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Filmrezension: The Witch next Door

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Kein HDMI-Anschluss am Fernseher – nein, das ist nicht das, was Ben erwartet hatte, als er nach der Trennung seiner Eltern für die Sommerferien zu seinem Vater soll. Immerhin möchte ein Teenager ja auch mal seine moderne Spielekonsole anschließen. Aber was soll’s. Viel schlimmer wiegt da möglicherweise die Tatsache, dass sich Ben seinerseits mit des Vaters neuer Freundin anfreunden muss. Und das fällt ihm so leicht nicht. Während er tagsüber seinem Dad am lokalen Urlaubshafen etwas aushilft, fällt dem Jungen schon bald die Familie direkt gegenüber auf – scheinbar Urlauber, die das Haus als Ferienunterbringung nutzen.

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Eines Nachts hört Ben dort Geräusche und sieht einen merkwürdigen Schatten auf der Veranda sitzen. Gut, dass ihn die junge Mallory etwas ablenkt, mit der er tagsüber am Pier arbeitet. Doch Ablenkung hin oder her. In der Nachbarschaft gehen seltsame Dinge vor sich. Spätestens als der kleine Junge von nebenan Zuflucht bei Ben sucht, weil er sich vor seiner Mutter fürchtet, beginnt Ben Nachforschungen anzustellen. Was er dabei herausbekommt, gefällt ihm allerdings gar nicht. Denn irgendeine Art von hexenartigem Wesen scheint die Kontrolle über die Mutter der zwei Kinder übernommen zu haben. Und die Hexe scheint in der Lage, sämtliche Erinnerungen der von ihr kontrollierten Menschen auslöschen zu können …

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„Der erfolgreichste Film seit Avatar“ – ja, so kann man es sehen. Jedenfalls, wenn man als Hintergrund nimmt, dass seit Camerons SciFi-Spektakel KEIN anderer Film mehr sechs aufeinanderfolgende Wochen die Nummer 1 in den US-Kinocharts war. Dazu kann The Witch Next Door nachweisen, dass er das 66!-fache seines Budgets eingespielt hat. Hätte Cameron das mit Avatar erreichen wollen, hätte dieser damals 15,6 Mrd. Dollar (und nicht „bescheidene“ 2,8 Mrd. Dollar) einspielen müssen. Man darf also durchaus Respekt vor dieser „Hexe von nebenan“ haben.

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Witzigerweise gelingen solche Kunststücken oftmals Horrorfilmen (Ausnahmen wie Rodriguez‘ El Mariachi bestätigen die Regel). Der letzte Genrefilm, der mit einem äußerst hohen Produktionskosten-/Einspiel-Faktor für Furore sorgte (und sicherlich eins der prominentesten Beispiele) war The Blair Witch Project. Glaubten wir an Verschwörungstheorien, würden wir Hexenwerk vermuten. Denn irgendwie scheinen die besessenen Frauenwesen ja einen gewissen Anteil an diesen Überfliegern zu haben. Wobei, streng genommen: Der Originaltitel des Films lautet The Wretched – also so viel wie „Erbärmlich“. Und betrachten wir es realistisch, dürfte die mangelnde Konkurrenz in den Kinos dann auch der größte Faktor des Erfolgs gewesen sein.

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In einer Zeit, in der ohnehin nur wenige Kinos geöffnet hatten, war man natürlich um jeden Inhalt und jeden Beitrag froh, der überhaupt Anlass bot, mal wieder ein Lichtspielhaus zu besuchen. Und „zur Not“ tut’s dann eben auch ein Horrorfilm. Zumal man natürlich betrachten muss, dass 4,34 Mio. Dollar Einspiel auch keine Unsummen sind. Bezogen auf die geringen Produktionskosten von ~66.000 Dollar dürften sich aber die Macher dennoch einen Ast gelacht haben, als sie den Blick aufs Konto warfen. Und es wirft die Frage auf, wie man mit 66.000 Dollar einen Film finanzieren kann. Mancherorts kostet ja die Miete der Filmkameras schon diesen Preis – und dann wurden noch keine Schauspieler, Kameramänner, Toningenieure, Maskenbildner etc. pp. bezahlt.

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Wie dem auch sei, die beiden Regie-Brüder Brett und Drew T. Pierce haben mit ihrem kleinen Horrorfilmchen Aufmerksamkeit erlangt. Und alleine das ist ein großes Kompliment für die zwei Horrorfilmfans. Dabei begann alles eher mit einer gewissen Furcht vor dem Genre. Denn Brett und Drews Vater ist kein Geringer als einer der Special-Effects-Künstler von Sam Raimis Kultfilm Tanz der Teufel. Und so kam es, dass Brett eines jungen Kindesalters in den Keller ging, als sein Vater Testaufnahmen von Tanz der Teufel anschaute. Ein durchaus einschneidendes Erlebnis für den Jungen, der daraufhin erst einmal ziemlich geschockt zurückblieb (Quelle). Doch so tief wie der Schock saß, so neugierig war Brett daraufhin, dieses Erlebnis zu reflektieren und sich erneut in die Welt des Horrors zu begeben. Mit 12 sahen sich die beiden Pierce-Brüder dann Tanz der Teufel 2 an und von da an gab es kein Halten mehr. Als Einfluss für ihre eigenen Filme geben sie dann auch Klassiker wie The Thing, Halloween oder Alien an. Für The Witch Next Door bediente man sich aber auch noch ein kleines bisschen beim guten Alfred Hitchcock, wenn Ben wie weiland James Stewart in Das Fenster zum Hof von seinem Haus aus per Fernglas die Geschehnisse nebenan beobachtet.

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Was den Grusel angeht, bedient sich The Witch Next Door bei den bekannten Körperverrenkungsmotiven der The-Ring-Reihe und schlägt hier und da auch die Brücke zu Nachtkamera-Gruselszenen im Stile eines Paranormal Activity. Außerdem gibt’s eine Spur Body Horror à la The Fly. Da der Film seine spannenden Momente effektiv mit Geräuschen zu unterlegen versteht, gibt’s hier tatsächlich mehr schaurige Momente als bei zahlreichen Genrevertretern. Oft mag das vorhersehbar sein, wenn es um die Quelle der Geräusche geht, dennoch reicht es, in Verbindung mit Kratzgeräuschen eine gruselige Krallenhand oder ein Schattenwesen für einen Moment zu sehen, um durchaus für wohlige Schauer auf dem Rücken zu sorgen.

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Da vor allem der Hauptdarsteller recht sympathisch rüberkommt und das Verhältnis zwischen getrennt lebendem Dad und Sohnemann wohltuend sarkastisch, gleichzeitig aber wenig gekünstelt wirkt, nimmt der Film den Zuschauer durchaus mit – zumindest die erste halbe Stunde lang. Im zweiten Drittel braucht The Witch Next Door dann etwas (zu) lang, um seine Hexengeschichte vorwärtszutreiben. Vom Moment der Körperübernahme durch die Hexe gibt’s zwar noch ein paar gruselige Bilder, doch bis das Tempo dann wieder anzieht und die Atmosphäre sich erneut verdichtet, dauert es bis zur 65. Minute. Von da an fährt der Film zwar eine weitere, nicht ganz unbekannte Strategie, wenn der Hauptfigur plötzlich niemand mehr glauben möchte, doch hier führt das tatsächlich zu einer Intensivierung des Thrills. Und weil sich kurz vor Schluss noch mal eine Überraschung einschleicht, gibt’s sogar noch mal einen kleinen Aha-Moment. Insgesamt hat man ähnliche Filme schon schwächer gesehen – zumal das von Special-Effects-Artist Erik Porn entworfene Hexenwesen durchaus stimmig umgesetzt wurde. Wie gesagt: Dass The Witch Next Door für gerade mal 66.000 Dollar umgesetzt werden konnte, sieht man ihm zu keiner Zeit an.

 

Fazit

The Witch Next Door war genau der richtige Film, um das von Covid-19 ausgedürstete Kinovolk im Sommer ein wenig zu unterhalten und mit wohligem Grusel abzulenken. Bedenkt man das äußerst geringe Budget, ist es nichts anderes als verwunderlich und in höchstem Maße respektabel, wie viel production value und Professionalität man aus dem Film herausgekitzelt hat. Da ist’s dann auch verschmerzbar, wenn das zweite Drittel ein paar Hänger hat. Man darf gespannt sein, ob die Regiebrüder mit (zu erwartendem) höheren Budget für (ebenfalls erwartbare) Fortsetzungen noch mehr anstellen oder ein Sequel dann an Charme verlieren wird. 

 

 

Filminfos und Inhalt: The Witch next Door

  • Anbieter: Koch Films
  • Land/Jahr: USA 2019
  • Regie: Brett Pierce, Drew T. Pierce
  • Darsteller: John-Paul Howard, Piper Curda, Jamison Jones, Azie Tesfai
  • Tonformate dts HD-Master 5.1: de, en
  • Bildformat: 2,39:1

Autor: Timo Wolters - Copyright Szenenfotos: © Koch Films - Alle Rechte vorbehalten

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