Roy Pulver war mal Elite Agent. Jetzt ist er tot. Und das schon zum 136. Mal. Oder zum 45. Mal. Oder zum 97. Mal – je nachdem, von welcher Stelle sich Roy gerade meldet. Denn er ist ...

Roy Pulver war mal Elite Agent. Jetzt ist er tot. Und das schon zum 136. Mal. Oder zum 45. Mal. Oder zum 97. Mal – je nachdem, von welcher Stelle sich Roy gerade meldet. Denn er ist in einer Zeitschleife gefangen – einer tödlichen Zeitschleife. Gejagt von einer Horde Profikiller stirbt er immer und immer wieder. Mal schlägt eine wilde Schwertschwingerin ihm den Kopf hab („Ich bin Guan Yin. Und ich habe das getan!“), mal durchsiebt ihn eine Gatling-Gun und mal wird er gar harponiert. Das Resultat ist am Ende das Gleiche: Roy stirbt. Allerdings kann er sich an die jeweiligen Situationen erinnern und adaptiert nach und nach, wie man ihm auflauert. Er entwickelt Strategien, um immer eine Runde weiter zu kommen, ohne drauf zu gehen. Und während er das tut, geht er Hinweisen nach, die ihm seine Frau Jemma gegeben hat. Und diese Hinweise führen ihn zu einem geheimen Regierungsprojekt, hinter dem ein gewisser Colonel Ventor steckt. Als er auch noch ahnt, dass die Sache mit der Zeitschleife wesentlich persönlicher wird, will er Ventor endgültig das Handwerk legen …

Erinnert sich noch jemand an Smokin‘ Aces? Das war nicht nur der Film, in dem Ben Affleck die (vielleicht) kürzeste Screentime seiner Karriere hatte und einen ziemlich knalligen Abgang bekam, sondern auch der Film, dessen Actionanteil mitunter absurd hoch gewesen ist und später nur noch von Crank übertroffen wurde. Und dann ist da der Komödienklassiker … und täglich grüßt das Murmeltier. In dem musste ein Wetteransager (Bill Murray) denselben Tag immer und immer wieder in einer Zeitschleife erleben.

Man stelle sich nun vor, der Regisseur von Smokin‘ Aces kombiniert nun eben diesen mit Crank und dem Murmeltier. Und heraus kommt dabei tatsächlich ziemlich genau Boss Level. Okay, ein bisschen Serious Sam (für die Gaming-Fraktion) ist auch noch dabei. Mit einem Tempo, das locker an jenes von Smokin‘ Aces heranreicht, eröffnet Boss Level und bleibt (fast) konstant auf diesem Level. Schon nach nicht mal drei Minuten kommt eine große Gatling-Gun zum Einsatz und durchsiebt Roys Wohnetage. Währenddessen wendet sich unsere Hauptfigur als Erzähler ans Publikum und kommentiert die absurden Geschehnisse mit süffisantem Sarkasmus.

Jetzt ist es natürlich so, dass Zeitschleifenfilme dem Problem auflaufen könnten, in ihrem eigenen Prinzip gefangen zu sein – also irgendwann repetitiv zu werden, ohne in der Geschichte vorwärts zu kommen. Auch Boss Level ist davon nicht ganz frei. Gute 18 Minuten nimmt er sich Zeit, seine relativ simple Story und damit Roys Ausgangslage zu schildern, was schon mal zu leichten Wiederholungen oder Übererklärungen führt. Danach nimmt sich der Film dann spürbar zurück und drosselt für eine Weile das Tempo. Immerhin müssen ein paar Hintergründe geklärt werden und die eigentlichen Drahtzieher hinter diesem Zeitschleifending werden offenbart. Hier kommt dann auch Mel Gibson ins Spiel, der sein prominentes Antlitz mal wieder in einem kleinen Genrefilm in die Kamera hält.

Hauptdarsteller ist aber zweifelsohne Frank Grillo, der seinen gestählten Körper hier nicht nur einmal zur Schau stellen darf und ansonsten schon lange nicht mehr so relaxt und entspannt gewirkt hat. Entspannt und relaxt geht es in puncto Gewaltdarstellung allerdings nicht zu. Denn das, was hier gezeigt wird, ist zwar comichaft (was die 16er Freigabe erklärt), aber eben durchaus grafisch. Da rollt Roys abgeschlagener Kopf eine Treppe runter oder sein Körper wird von einem riesigen LKW überfahren; da wird seine Brust oder wahlweise der Schädel von Kugeln durchsiebt und der Torso von Harpunen durchschlagen. Alles in allem ging es schon mal zahmer zu, in Actionstreifen.

Da Boss Level aber stets überhöht ironisiert mit dem Geschehen und den Kills umgeht, lässt sich das auch für die etwas zarter besaitete Zuschauer ertragen. Und weil es im letzten Drittel noch mal eine Wendung gibt, die Raum für emotionale Momente lässt (und noch eine leichte Note von Apokalypse hinzufügt), drückt Regisseur Carnahan eine ziemlich umfassende Palette von Knöpfen, um sein Publikum durchweg zu unterhalten. Dabei bleibt die zugrundeliegende Story zwar ziemlich inhaltsleer, aber manchmal sticht der Stil die Substanz, OHNE dass man das als Kritik auffassen muss. Vor allem, wenn das so unterhaltsam, witzig und kurzweilig passiert wie hier.
Boss Level ist ein 90-minütiger (Nettolaufzeit) Zeitschleifetrip, der mit wahnwitzigen Kills und einem ultracoolen Frank Grillo aufwarten kann. Das unbestreitbare Talent von Naomie Watts wird allerdings weitgehend verschwendet und Mel Gibson tut auch nicht sonderlich viel, um seinen Gehaltscheck einzulösen. Eigentlich ist Carnahans aktueller Film eine Grillo-One-Man-Show mit hohem Tempo und (zwischendurch) emotionalen Momenten. Das hat man schon weitaus weniger unterhaltsam gesehen – und auch weniger gut getimt. Denn wenn Carnahan eins beherrscht, dann Actiontiming.
Autor: Timo Wolters - Copyright Szenenfotos: © Leonine Distribution
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