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Filmrezension: Year of the Shark

year of the shark newsIn diesem französischen Mix aus Komödie und Thriller fährt einer kurz vor der Rente stehenden Polizistin ein Hai in die Parade.  Der Strand von La Pointe am Cap Ferret im Südwesten Frankreichs: Seit ihrem 22. Lebensjahr ist Maja als Gendarmeriebeamtin unterwegs und füllt ihren Beruf mit Leidenschaft aus.

 

 

Nicht immer zu Gunsten ihres Mannes Thierry, der sich unglaublich danach sehnt, dass Maja endlich in den Ruhestand gehen kann. In fünf Tagen ist das soweit, denn die pflichtbewusste Beamtin steht vor ihrer letzten Dienstwoche. Eine ihrer letzten Amtshandlungen ist die Hilfe für ein Boot mit zwei Touristen, die behaupten, sie seien von etwas Großem gerammt worden. Maja tut’s ab und schiebt es auf die Unkenntnis der Touristen, was die Gewässer angeht. Doch als sie sich am nächsten Tag das trockengelegte Boot anschaut, sieht sie eine Bissmarke eines ziemlich großen Tieres. Und weil im Meer nicht allzu viele große Tiere rumschwimmen, geht sie von einem Hai aus. Als sie auch noch ein abgerissenes Bein eines zuvor vermissten Mannes im Wasser findet, steht fest, dass hier ein gefräßiges Viech am Werk ist.

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Während sie mit Mühe und Not die Betreiber des Strandspielplatzes und die Urlauber davon überzeugen kann, dass der Zugang zum Wasser für den Moment gesperrt wird, begibt sie sich mit ihren Kollegen Blaise und Eugenie auf die Jagd. Ein Glücksschuss mit einem Betäubungspfeil macht das Tier fürs Erste kampfunfähig, sodass man ihn in ein Gehege einsperren kann. Maja möchte ihn wieder in die Freiheit entlassen, doch das erledigt der Hai kurz darauf selbst und tötet erneut. Nun entlädt sich der Hass der Einwohner auf Maja, die sie dafür verantwortlich machen…

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Steven Spielberg hat ihn salonfähig gemacht und Epigonen wie Renny Harlins Deep Blue Sea provoziert: Die Rede ist vom Hai-Thriller. Beileibe nicht jeder Beitrag des Haifilm-Subgenres darf jedoch als geglückt bezeichnet werden. Selbst die Fortsetzungen von Spielbergs Klassiker zeigten kaum Zähne und es dauerte einige Zeit, bis man mit kleinen, aber unglaublich spannenden Beiträgen neues Blut in den Knorpelfisch-Film pumpen konnte. Open Water war so ein Beispiel oder auch The Shallows in dem Blake Lively vom Hai verletzt auf einem Felsen und einer Boje ausharren musste. Derweil gesellten sich in den 2010er Jahren einige Haifilm-Verballhornungen hinzu, die das Genre genüsslich auf die Schippe nahmen – Sharknado und dessen Fortsetzungen dürften hier für die meisten ein Begriff sein. Die bewusst trashige Atmosphäre der Beiträge aus den Asylum-Studios war zwar nicht jedermanns Sache, nahm sich aber zu keiner Zeit ernst und fügte dem Hai-Film eine neue Note hinzu. Mit Year of the Shark wagt sich nun Frankreich mit einem neuen Beitrag in bekannte Gewässer.

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Die Regie übernahmen die jungen Brüder Ludovic und Zoran Boukherma. Denen war zuvor mit Teddy ein launiger Werwolf-Film gelungen und nun nahmen sie sich ein weiteres Subgenre des Horrorfilms vor, um es mit humorvollen Aspekten anzureichern. Jetzt ist für deutsche Genussgewohnheiten durchaus mal Vorsicht geboten, wenn man es mit französischen Komödien zu tun hat. Nicht jede Art des französischen Humors funktioniert hierzulande (was im Falle gewisser deutscher Komödien vermutlich auf Gegenseitigkeit beruht). Es gibt gewiss auch unter den deutschsprachigen Filmfans eine kultische Verehrung des hyperaktiven Witzes eines Louis de Funès – Nein, doch … ooh. Aber es gibt eben auch die mitunter sehr schwierigen Versuche, die Asterix & Obelix Geschichten ins Realfilm-Korsett zu stecken, und auch ein Die Besucher hat in Deutschland eher eine gering ausgeprägte Anhängerschaft. Da reibt man sich hierzulande durchaus verwundert die Nase, warum das alberne und grenzdebile Mittelalter-Spektakel in seinem Heimatland von fast 14 Mio. Zuschauern gesehen und zum fünfterfolgreichsten einheimischen Film aller Zeiten wurde. Nur mal zum Vergleich: Das sind zwei Mio. Zuschauer mehr als Tickets im (deutlich) bevölkerungsgrößeren Deutschland für den ersten Avatar gelöst wurden.

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Aber wir kommen vom Thema ab. Die beiden Boukhermas wählen nicht den Asylum-Weg und machen sich über den Hai-Thriller lustig. Im Gegenteil. Die humoristisch gewürzten Szenen beschränken sich vornehmlich auf den ersten Teil des Films und weichen fast vollständig, wenn die Spannung in der letzten halben Stunde steigt. Das wiederum führt zu einer Unstimmigkeit, die nur die hiesige Fassung betrifft. Denn was französischen Komödien in Deutschland zusätzlich nicht hilft, ist die mitunter überhöht auf Albernheit getrimmte Synchro – was auch hier leider wieder der Fall ist. Ja, Jean-Pascal Zadi hat einen sichtbaren Überbiss. Deshalb lispelt und zischelt er im Original aber lange nicht so wie in der deutschen Synchronfassung. Das lässt den zwar (zunächst) nicht als über die Maßen intelligent beschriebenen Charakter noch weit dümmer erscheinen als er im französischen Original ist. Und es verfälscht den Film auf eine gewisse Art und Weise. Da darf man von Glück reden, dass der sich mit den arg albernen Situationen überraschend zurückhält und Humor wie erwähnt eher dezent integriert. Man hätte schon aufgrund des Covers tatsächlich sogar deutlich schenkelklopfendere Szenen erwartet und darf hier angenehm überrascht sein. Man kann das als Zuschauer unentschlossen finden und läge damit so falsch nicht. Dennoch kann man dem Film nicht absprechen, dass er sich zum Schluss um Spannung bemüht und bekannten Genrebeiträgen nacheifert.

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Wo wir bei großen Vorbildern sind: Die Regiebrüder Ludovic & Zoran Boukherma geben im Making-of an, dass sie ihren Film ungerne mit Der weiße Hai in Verbindung gebracht sehen wollen, da sie sich nur wenig an ihm orientiert hätten. Wer aber die Aufstände der versammelten Menschen bei der Verkündung sieht, dass der Strand geschlossen werden soll, die erste (Angel)Jagd auf den Hai oder auch die gefilmten Situationen am Strand, der fragt sich dann durchaus, wie man auf die Idee kommen kann, Year of the Shark hätte nur ganz vereinzelt bei Spielbergs Klassiker abgeschaut. Da darf man dann als junges Filmemacherpaar ruhig aufrichtiger sein und zugeben, dass Der weiße Hai durchaus Inspiration geliefert hat.

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Um sich etwas vom Genre-Einerlei abzugrenzen, füttern die beiden Regisseure und Drehbuchautoren das Skript mit ein paar bissigen (haha) Kommentaren auf Tierschützer, den Klimaschutz und die Corona-Pandemie. Das allerdings wirkt nicht immer treffsicher, sondern etwas hölzern und arg plakativ. Im Falle der Kritik an der zunehmenden Verrohung durch soziale Medien (personifiziert durch die rothaarigen Zwillinge mit den ausgeprägten Nasen) wirkt’s sogar deplatziert. Dafür wechselt Year of the Shark dann im letzten Drittel zunehmend in Horrorfilm-Gefilde, scheut sich nicht vor brutalen Momenten und bietet sogar ein bisschen was für Fans von praktischen Masken.

 

Fazit - Bewertung: 6/10

Year of the Shark hätte auf den dezent integrierten Humor besser ganz verzichten sollen. Denn wirklich witzig wird’s kaum und die spannenden Szenen gegen Ende sind insgesamt gelungener. Leider fährt dem Film die Besetzung dann auch noch in die Parade. Denn die Figuren sind mitunter bewusst ungeschickt charakterisiert und mit Schauspielern aus Komödien besetzt. Da wirkt die durchaus ernste letzte halbe Stunde zu den Darstellern unpassend.

 

 

 

Filminfos und Inhalt: Operation Fortune

  • Anbieter: EuroVideo
  • Land/Jahr: Frankreich 2022
  • Regie: Ludovic & Zoran Boukherma
  • Darsteller: Kad Merad, Jean-Pascal Zadi, Marina Foïs, Anwar El Kadi, Christine Gautier, Jean Boronat
  • Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, fr
  • Untertitel: de
  • Bildformat: 2,39:1
  • Laufzeit: 89 Minuten

Autor: Timo Wolters - ((Copyright Szenenfotos: © EuroVideo. Alle Rechte vorbehalten))

 

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