„Ich hoffe, sie wacht auf. Ich glaube, sie hat morgen früh Schule“. Die Worte, mit denen die Rettungssanitäter Steve und Dennis von der jungen Frau empfangen werden, offenbaren deutlich, dass die Dame auf irgendeinem Trip hängt. Denn von Schule kann keine Rede sein. Das Mädchen...

„Ich hoffe, sie wacht auf. Ich glaube, sie hat morgen früh Schule“. Die Worte, mit denen die Rettungssanitäter Steve und Dennis von der jungen Frau empfangen werden, offenbaren deutlich, dass die Dame auf irgendeinem Trip hängt. Denn von Schule kann keine Rede sein. Das Mädchen, das nebenan auf dem Boden liegt, hat ganz offenbar eine Überdosis intus. Ihr Vater (oder wer auch immer) liegt mit einer riesigen Stichwunde in einem weiteren Raum. Am nächsten Tag werden sie zu einem Opfer gerufen, das komplett verbrannt ist. Am Ort des Geschehens drückt die Polizei ihnen ein Tütchen in die Hand, auf dem „Synchronic“ steht. Als diese Substanz auch bei einem nächsten Einsatz gefunden wird, scheint sich heraus zu kristallisieren, dass hier eine neue Designerdroge im Umlauf ist. Weitere Todesfälle begegnen den Sanitätern – einer merkwürdiger als der andere. Und immer scheint Synchronic im Spiel gewesen zu sein. Während all dessen muss sich Steve damit beschäftigen, dass er offenbar einen tennisballgroßen Tumor im Kopf hat. Und auch Dennis hat bald ganz eigene Probleme, denn seine (fast) erwachsene Tochter Brianna verschwindet – möglicherweise auch im Zusammenhang mit Synchronic. Steve beschließt deshalb, am eigenen Leib mit der Droge zu hantieren, um Hinweise zu bekommen, wo Brianne ist. Immerhin hat er nichts mehr zu verlieren …

Justin Benson und Aaron Moorhead führen seit 2012 praktisch ausschließlich gemeinsam Regie. Ob das ihre Langfilme Resolution oder The Endless sind oder auch die gemeinsam inszenierte Marvel-Kurzserie Moon Knight, die 2022 über Disney+ kommen wird. Benson und Moorhead führen dabei nicht nur gemeinsam Regie, sondern zeichnen – sich ergänzend – auch fürs Drehbuch, den Schnitt, die Produktion und die Kameraarbeit verantwortlich. Mit Resolution begeisterten sie vor neun Jahren die Kritiker und versammelten Fans von Independent-Filmen mit verschachtelter und exzentrischer Erzählstruktur hinter sich. Das Fantastische interessiert das Duo dabei immer wieder. Und auch die Drogen – bzw. deren Missbrauch.

Zwei Jahre nach Resolution wagten sie sich mit Spring: Love is a Monster an eine Romantic-Fantasy-Geschichte, bevor sie 2017 etwas stärker ins SciFi-Genre wechselten und mit Endless laut dem US-Horror-Autor Brian Keene ein „echtes Horror-Meisterwerk realisierten, das wie ein Mix aus David Lynch, Stuart Gordon und Don Coscarelli wirke – ein Fiebertraum lovecraft’scher Art, das mehrfaches Sehen zwingend erfordere“ (Quelle). Und weil Keene nicht der einzige Fan des Films war, sondern eher in einen generellen Kanon von Kritiker-Lobeshymnen einstimmte, wurde das aktuelle Werk von Benson/Moorhead nicht nur von den Anhängern des Duos heiß erwartet. Uraufgeführt auf dem 2019er Toronto International Film Festival, kam er im Oktober 2020 für eine kurze Zeit in die US-Kinos und liegt nun auch dem deutschen Zuschauer im Heimkino vor.

Und irgendwie spielt auch Synchronic im gleichen Universum wie die Vorgänger. So hatten Benson und Moorhead schon in Endless mit dem Thema Zeit gespielt, als ein Wesen Menschen in einer Zeitschleife gefangen hielt. Und auch Drogen spielen hier wieder eine besonders starke Rolle. Immerhin ist es die filmtitelgebende Substanz Synchronic, welche die Menschen erst in den Zustand versetzt, in dem der Film über weite Strecken spielt. Schon die Anfangs-Sequenz driftet in alptraumhafte Gefilde ab, die von surrealer Anmutung sind. Während der Typ des gezeigten Paars durch irgendeine Art Portal vom Aufzug direkt in eine Wüste zu fallen scheint, zeigt sich der Frau eine Schamanin, während sich das Schlafzimmer in Luft aufgelöst hat. Man sollte hier wirklich keinen 08/15-Film erwarten, sondern etwas Sinnerweiterndes und abseits des Mainstream Befindliches. Und das nicht nur während der drogengeschwängerten Szenen. Auch die reale Welt wird von Moorheads Kameraführung irgendwie entrückt dargestellt. Die Kamera bewegt sich fluide durch die Szenerie, ist nie lange an einem Ort, neigt dennoch aber nicht zur Wackel-Attitüde. Vielmehr schwebt sie förmlich durch den Raum und gleitet von Figur zu Figur, während die Story sich auf ihre seltsamen Pfade begibt. Der unheilschwangere Score, der in den besten Momenten an die eindringliche Schlusssequenz von Auslöschung erinnert. erzeugt derweil eine echte Gänsehaut. Und das stark stilisierte, etwas körnige und oft orangebetonte Bild unterstützt das noch.
Zwar nimmt sich Synchronic nach einer halben Stunde etwas zurück und hat schon mal ein paar zähere Momente, doch spätestens, wenn Steve seine Nachforschungen in Sachen Drogen und den Verbleib von Brianna anstellt, zieht die Atmosphäre wieder an. Die Geschichte erlaubt sich (ohne zu viel zu verraten) zwar ein paar konstruiert wirkende Details, aber Steves „Kurztrips“ kombinieren geschickt Humor, Spannung und sogar ein paar poetische Momente. Von allen Filmen des Regieduos mag Synchronic der linearste sein, doch das heißt noch lange nicht, dass er einfach zu konsumieren ist und jedem gefallen wird. Dafür halten die 100 Minuten dann doch zu wenig Action oder konventionelle Dialoge bereit. Man muss sich einlassen, auf diese Geschichte, die ein wenig von Vergebung und Erlösung, aber vor allem auch von der Vergänglichkeit des Lebens erzählt, dabei aber gekonnt mit Zeitreiseklischees spielt.

In Synchronic ist das, was in einer anderen Zeit spielt, keineswegs quietschbunt und witzig. Nein, hier geht’s bedrohlich zu. Und es zeigt, dass das Leben in der Gegenwart spielt. Die Zukunft ist ungewiss, die Vergangenheit unter Umständen saugefährlich. Justin Benson und Aaron Moorhead fügen, um dieses Credo zu unterstützen, noch ein ganz bestimmtes todbringendes Detail hinzu, das Steve eindeutig aufzeigt, dass er im Hier und Jetzt noch etwas bewegen kann. Sich darüber zu beschweren, was in der Vergangenheit falsch gelaufen ist, brächte ohnehin nichts. Anthony Mackie, der diesen Steve spielt, agiert herausragend gut. Er emanzipiert sich ebenso von der Rolle, mit der er einem größeren Publikum bekannt wurde, wie es auch Jamie Dornan an seiner Seite als Dennis tut. Weder sieht man in Mackie den marvell’schen Falcon, noch in Dornan den blass gespielten Part des Christian Grey in Fifty Shades of Grey. Und wenn sich das Schlussbild der beiden auf dem TV flimmert, mag es kitschig sein. Aber es brennt sich auch ins Bewusstsein ein und kann empfänglichen Menschen durchaus rühren.
Synchronic ist so etwas wie ein Independent-Mix aus Inception und Bringing Out the Dead. Ein Film, der aufgrund seiner Metaebene durchaus noch zum Nachdenken anregt, wenn das Schlussbild in die Credits wechselt. Ein Film allerdings, der nicht jedem Geschmack entspricht und vornehmlich für ein aufgeschlossenes Publikum gedacht ist, das gerne mal abseits vom Mainstream vorbeischaut.
Autor: Timo Wolters - Copyright Szenenfotos: © Universal Pictures
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