrast wurden Front bzw. Rückseite in einer schwarz-matten Oberfläche gestaltet. Auch bei der Formgebung orientiert man sich am Wegbereiter und erhält das rechteckige Design komplett. Auch die Quadrate der legendären Quadrex-Foam-Abdeckung nehmen die Form auf und unterstreichen den Retro-Charme der Lautsprecher.

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fein gerasterter Drehregler für den Hochtonbereich

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Technisch unterscheidet sich das kleine Modell von den L100 Classic. JBL verbaut bei den L82 nur ein Zwei-Wege-System, aus dem gleichen JT025Ti1 25-mm-Titankalotten-Hochtöner mit Waveguide und einen 200 mm großen Tiefmitteltöner mit dem bekannten weißen Zellstoffmembran. Diese Kombination soll laut Datenblatt einen Frequenzbereich von 44 – 40.000 Hertz abbilden können, beide Chassis werden bei 1.700 Hertz voneinander getrennt. Da der Mitteltöner der L100 bei den L82 fehlt, ist auch die Klangregelung nur auf den Hochtonbereich reduziert, wurde wieder durch einen fein gerasterten Regler realisiert und gibt dem Nutzer die Möglichkeit, dass obere Frequenzband nach seinen Wünschen anzupassen.  

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Die Audiosignale empfängt die Weiche über ein einfaches, aber solides Terminal mit zwei vergoldeten Anschlussklemmen auf der Rückseite. Obwohl in diesem Preisbereich üblich, verzichtet JBL auf eine mögliche Bi-Amping bzw. Bi-Wiring Verkabelung, hätte aber das Terminal ruhig etwas wertiger gestalten können, sonst steht ja der Name JBL auch nicht unbedingt für „Zurückhaltung“ (…) 

Wie schon die L100 Classic, stimmt auch bei den L82 Classic der Kontrast aus rustikaler Nostalgie und moderner Technik. Das Gehäuse ist sehr stabil, gut verarbeitet und die beiden Chassis jedes Lautsprechers wurden exakt in die Schallwand eingepasst. Dazu kommen die Quadrex-Foam-Abdeckungen, welche die L82 zum echten Hingucker avancieren lassen, sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber macht die Modelle der Classic-Reihe eben zu etwas Besonderen.  


 

Aufstellung / Klangcheck

Für die Aufstellung habe ich die JS-80 Bodenstative mitgeliefert bekommen, wo die L82 Classic perfekt zur Geltung kommen. Auch werden die Lautsprecher für eine bessere Ausrichtung auf den Hörer, leicht nach hinten geneigt. Für einen Kaufpreis von knapp 200,- Euro das Paar, sind die Stative war sehr massiv gefertigt, aber leider fehlt ein Kabelkanal für das Anschlusskabel und einer schöneren Optik. Ich würde empfehlen die JS-80 Stative grundsätzlich immer gleich mitzubestellen, besser und stimmiger kann man die Lautsprecher nicht präsentieren. Aber kommen wir zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben eines Audio-Redakteurs, dem Klangcheck. 

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JS-80 Boxen Stative passen gut zu den L82, leider ohne Kabelkanal

Verbunden hatte ich die JBL L82 Classic mit dem Harman Kardon Citation AMP und die JBL fühlten sich richtig wohl an dem kleinen Kraftpaket. Eine stimmige Kombination aus moderner Verstärkertechnik mit Lautsprechern aus der "Vergangenheit", zumindest optisch gesehen. Auch zeigt diese Kombination, dass die L82 Classic nicht so sehr fordernd sind für den Verstärker und auch mit „einfachen“ Verstärkern schon potent aufspielen. Wichtig ist, die L82 Classic müssen auf den Hörplatz eingewinkelt werden, wenn der Abstand so bei 2-3 Metern zum Hörer. Dann erreicht man eine sehr gute Stereobühne mit einer mittig platzierten Stimme oder beim Film schauen entsteht der sogenannte Phantom-Center.

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Der Harman Kardon Citation Amp passt gut zu den JBL L82 Classic

Da die JBL mir suggerieren „Los gib es mir“ fange ich diesmal klanglich mit The Architect von Jean Michel Jarre an. Wie erwartet sind die L82 sehr dynamisch unterwegs und bringen einen saftigen Bassbereich mit, welchen ich aufgrund des Volumens auch erwartet habe, aber nicht unbedingt so kontrolliert. Der Mitteltieftöner ist stramm aufgehangen und agiert sehr präzise bei der Basswiedergabe, sehr druckvoll aber eher so Richtung Kickbass würde ich es beschreiben. Das steht gerade musikalischen Stücken sehr gut, wie auch dem elektronischen Meisterwerk des französischen Musikers. Richtig genial wird es mit Exit vom gleichen Album Welcome to the other side. Schnell und überaus detailreich feuern die kompakten Retroschallwandler mir den Beat und die Effekte um die Ohren, das wirkt nicht gekünstelt, sondern echt und macht den Track für mich als Redakteur zum echt spaßigen Erlebnis.

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wertige Frequenzweiche im Inneren der L82 Classic

Fans von Jean Michel Jarre lieben ihn wegen seiner experimentierfreudigen Tracks, die viele Elemente enthalten und die JBL wissen wie man das klanglich auch gekonnt umsetzt. Die vielen Elemente arbeiten die Lausprecher akribisch bis in kleinste Details heraus, die Abstimmung zwischen Hochtöner und Mitteltieftöner ist gut gelungen, manchmal vergisst man das es sich nur um ein Zwei-Wege-System handelt. Sicherlich geht das etwas auf Kosten des Bassbereichs, damit die Mitten auch kontrolliert bleiben, muss der Bassbereich ein wenig beschnitten werden, wenn nur ein Treiber zum Einsatz kommt. Aber so schlimm empfand ich den „Kompromiss“ nicht, Bassbereich und Mitteltonbereich waren sehr ausgeprägt und wurden von mir harmonisch empfunden.

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Aber nicht nur Schnelligkeit und Dynamik möchte ich den L82 attestieren, wenn Gefühle im Spiel sind wissen die JBL diese auch umzusetzen. So werden emotionale Songs wie von Norah Jones oder Gregory Porter mit sehr viel Leidenschaft wiedergegeben, agieren sehr kontrolliert in der Stimmenwiedergabe und arbeiten auch die einzelnen Stärken der Künstler bzw. der Künstlerin sehr explizit heraus. Beim Bühnenbildaufbau oder besser ausgedrückt, bei der Platzierung und Aufbau der Instrumente und Stimmen sind die JBL auch fähig ein homogenes Bühnenbild zu kreieren, wo die Stimme klar aus der Mitte kommt und alle weiteren Elemente darum sehr gut arrangiert werden.

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hochwertige Detaillösung - Metallgewinde für die Schrauben des Mitteltieftöners JBL JW200PW-6

Sehr ähnlich verhält sich das auch beim Song Driving towards the Daylight von Joe Bonamassa. Die dominante Akustikgitarre und Stimme des Sängers sitzen so das mich die L82 ab dem ersten Ton haben und auf eine akustische Auszeit mitnehmen. Das später dazukommende Cello bestätigt den Eindruck, die JBL sind auch für Feinheiten gerne zu haben, so detailverliebt wie sie musizieren.  Bei der Live-Aufnahme aus der Carnegie Hall entsteht ein deutliches „Ich bin dabei“ Gefühl, das Arrangement aus vielen Elementen baut sich vor meinem akustischen Auge auf und ich kann wunderbar orten was woher kommt und wie das Bühnenbild aussieht.  

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Mit Jack White und High Ball Stepper wird es dann nochmal richtig laut in meinem Hörraum und ich will wissen was die JBL so hergeben. Elektronische Gitarrensounds wo das Ohr hinhört und auch hier eine sehr stimmige „Sezierung“ des Stücks, aber nicht anstrengend, sondern sehr mit Bedacht, ohne den Hörer mit Details zu überfordern. Ab Minute zwei geht es dann richtig los und jawohl, hier haben mich die kleineren der Classic-Serie dann vollständig gepackt. Das Spektakel aus Dynamik, Effekten und Bass genieße ich in vollen Zügen, für einen „Regallautsprecher“ machen die L82 ihren Job sehr gut und unterstreichen den positiven Eindruck, den ich schon von den L100 Classic gewonnen hatte. Mehr gibt es denn auch nicht zu den Retro-Teilen aus Amiland zusagen und ich komme zum Fazit.


 

Fazit

Nach der überzeugenden Darstellung der JBL L100 Classic war ich „gespannt wie ein Flitzebogen“ wie die neuen, kleineren L82 Classic anknüpfen werden, was schnell in ernüchternd - Sehr gut - umschlug. Optisch sind die Lautsprecher modern rustikal und mit der extravaganten Quadrex-Schaumgitter-Abdeckung, sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Aber die L82 Classic wollen gar nicht „Everybody`s Darling“ sein, sondern mit ihrem bulligen Auftritt und massiven Stativen aus Stahl anecken. Das wirkt auf den ersten Eindruck typisch amerikanisch „Groß, größer…“ und man ist schnell mit Vorurteilen dran, bis man die L82 Classic das erste Mal hört.

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Auch wenn wir es hier „nur“ mit einem Zwei-Wege-System zu tun haben, somit der separate Mitteltöner den kleinsten Classic-Serien-Vertretern fehlt, sind die klanglichen Fähigkeiten über jeden Zweifel erhaben. Den JBL kann ich Attribute wie Schnelligkeit, Dynamik, Gefühl für Emotionen, ein warmes Klangbild und einen Sinn für Details attestieren. All das erwartet man jetzt nicht unbedingt beim Anblick der Lautsprecher. Aber die L82 Classic sind ein optimaler Lautsprecher für die Musikwiedergabe, in ihrer DNA ist das Verständnis tief verwurzelt. Für die TV- bzw. Heimkino-Wiedergabe würde ich eher andere Lautsprecher bevorzugen, das steht den JBL irgendwie nicht.

Mit einem Stückpreis von 1.099 Euro liegen die JBL L82 Classic im guten Mittelfeld hochkarätiger „Regallautsprecher“ und sind jeden Euro wert. Hier bekommt man eine Menge Lautsprecher, welcher hohe musikalische Fähigkeiten mitbringt, mit einem extravaganten Design daherkommt und somit klar etwas „Besonderes“ auf dem Audiomarkt darstellt. Wem das gefällt, der sollte zugreifen und dabei nicht die JBL JS-80 Boxen Stative für knapp 200,- Euro extra vergessen, besser kann man die Lautsprecher nicht präsentieren, auch wenn ich den fehlenden Kabelkanal immer noch nicht nachvollziehen kann. 

Glückwunsch, ich verleihe den JBL L82 Classic unsere Top-Produkt-Award!

 

JBL L82 Classic Lautsprecher

Wer ein ausgefallenes Design mit Retro-Anleihen und moderner Audiotechnik sucht, ist hier richtig, 13.01.2021  
Pro
  • Design / extravagante Optik
  • Verarbeitung / Oberflächenqualität
  • musikalisches, effektvolles Klangbild
  • stimmiges 2-Wege-System
  • ausgeprägter Hoch-Mitteltonbereich
  • druckvoller, präziser Bassbereich
  • auch dauerhaft sehr angenehm zu Hören
  • erhältliche Stative JS-80
  • gutes Preis-Leistungsverhältnis 
Contra
  • kein Kabelkanal im Stativ
  • einfaches Anschlussterminal

 

 JBL L82 Classic award

 

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