Das Jahr 1370. Auf dem Schlachtfeld von Limoges lernen sich Jean de Carrouges und Jacques Le Gris kennen. Später wird Le Gris sogar der Pate des ersten Sohnes von de Carrouges. Gemeinsam kämpfen die beiden mehrfach an des anderen Seite und sind gute Freunde...
Das Jahr 1370. Auf dem Schlachtfeld von Limoges lernen sich Jean de Carrouges und Jacques Le Gris kennen. Später wird Le Gris sogar der Pate des ersten Sohnes von de Carrouges. Gemeinsam kämpfen die beiden mehrfach an des anderen Seite und sind gute Freunde. Die Verbindung beginnt jedoch zu bröckeln, als der Graf Pierre d’Alençon Le Gris zu bevorzugen beginnt. Für de Carrouges läuft das Fass dann spätestens über, als d’Alençon Le Gris ein hochwertiges Stück Land schenkt, das eigentlich Teil der Mitgift für die Heirat mit Marguerite de Thibouville hätte sein sollen. Zudem erhält Le Gris auch noch den gräflichen Zuschlag, über die Garnison von de Carrouges’ verstorbenem Vater zu verfügen – Frevel, wie Jean de Carrouges findet.

Mehrfach überzieht er den Grafen und Le Gris mit Klagen – erfolglos. Als de Carrouges dann Ende Januar 1386 aus Paris zurückkehrte, offenbarte ihm Marguerite, dass Le Gris sie in seiner Abwesenheit vergewaltigt hätte. Da eine strafrechtliche Verfolgung wenig erfolgversprechend erschien (immerhin war Pierre d’Alençon gleichzeitig Graf UND Richter), blieb Jean de Carrouges nur ein Weg, um den Namen seiner Frau und seinen eigenen reinzuwaschen: Die Aufforderung Le Gris’ zu einem juristisch angeordneten Duell …

Jaja, die jungen Leute und ihre Mobiltelefone … Wenn es nach Ridley Scott geht, sind die Millennials schuld daran, dass sein zwischen Februar und (mit Unterbrechung) Oktober 2020 gedrehter Last Duel beim internationalen Kinoeinspiel sang- und klanglos unterging. 100 Mio. Dollar Produktionskosten stehen einem schauerlichen Einspiel von 30 Mio. Dollar gegenüber. Addiert man Marketingmaßnahmen sowie den Anteil für die Kinos hinzu, dürften die Verluste für Fox/Disney hier in den dreistelligen Millionenbereich gehen. Für den verdienten Regisseur von Kultfilmen wie Alien oder Blade Runner ist das bitter. Immerhin steht er zu seinen Filmen wie kaum ein anderer und sucht vielleicht auch deshalb die Schuld bei anderen. Dass es ausgerechnet die Millennials sein sollen, darf man aber gerne in Frage stellen. Denn das Thema, das The Last Duel zugrunde liegt, ist jetzt auch nicht gerade das, was ein junges (bzw. sogar sehr junges) Publikum anspricht.

Dass Scott seinen Film zudem auch noch etwas sperrig (und bisweilen sogar wenig glücklich geschnitten) strukturiert hat, dürfte ebenso zum Misserfolg beigetragen haben wie die Tatsache, dass er auch noch in direkter Konkurrenz zum jüngsten Bond-Abenteuer lief. Weitere Faktoren dürften sein, dass er aufgrund seiner Laufzeit nicht in der großen Masse von Kinos startete und das Hauptzielpublikum der 40+-Generation dem Kino covidbedingt eher noch fern blieb. Es ist aber natürlich leichter, auf die junge Handygeneration zu schimpfen. Schade und in diesem Review vorangestellt ist das deshalb, weil es Scott nicht nötig hat, solche Tiraden loszulassen. Es lässt ihn wie einen schlechten Verlierer einer Mensch-ärgere-dich-nicht-Begegnung wirken. Und es kratzt ein wenig an seiner Reputation. Abgesehen vom finanziellen Misserfolg gibt es aber durchaus positive Seiten an The Last Duel.

Die Story, die auf einem Buch von 2004 beruht, das wiederum die verbürgte Geschichte eines der letzten (nicht DES letzten) gerichtlich angeordneten Duells erzählt. Wie der Inhalt es grob darstellt, so fand es tatsächlich statt. Jean de Carrouges sah die einzige Möglichkeit, seine und die Reputation seiner Frau dadurch herzustellen, den vermeintlichen Vergewaltiger Jacques Le Gris vor Gericht zu einem Duell auf Leben und Tod herauszufordern – wohlwissend, dass die Aussage seiner Frau gegen jene von Le Gris stand und Letzterer auf das Wohlwollen des Grafen Pierre d’Alençon und auch auf jenes von König Karl VI. zählen konnte. Die Option eines Duells erschien ihm die einzig mögliche – selbst wenn klar war, dass, verlöre er, auch seine schwangere Frau dem Tod geweiht wäre. Scott konzentriert sich in seiner Inszenierung auf das Trio der Hauptprotagonisten und splittet den Film in drei Teile auf. Jeder Part erzählt die Geschichte aus der jeweiligen Sichtweise einer der drei Figuren. Beginnen mit den beiden Duellanten schließt es bei der Schilderung aus Sicht von Marguerite de Carrouges – und damit beim eindeutig stärksten Teil des Films.

Denn in den letzten 50 Minuten erweist sich The Last Duel vielleicht als Scotts reifster Film. Es gelingt ihm, die zugrundeliegenden Fakten zu einem Statement früher Emanzipation zu verdichten. Und das, ohne allzu blumig oder dogmatisch zu werden. Scott romantisiert nicht die Figur der Marguerite nicht; er lässt sie nicht zu einer zweiten Johanna von Orleans werden. Aber in den Momenten, in denen sich Marguerite um den heimischen Hof in Abwesenheit ihres Mannes kümmert und auch in den Szenen der Auseinandersetzung mit dessen Mutter entwickelt der Film echte erzählerische Kraft. Zwar läuft The Last Duel gut zweieinhalb Stunden, doch weil er die gleiche Geschichte gleich dreimal erzählen muss, sind die Schnittfolgen bisweilen hastig und Zeit- wie Inhaltssprünge groß. Oft bleibt nur wenig Zeit für eine echte Charakterentwicklung. Ohnehin ist das letzte Drittel mit Abstand die spannendste und emotionalste Phase des Films. Scott dramatisiert keineswegs, wenn er Marguerite vor Gericht von Le Gris’ Anwalt “Le Coq” erniedrigen lässt und es von anderer Seite zudem heißt, dass ihre Schwangerschaft nicht von der Vergewaltigung her rühren könne, da man (medizinischer Ansicht der damaligen Zeit nach) nur schwanger werden könne, wenn man beim Geschlechtsakt als Frau Lust empfände und zum Höhepunkt käme.

Auch der Umstand, dass Marguerite bei schwangerem Leib verbrannt worden wäre, verlöre ihr Ehemann das Duell, ist korrekt porträtiert und lässt fassungslos zurück. Ja, wir sind im Mittelalter. Und ja, es waren augenscheinlich ganz andere Zeiten. Dennoch wühlt es auf und lässt umso mehr Respekt zu, dass Marguerite ihrem Mann unter diesen Umständen überhaupt von der Vergewaltigung erzählte und ihre Aussage vor Gericht so mutig beibehielt. Während The Last Duel in dieser dritten Perspektive auf die Geschehnisse wirklich stark ist, lässt er eine ähnliche Kraft in der Schilderung aus Jean de Carrouges’ und Jacques Le Gris’ Sicht leider vermissen. Vor allem die um Matt Damon konzentrierte erste Geschichte wirkt hastig erzählt, weist teils sehr unglückliche (und unlogisch wirkende) Schnittabfolgen auf und vermisst es, de Carrouge persönliche Tiefe zu geben. Matt Damon wirkt dabei auch nicht immer ganz glücklich – mal abgesehen von der furchtbaren (möglicherweise aber natürlich zeitgenössischen) Frisur.

Le Gris’ Version der Ereignisse wird stärker beleuchtet und gibt Adam Driver die Möglichkeit zu offenbaren, dass er sich in den letzten Jahren zu einem hervorragenden Schauspieler gemausert hat. Glücklicherweise begeht Scott auch nicht den (naheliegenden) Fehler, die Vergewaltigung durch ihn so darzustellen, als hätte Marguerite dabei Lust empfunden. Geht’s dann im Finale in das Duell, weicht der Film ein wenig von der realen Historie ab, um es etwas dramatischer und monströser zu gestalten – und das kann für Zartbesaitete schon mal ein bisschen zu viel des “Guten” sein. Zumal The Last Duel alles andere als ein Actionfilm ist. Ein paar wenige (kurze) Kampfschilderungen lockern zwar auf, können aber nicht verhindern, dass die drei Erzählperspektiven ihre Zeit fordern. Und zweieinhalb Stunden können auch lang werden. Mein Vorschlag wäre ja gewesen, man hätte alle Szenen mit Ben Affleck gestrichen. Das hätte uns zumindest diese absolut alberne Blondhaarfärbung erspart. Aber ich bin da nicht ganz unparteiisch.
Ridley Scott ist ein Guter. Und Last Duel ist wahrlich kein schlechter Film. Er ist aber auch nicht sein bestes Werk. Die Schuld des finanziellen Misserfolgs auf die Handys und deren Besitzer, die Millennials, zu schieben, steht aber weder Scott noch dem Film gut. Es passt einfach nicht als “Ausrede” und lässt zahlreiche Faktoren, die wesentlich schlüssiger erscheinen würden, außen vor. Wer sich den Film nun im Heimkino anschauen möchte, der darf einen gewissen Hunger auf historisch verbürgte Ereignisse mitbringen und sollte kein historisches Schlachtengemälde erwarten.
Autor: Timo Wolters 2022 - © 2021 20th Century Studios
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