Der legendäre Ghostbuster Egon Spengler hatte sich vor Jahren bereits von seiner Familie zurückgezogen und ein Anwesen auf dem Land bewohnt. Weil aber ein Geisterjäger stets seiner Profession nachgeht, wollte er...
Der legendäre Ghostbuster Egon Spengler hatte sich vor Jahren bereits von seiner Familie zurückgezogen und ein Anwesen auf dem Land bewohnt. Weil aber ein Geisterjäger stets seiner Profession nachgeht, wollte er eine Erscheinung aus einer alten Mine in eine Falle locken. Das Vorhaben scheiterte und der Dämon schlug zu – tödlich. Seinen Besitz vererbt er Tochter Callie, die ihre Wohnung in der Großstadt ohnehin räumen muss und nun mit ihren Kids Trevor und Phoebe auf das großzügige Stück Land in Oklahoma zieht. Dort allerdings muss die Alleinerziehende erst einmal klar Schiff machen, denn das Anwesen ist alles andere als vorzeigbar.

Trevor nutzt derweil seinen neuen Job in einem Schnellrestaurant, um schnell Freundschaften zu schließen. Phoebe hingegen merkt bald, dass im Haus von Egon nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Als sie beim Herumwühlen in der Nachlassenschaft eine Geisterfalle entdeckt und diese ihrem Lehrer zeigt, wird das Ding versehentlich geöffnet und der darin gefangene Geist entfleucht. Bei ihren Recherchen stoßen die Kids darauf, dass die Mine einst dem Architekten gehörte, der eben jenes Gebäude in New York entworfen hatte, auf dessen Dach die Geisterjäger Spengler, Wenkman, Stantz und Zeddemore Gozer besiegten. Es stellt sich heraus, dass Gozer noch aktiv ist und erneut nach dem Untergang der Welt greift. Gut, dass Trevor den ECTO-1 wieder reaktivieren konnte und Egon ihnen als Geist zur Seite steht …

Bill Murray war es, der irgendwie immer schon dafür gewesen war, es bei dem ersten Ghostbusters von 1984 bewenden zu lassen. Schon für den zweiten Teil von 1989 hatte er nur zugesagt, weil man ihm angeblich mit zu vielen Scheinen vor der Nase wedelte. Dass er diesen dann aber als definitiv letzten Film des Franchise verstanden wissen wollte, machte er fest, als er vorschlug den Titel in The Last of the Ghostbusters umzubenennen, damit ja kein dritter Teil mehr käme. Und da hatte er genauso die Hand drauf wie Aykroyd, Ramis, Reitman und Sony Pictures. Eine jede dieser Parteien konnte mit einem Veto einen weiteren Film verhindern. Und selbst die abgedrehte Idee Aykroyds, die Geisterjäger in Hellbent zur Hölle zu schicken, um dort gegen den Teufel zu kämpfen, wurde nicht realisiert.

2014 verkauften die Darsteller und der Regisseur ihre Rechte dann an Sony Pictures, was den Weg für einen neuen Anlauf frei machte. Und entgegen dem klaren Wunsch von Bill Murray, nie mehr eine Fortsetzung folgen zu lassen, kam es anders. Es gab (so etwas wie) einen dritten Teil … über den wir an dieser Stelle eigentlich den Mantel des Schweigens hüllen sollten, weil er als Mahnmal dafür stehen könnte, wie man ein Franchise vor die Wand fährt, nur weil man es zwingend feminisieren wollte. Und ausgerechnet Paul Feig als Regisseur zu verpflichten, der zuvor einzig seine Talentlosigkeit (und eine hysterisch-alberne) Melissa McCarthy zur Schau gestellt hatte … naja, lassen wir das, sonst schwillt der Puls. Es war ja auch kein Sequel, sondern schlicht ein unlustiges Remake des Orginals, das mit Stereotypen und latent rassistischer Besetzung vollkommen zu Recht in die Kritik geriet.

Einzelne Teile, die nun für Ghostbusters: Legacy verwendet wurden, waren auch schon in Aykroyds früheren Skriptentwürfen enthalten und als 2019 Jason Reitman offenbarte, dass er Drehbuch und Regie übernehmen würde, er außerdem die Ereignisse des 2016er Remakes ignorieren wollte, hörte man ein kollektives Aufatmen durch die Fangemeinde raunen. Dass es nicht wirklich sinnvoll war, die alten Geisterjäger einfach 40 Jahre später noch einmal in den Dienst zu stellen, war frühzeitig klar – zumal Harold Ramis 2014 verstorben war. Die Idee, nun die junge (Nachwuchs)Generation auf Geisterjagd zu schicken, gleichzeitig aber den Geist (Haha) des Originals zu beschwören, erschien ebenso genial wie erfolgversprechend.

Dass man die Darsteller des ersten Teils noch einmal zum Vorbeischauen animieren konnte (ja, inkl. Bill Murray), war für Fans das Tüpfelchen auf dem “i”. Und dass Harold Ramis als CGI-Geist an der Seite von Enkelin und Enkel auftaucht, sorgt beim Schauen für einen dicken Kloß im Hals. Abseits all der Nostalgie und dem teils grandiosen Fanservice mit unzähligen Querverweisen auf den Originalfilm, ist Ghostbusters: Legacy aber auch ein ebenso liebenswerter wie rasanter Film geworden. Und das, obwohl man das Budget (vor allem im Vergleich zum ultrateuren Reboot von 2016) sehr schmal halten musste. Einerseits gab es hier natürlich keine extrem teuren Schauspieler zu finanzieren und zum anderen hat man glücklicherweise auf den CGI-Overkill verzichtet. Die Geistereffekte sind trotz computeranimierter Herkunft erfrischend oldschool und der Tonfall versprüht so viel 80er, dass man meinen könnte, es wären keine 38 Jahre vergangen.

Dass Ghostbusters: Legacy so gut funktioniert, liegt aber vor allem an den jungen Darstellern und Darstellerinnen. Vor allem Mckenna Grace (Annabelle 3) als Phoebe ist sensationell. Von ihrem ersten “Spannungs”moment an beherrscht sie die Leinwand. Phoebes Mix aus schüchterner Unbeholfenheit und überheblichem Nerdtum wird von der Schauspielerin so entwaffnend natürlich verkörpert, dass man kaum glauben mag, hier einer 14-jährigen zuzuschauen. Ihre anfänglichen Scharmützel mit Paul Rudd als Lehrer Grooberson sind wirklich brüllkomisch. Ohnehin ist Paul Rudd einer, dem man nie was krumm nehmen kann. Schon als Ant-Man bewies er Starqualität ohne Starallüren.

Wenn er im Supermarkt (ziemlich daneben übrigens dessen sekundenlanges Product-Placement) auf kleine Marshmallow-Männchen trifft, die Gasgrills, Smoothie-Mixer und Staubsauger-Roboter für ihr anarchistisches Treiben missbrauchen, um dann von einem Höllenhund in die Flucht getrieben zu werden, kann das vermutlich heute keiner so charmant wie er. Jetzt darf man durchaus zu Recht bemängeln, dass der innewohnende Story-Anteil von Coming-of-Age und Familienversöhnung reichlich dünn ausfällt.

Und auch die Story um den wiedererstarkten Dämon Gozer ist nicht sonderlich originell. Aber wen kümmert das, wenn das so augenzwinkernd, charmant, rasant und unterhaltsam umgesetzt ist wie in Ghostbusters: Legacy. Darf man dem Schild bei der Einfahrt zu Spenglers Anwesen Glauben schenken, so wird Bill Murrays Wunsch nun übrigens endlich erfüllt: “This is how it ends”.
Ghostbusters: Legacy ist das, was das 2016er Remake gerne gewesen wäre: Die Wiederbelebung des Franchise, das von Dan Aykroyd, Bill Murray, Harold Ramis und Ernie Hudson definiert wurde. Der Film atmet in jeder Einstellung den Originalfilm und ist mit den Jungdarstellern top besetzt. Wer als Fan im Finale dann kein Pipi in den Augen hat, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Autor: Timo Wolters 2022 - Copyright Szenenfotos: © Columbia Pictures Industries, Inc. and BRON Creative USA, Corp. All Rights Reserved.
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