Interview / Sonderthemen

Firmenportrait: ELAC Electroacustic

Elac History newsAudiohersteller gibt es wie Sand am Meer und die Vielzahl der Produkte ist mittlerweile schwer zu durchschauen. Aber es gibt nur wenige Firmen, die mit einer wirklichen langen und vor allem interessanten Historie daher kommen. ELAC in Kiel ist so ein Unternehmen, ein deutsches mittelständiges Unternehmen mit seinem Ursprung am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Diese Geschichte möchten wir euch gerne mal näherbringen. Viel Spaß beim Lesen!

 

 

Elac History Aufmacher

Offiziell beginnt die Reise der Firma Electroacustic, wie sie damals hieß, im Jahre 1926 mit ihrer Gründung durch den Physiker Karl Heinrich Hecht, dem Kaufmann Gerhard Schmidt und Wilhelm Rudolph. Aber die Idee bzw. der Ursprung ist fast zwanzig Jahre früher zu datieren, als der Wissenschaftler Karl Heinrich Hecht, der in Königsberg Mathematik und Physik studierte, sich dem Unternehmen „Neufeld & Kuhnke elektronische Fabrik“ anschloss und sich dem Thema Unterwasserschalltechnik und dessen Grundlagenforschung widmete.

Nach ein paar Jahren der Forschung und der Begegnung mit Alard du Bois-Reymond, Walter Hahnemann und Hans Usener stellten sich wissenschaftliche wie praktische Erfolge bei den Unterwasserschallversuchen ein. Aufgrund des ersten Weltkrieges und dessen Wirren gründeten die drei einleitend genannten Gesellschafter die Electroacustic GmbH und entwickelten bzw. stellten Produkte auf dem Gebiet der Wasserschalltechnik her.

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ehemaliges Firmengelände vor der Zerstörung 1945

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Gesellschaftseintragung vom 30- September 1926 

Am Anfang eher für den Fischfang, wie die sogenannte Fischlupe oder andere Produkte auf dem Gebiet der Echolottechnik und des Signal- und Horchwesens. In den Kriegsjahren 1940 – 1945 hatte auch Electroacustic nicht wirklich eine Wahl und lieferte Echolotanlagen für Schiffe (U-Boote) oder Höhenmesser für Flugzeuge bzw. musste sich mit dem Thema Zwangsarbeit beschäftigen.

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Nach 1945 war von der Stadt Kiel nicht mehr viel übrig, so wurden über 80% der Stadt vollständig zerstört, darunter auch ein Teil der Produktionsstätten der damaligen Elac. Die Produktion von Kriegsmaterial musste unter der Kontrolle der Alliierten sofort eingestellt werden, aber Electroacustic war eine der wenigen Firmen, die schon 1945 die Erlaubnis zur Produktion für den zivilen Bereich erhielt und konnte sich somit mit der Herstellung von Haushaltgeräten, Luftpumpen, Nähmaschinen und Unterwasserschalltechnik über Wasser halten.

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nach 1945 Produktion von Haushaltsgeräten

Von den einstigen 5000 Mitarbeitern aus der Kriegszeit waren nur noch etwas um die 250 Mitarbeiter übriggeblieben, aufgrund der militärischen Geschichte überwiegend Frauen. Damit die weiteren Produktionsstätten, die sich auf die Herstellung von Kriegsmaterial konzentriert haben, nicht gesprengt wurden, machte man der britischen Regierung den Vorschlag die Werksgebäude für den Aufbau einer Universität zu nutzen und es geling. So wurde schon im Winter 1945 der Grundstein zum heutigen „Wissenschaftspark“ in Kiel gelegt.

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der legendäre ELAC PW1 Schallplattenwechsler für bis zu 10 Tonträger

1948 war das Jahr für die heutige ELAC, denn der PW1 kam auf den Markt, ein Plattenspieler mit Wechselfunktion der bereits im ersten Jahr über 5500 mal produziert wurde und mit einem Preis von 253 DM (Deutsche Mark) ausgepreist war, was ungefähr das doppelte eines Arbeiterlohns im Monat damals entsprach. Der PW1 war ein Plattenwechsler und konnte bis zu zehn Schallplatten automatisch nacheinander abspielen und dabei spielte es keine Rolle ob die Platten einen Durchmesser von 25- oder 30 Zentimeter hatten. Neben dem PW1 fertigte die Electroacustic auch Rundfunkgeräte für Siemens.

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Bis zum ersten Tonabnehmer sollten noch fast zehn Jahre vergehen, bis die Nummer 1105628 beim Patentamt (1957) eingetragen wurde. Mit diesem Patent schützte sich das Unternehmen den „elektromagnetischen Tonabnehmer zur Abtastung von Zweikomponentenschallschrift“ und weitere Folgepatente, die bis zum heute bekannten Tonabnehmer im Moving-Magnet-Prinzip (MM) führten.

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Produktionsstätten in den 50iger Jahren

Der KST 106 Stereo war einer der ersten, oder der Erste Tonabnehmer aus der Kieler Manufaktur, der die Erfolgsgeschichte der Kieler unterstrich. Zusammen mit Dual und Perpetuum Ebner teilte man sich den Weltmarkt im Bereich Plattenspieler auf, drei deutsche Firmen hielten 90% des weltweiten Anteils an verkauften Vinyldrehern, dies stellte zehn Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und einem großflächig zerstörten Deutschlands bereits eine beachtliche Leistung dar.

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In den Sechzigern und Siebziger Jahren stellten die Mitarbeiter von der Electroacustic GmbH die verschiedensten Produkte her. Neben dem wichtigen Schifffahrtsbereich mit den Echoloten zur Tiefenmessung und den Nebelsignalanlagen, wurde auch die Autoindustrie mit Fußluftpumpen, Wagenheber, Lichtanlagen und Fußschaltern beliefert. Aber auch Tonfilmverstärker oder Lautsprecherkombinationen für den Filmbereich bzw. Rundfunkgeräte, Radiowecker, Mikrophone oder Übertragungsanlagen wurden neben dem Plattenspieler und Tonabnehmer in Kiel produziert und in die Welt verschifft.

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In den 1970er-Jahren sollen bis zu eine Million Plattenspieler jährlich die Fabrikhallen in Kiel verlassen haben und bis zu 3.000 Mitarbeiter bei ELAC beschäftigt gewesen sein. Auch wenn die siebziger Jahre viele interessante Produkte, wie z.B. die Heim-Studio-Anlage Elac 4101 mit Quadro Sound hervorbrachte, welche eine Art Raumklang erzeugen konnte, sah es zum Ende hin nach einem wirtschaftlichen Totalschaden aus.

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Der Konkurs spaltete die Electroacustic GmbH in zwei Unternehmen, der so wichtige Nautikbereich ging an ein amerikanisches Unternehmen und der Bereich der Unterhaltungselektronik wurde in dem neuen Unternehmen Elac Ingenieurtechnik GmbH eingegliedert.

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Leider hielt diese Gesellschaft nicht lange an, trotz der beachtlichen Erfolge im Bereich Tonabnehmer und Plattenspieler, folgte Ende 1981 die Insolvenz. Mit Hilfe eines versierten Mitarbeiterstabs im HiFi-Bereich übernahm die „John & Partner Vertriebsgesellschaft mbH“ die HiFi-Sparte und gründete das Unternehmen ELAC Phonosysteme GmbH. Ab diesem Zeitpunkt umfasste die Elac Produktpalette nur noch HiFi-Produkte.

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Daraus resultierte auch der Kauf der Lautsprecherschmiede AXIOM und die Übernahme des namhaftesten Lautsprecher-Entwicklers dieser Zeit: Wolfgang Seikritt. Zusammen mit Dr. Franz Thomanek brach das Zeitalter der Lautsprecher an und schon wenige Jahre später wurde das Urmodell des Rundumstrahler 4Pi vorgestellt, ELACs erster High-End-Lautsprecher. Lautsprecher verkaufte ELAC schon in den Siebzigern mit der LK-Serie, aber die ersten High-End Modelle folgten erst in den Achtzigern mit der Übernahme von AXIOM. Darunter war auch der heute unter den Namen bekannte Super-Hochtöner 4Pi Plus.2, der Rundstrahler der als Zusatzlautsprecher seine Erfolge verzeichnete und bis heute produziert und in Kiel zusammen gebaut wird. 

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1993 folgte die Übernahme vom Lautsprecherhersteller A.R.E.S und der JET-Hochtöner, das Markenzeichen der Kieler Manufaktur, war geboren. Dieser AMT auf dem von Oskar Heil basierenden Hochtöner, aber deutlich modifiziert in seiner Bauart, hat sich über die Jahre zum Botschafter für die Marke ELAC entwickelt und wird bis heute in den heiligen Hallen in Kiel per Hand gefertigt.

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JET-Hochtöner Produktion am Standort Kiel durch moderne Roboter und viel Handarbeit

Mittlerweile sind wir bei der Generation 5 angekommen und man findet den JET-Hochtöner ausschließlich in den hochpreisigen Modellen der Norddeutschen. 1998 fusionierte dann die John & Partner Vertriebsgesellschafft mit der ELAC Phonosysteme GmbH zur heutigen ELAC Electroacustic GmbH. Es folgten weitere Meilensteine der Lautsprechergeschichte, wie der Aluminium-Sandwich-Membran, der X-Jet oder der bekannte AS-XR-Tieftöner mit seiner weltbekannten Diamant-Oberfläche.

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ELACs AS-XR-Tieftöner mit seiner Diamant-Oberfläche

2007 übertrugen zwei der drei Gesellschafter ihre Anteile an den Investor Global Legend Holdings, um in der Zukunft finanziell das Unternehmen zu stützen bzw. abzusichern. Da der Investor ein chinesisches Unternehmen ist, sicherlich damals auch schon eine strategische Entscheidung zum Thema Fertigung, da der Großteil der ELAC-Produkte ja mittlerweile in Asien gefertigt werden.

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Nach der 600er Serie mit dem X-JET aus 2004, wurde 2011 der VX-JET in der legendären FS 509 vorgestellt, ein JET-Hochtöner der sich mittels Dreh-Knopf auf der Rückseite an die persönlichen Bedürfnisse anpassen lässt. Eine Weiterentwicklung dessen steckt auch im heutigen Topmodell Concentro. 2013 folgte dann die erste kabellose Schnittstelle Air-X, die damals noch auf Bluetooth basierende Funktechnologie war für die Zeit etwas Neues, aber nicht wirklich zuverlässig bzw. leicht störanfällig.

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die erste Debut-Serie von Andrew Jones - entwickelt von ELAC Amerika

2014 scheidet auch der letzte Gründungsgesellschafter Wolfgang John und die Geschäftsleitung übernahm der Brancheninsider Gunter Kürten. In den folgenden Monaten wurde ELAC Amerika gegründet, welche im Laufe des Jahres 2015 Andrew Jones als Produktentwickler gewinnen konnte. Jones hatte in der Vergangenheit mit seiner Tätigkeit viel Erfahrungen bei TAD und Pioneer sammeln können, kannte den amerikanischen Markt und dessen "Hörgewohnheiten" und war maßgeblich an der Entwicklung der ersten Debut-Serie, später auch der Uni-Fi-Serie (zum Testericht) verantwortlich. 

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zum 90sten Geburstag gab es den Miracord 90 (Link zu unserem Test)

2016 war ein weiterer Meilenstein in der Geschichte von ELAC, denn das Unternehmen kehrte am 1. Juli 2016 in die Fraunhoferstraße 16, an ihre alte Wirkungsstätte zurück, an der sie bis 1978 auf dem heutigen Gelände des Wissenschaftsparks und der Universität ansässig war. Dieser wichtige Schritt war gleichzeitig der 90zigste Geburtstag des Unternehmens und wurde mit den uns heute bekannten Modellen Miracord 90 gefeiert und läutete das digitale Zeitalter bei Elac ein.

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Discovery Z3 links - Discovery Music Server rechts mit der ROON-Oberfläche

Es folgte der Discovery Music Server und weitere Produkte in diesem Streaming-Bereich, wie der Z3 Lautsprecher oder der EA 101EQ-G Vollverstärker, die eine neue Produktlinie an Elektronikgeräten von ELAC einläutete. 2017 verließ Gunter Kürten das Unternehmen, übernahm 2018 die Plattenspielerschmiede Thorens und der heutige Geschäftsführer Lars Baumann übernahm das Amt...

Elac NAVIS ARF 51 02k Elac Carina FS247.4 01k
links ELACs Aktiv-Serie mit der ARF-51 - rechts der Standlautsprecher FS 247.4 aus der Carina-Serie

Alles weitere sollte bekannt sein, wenn man sich mit HiFi beschäftigt oder die letzten Jahre die Pressemedien verfolgt hat. Unser kürzlicher Besuch jedenfalls hat uns beeindruckt, nicht wegen der vielen Maschinen und großen Produktionsstätten, denn die gibt es auch bei ELAC nur noch in geringer Ausführung, die echte Produktion findet wie fast überall, mittlerweile in Übersee statt. Beeindruckt waren wir eher von DNA die an der alten Wirkungsstätte, trotz vieler Rückschläge, noch vorhanden ist und auch den MItarbeitern bewusst ist.

Elac Alchemy Serie 11k
die im Jahr 2019 vorgestellte Alchemy-Serie von ELAC 

ELAC Miracord 60 20k
der inoffizielle Nachfolger des Miracord 70, der Miracord 60 Plattenspieler

Sicherlich haben sich ausländische Invenstoren und andere "Globalisierungsmaßnahmen" auf das "Made in Germany" nicht nur unbedingt positiv ausgewirkt, da steht ELAC aber nicht alleine dar. In einer gewissen Preisklasse kann man in Deutschland einfach keine Produkte mehr selbst fertigen, geschweige Fertigungstraßen dafür aufbauen, aber das muss ja grundsätzlich nichts Schlechtes sein. Geht man ein paar Jahre zurück, war die Marke ELAC zwar im HiFi-Segment präsent, aber eher nur im höherpreisigen Bereich unterwegs und schloss somit eine große Käuferschaft aus. Mittlerweile ist das Portfolio so breit aufgestellt, dass wirklich jeder Audiobegeisterte ein Produkt der Marke ELAC erwerben kann, vom Einsteiger bis zu High-End-Enthusiasten - gerade diese breite Aufstellung macht eine ausländische Fertigung unumgänglich. 

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ELACs Debut Reference Serie

Trotzdem haben wir am Standort Kiel die Begeisterung und die Firmengeschichte spüren können. Die Leute, die wir kennenlernen durften, sind sich ihrer Historie und dessen Verantwortung bewusst, welche mit dem Namen ELAC eng verbunden ist. Gleichermaßen sind alle mit viel Enthuisasmus dabei und den nötigen Zukunftsgedanken gerüstet. Wir sind jedenfalls gespannt welche Highlights die nächsten Jahre so in unserer Redaktion landen werden, denn als ehemaliger Weltmarktführer von Plattenspielern ist die Geschichte von ELAC noch lange nicht zu Ende erzählt.  

Quellen: ELAC / Wikipedia - Bilder: ELAC / HiFi-Journal

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