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Filmrezension: Black Panther: Wakanda Forever

black panther wakanda forever newsT’Challa ist gestorben. Der König ist tot. Shuri hatte noch versucht, ihn durch synthetisch hergestelltes herzförmiges Kraut zu retten – vergeblich. Ein Jahr später führt ihre Mutter Ramonda das Volk von Wakanda an. Und sie nimmt zurück, was ihr Sohn angeboten hatte: Das Teilen von Vibranium mit dem Rest der Welt. Ramonda ist sich sicher, dass das kostbare Metall von den Menschen lediglich zum Schlechten genutzt würde.

 

 

Sehr zur Verärgerung der westlichen Mächte schmettert sie vor den Vereinten Nationen jeden Wunsch nach Beteiligung an Vibranium ab. Doch die haben bereits andere Wege gefunden, nach dem guten Stoff zu suchen. Fündig werden sie unter Wasser und provozieren damit eine verborgene Gemeinschaft von Aquarianern, die überhaupt nicht witzig finden, dass sie aufgescheucht wurden. Und sie sind auch überhaupt nicht gut auf die Menschen im Generellen zu sprechen. Damit ziehen sie eigentlich am gleichen Strang wie die Wakandaner. Doch mit denen legen sie sich im gleichen Atemzug an…

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Die Nachricht traf die Filmwelt wie ein Schock: Chadwick Boseman, der durch seine Rolle als Black Panther zu den charismatischsten Figuren des MCU der ersten drei Phasen gehörte, würde die Rolle kein weiteres Mal übernehmen können. Bereits 2016 war bei ihm Darmkrebs diagnostiziert worden. Eine Diagnose, die er vor der Öffentlichkeit geheim hielt und die ihn dennoch nicht davon abhielt, für seinen ersten Auftritt als Marvel-Superheld massiv Körpergewicht und Muskeln aufzutrainieren. Als er dann in 21 Bridges, einem seiner letzten Filme, massiv abgemagert auftrat, wusste immer noch nur wenige Bescheid (und auch ich mutmaßte damals fälschlicherweise noch, der Gewichtsverlust wäre möglicherweise für eine Filmrolle passiert).

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Dabei hatte er seine letzten Filme bereits unter dem Einfluss von Operationen und Chemotherapie abgedreht. Die Nachricht traf natürlich nicht nur die MCU-Welt wie ein Schock – zumal der sympathische Darsteller erst seit seinem 35 Lebensjahr wirklich prominent in Film- und TV-Produktionen erschienen war und man ihm einfach noch viel mehr Zeit in diesem Licht vergönnt hätte. Der seinerzeit schon geplante zweite Teil von Black Panther (immerhin war der erste BP-Film zu einem Sensations-Überraschungserfolg geworden) musste also umstrukturiert werden. Weder Regisseur Coogler noch Kevin Feige wussten von Bosemans Erkrankung, reagierten aber mit dem größtmöglichen Respekt. Es stand schnell fest, dass man ihn weder durch einen anderen Schauspieler noch digital ersetzen würde.

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Es sollte also nicht verschwiegen werden und entsprechend passte man das Drehbuch an. Black Panther: Wakanda Forever nimmt Bosemans Ableben zum Anlass, zwei unbedingt bestimmende Motive zu verhandeln: Trauer und Wut. Zwei immens starke Emotionen, die vor allem in der Figur von Shuri offenbar werden. Zu Beginn des Films bricht um sie eine Welt zusammen. Ihr Bruder war ihr Freund und Beschützer. Und als sie ihn hätte beschützen/retten können, ja vielleicht müssen, war sie nicht dazu in der Lage. So vermischen sich Trauer, Frustration und Wut, während sie verdrängt all diese Dinge zu verarbeiten. Sie stürzt sich in die Arbeit und weigert sich, die Endgültigkeit von T’Challas Tod anzuerkennen. Als sie ein weiterer Schicksalsschlag einholt, gewinnt die Wut endgültig die Oberhand. Selbst auf die Figur des Black Panther ist Shuri wütend – immerhin konnte auch der Black Panther ihren Bruder nicht retten. Es ist Teil des Prozesses von Shuri, dass sie diese Wut verarbeitet und die Trauer anerkennt; dass sie anerkennt, dass Trauer zum Leben dazugehört. Wenn man so will, verarbeitet Coogler mit der Trauer und Wut heruntergebrochen auf den Mikrokosmos von Shuri, schlicht die ganze Geschichte von afroamerikanischen Gemeinschaften.

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Parallel verhandelt Wakanda Forever das altbekannte Thema der Ausbeutung von Ressourcen. Die Welt will das Vibranium, mit dem Wakanda zu dem geworden ist, das es ist. Doch die Welt will es natürlich nicht nur zum Einsatz im Guten, sondern um damit (Massenvernichtungs)Waffen herzustellen. Man kann und darf das als Metapher auf die Ausbeutung des afrikanischen Kontinents während der Kolonialzeit verstanden wissen. Denn der Ausbeutungs-/Kolonialisierungsgedanke wird gegenüber Wakanda und auch Talokan sehr deutlich. Gegenüber diesen Ausbeutungsversuchen schottet sich Ramonda, die das Volk der Wakandaner nun anführt, wieder sehr deutlich ab, nachdem T’Challa es geöffnet hatte, um die weltweiten Ungerechtigkeiten mit der Technologie seines Landes zu reduzieren und einen Reformgedanken zu etablieren. Nun gab und gibt es Stimmen, die dem ersten Black-Panther-Film bereits Isolationismus und eine rechte Ideologie vorwarfen – immerhin würde sich hier ein Staat bewusst isolieren, um die eigene kulturelle Identität zu bewahren.

In Wakanda Forever nun wehrt Wakanda den imperialistischen Gedanken der westlichen Welt zwar ab, verhält sich aber gleichzeitig gegenüber Talokan alles andere als im Sinne einer Gleichberechtigung – und das trotz praktisch gleicher Ziele. Und tatsächlich könnte man die Bild- und auch die Titelsprache des Films bereits als Indiz dafür betrachten, dass sich hier ein Land, das von außen ebenso bedroht wird wie ein anderes, über dieses ebenfalls bedrohte Land erheben möchte – nicht umsonst heißt es Wakanda Forever und nicht Talokan Forever. Und auch die Visualisierung durch das „oben“ (Wakanda) und das „unten“ (Talokan) kann man als bewusste Symbolisierung deuten. Die Diversität, die innerhalb Wakandas vor allem für eine Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann sorgt, lebt man nach außen hin offenbar nicht so konsequent, wie man es nach innen tut. Und ein Vertrauen gegenüber Talokan, dass dort ebenfalls sorgsam auf das Vibranium aufgepasst wird, scheint es bei den Wakandanern nicht zu geben.

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Doch abseits interpretationsfähiger politischer Hintergründe will Black Panther: Wakanda Forever auch ein Unterhaltungsfilm sein. Das gelingt ihm in einigen Momenten recht gut – witzigerweise in sehr unterschiedlichen Momenten. Denn zum einen ist die vom Horrorkino inspirierte Sequenz rund um das Finden von Vibranium unter der Meeresoberfläche sowie die darauf folgenden Momente an Bord der Enviro+ wirklich packend und gelungen. Zum anderen funktioniert der Film gerade dann, wenn es mal ein bisschen menschelt; wenn die Damen aus Wakanda mal mehr von sich offenbaren dürfen als immer nur heroisch den Stab zu schwingen und martialische Worte in den Raum zu schmeißen. Wenn sich Okoye mit Shuri und dann auch noch mit Riri über ihr Makeup streitet, ist das erstaunlich charmant inszeniert und gespielt. Die kecke Riri ist ohnehin ein Gewinn für den Film, bringt sie doch etwas Leichtigkeit ins Geschehen. Leichtigkeit, die Angela Bassett völlig abgeht.

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Die Darstellerin der Ramonda wurde fast ausnahmslos für ihre Darbietung gelobt. Ich finde sie maßlos übertrieben, beinahe hysterisch. Sie mag einen Grund für ihr protektionistisches und ablehnendes Verhalten haben, doch der wirkt im Hintergrund zu schwach, um Ramondas speichelspuckenden Brandreden zu rechtfertigen. Warum sie Okoye dermaßen herzlos und aggressiv gegenübertritt, nachdem diese Shuri vor einer Überzahl an Talokanern nicht retten konnte, lässt sich nur schwer mit dem erklären, was sie in der Rede von sich gibt. Und so hinterlässt Wakanda Forever etwas gemischte Gefühle. Die Ansätze sind gut gelungen, Ideen hat man auch reichlich verarbeitet und die Szenen, in denen Shuri die Welt von Talokan erlebt, sind poetisch und mit kongenialer Musik unterlegt. Hier würde man gerne mehr Zeit verbringen und vielleicht wäre es deshalb interessanter gewesen, die Wakandaner und Talokaner in Eintracht gegen einen gemeinsamen Fein kämpfen zu lassen.

Fazit: Bewertung: 6/10

Black Panther: Wakanda Forever kann die Klasse seines Vorgängers nicht halten. Trotz der bewegenden Reminiszenz an Chadwick Bosemans T’Challa tritt die Geschichte mit ihren 163 aufgeblasen wirkenden Minuten zu oft auf der Stelle und wirkt in anderen Momenten überdramatisiert. Zudem erscheinen nicht alle Charakterentscheidungen nachvollziehbar. Viele Bilder und Actionmomente machen allerdings Spaß und in die Welt von Talokan wäre man durchaus gerne noch etwas länger abgetaucht.

 

 

Filminfos und Inhalt: Black Panther: Wakanda Forever

  • Anbieter: Walt Disney Studios Home Entertainment
  • Land/Jahr: Puerto Rico/USA 2022
  • Regie: Ryan Coogler
  • Darsteller: Angela Bassett, Danai Gurira, Dominique Thorne, Florence Kasumba, Gigi Bermingham, Ivy Haralson, Josué Maychi, Lake Bell, Letitia Wright, Lupita Nyong’o
  • Tonformate BD: dts-HD-Master 7.1: en // Dolby Digital Plus 7.1: de
  • Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // Dolby Digital Plus 7.1: de
  • Untertitel: de, en
  • Bildformat: 2,39:1
  • Laufzeit: 163 Minuten

 

Autor: Timo Wolters - ((Copyright Szenenfotos: Photos courtesy of Marvel Studios. © 2022 MARVEL.))

 

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