Polizist Cardillo hatte alles, was ein aufstrebender Cop benötigt, um irgendwann ein angesehener Kollege zu werden. Doch dann bewirkt ein Schicksalsschlag, dass er an seinem Job und seinem Leben zu zweifeln beginnt. ...

Polizist Cardillo hatte alles, was ein aufstrebender Cop benötigt, um irgendwann ein angesehener Kollege zu werden. Doch dann bewirkt ein Schicksalsschlag, dass er an seinem Job und seinem Leben zu zweifeln beginnt. Ein paar gedachte Selbstmordversuche später schiebt Cardillo Stubendienst und ist der jüngste desillusionierte Cop, den Puerto Rico je gesehen hat. Im Auge eines drohenden Hurrikans soll er allerdings dafür sorgen, dass renitente Zuhausegebliebene in Sicherheit gebracht werden. Dabei darf und soll ihm eine junge, neue Kollegin helfen. Cardillos Plan: Im Auto sitzen bleiben und nichts tun. Zu groß die Gefahr, dass man sich nachher einer internen Anzeige gegenüber sieht, weil man irgendeinem das Hemd zerrisen hat, der nicht mitkommen wollte. Doch Kollegin Jess sieht das anders und nimmt erst einmal einen Ruf in ein Einkaufszentrum entgegen, wo man einen Mann festgesetzt hat. Einen Deal mit diesem später, fährt man zu dessen Wohnblock, da sich dort noch zwei Bewohner aufhalten sollen, die nicht das Haus verlassen wollen. Bald jedoch ist man vor Ort nicht mehr unter sich. Denn plötzlich wimmelt es in dem Gebäude vor bewaffneten Gangstern, die dort ein kleines Nazi-Vermögen vermuten. Während Cardillo das Szenario auf dem falschen Fuß erwischt, können er und Kollegin Jess von Glück sagen, dass Ex-Cop Ray einer derjenigen ist, die sich der Evakuierung erwehrten. Denn Ray ist nicht nur ein Sturkopf, sondern einer, der zuerst schießt und dann Fragen stellt …

Force of Nature hatte in den USA eine (kurze) und kaum erfolgreiche Kinoauswertung, erscheint hierzulande vielleicht auch deswegen direkt auf Video. Der Klappentext verspricht dabei zumindest spannende Unterhaltung: Ein Gebäude, draußen ein Hurricane, drinnen Gangster und drei Cops mit ein paar Zivilisten – es muss doch mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht für ein bisschen Thrill sorgt. Liest man die Besetzung, wird’s sogar noch besser: Mel Gibson, Emile Hirsch und Kate Bosworth – man kann durchaus schlechtere und weniger beliebte Darsteller finden. Vielleicht kommt, dem Szenario entsprechend, sogar ein bisschen Judge-Dredd-Stimmung auf?

Nun, da im vorherigen Satz der Teufel ins Spiel kam: Es geht mit dem Teufel zu, leider. Mit einem ziemlich durchschnittlichen Teufel. Mal abgesehen davon, dass sich der mit 100 Minuten recht knackig-kurze Film gut 50 Minuten Zeit lässt, bevor’s dann mal losgeht, weiß er mit seinem Szenario auch kaum was anzufangen. Ja, es regnet und donnert. Ja, deshalb sind die Polizisten und Zivilisten in dem Gebäude gefangen. Aber das ist dann auch das Einzige, zu dem der Hurricane gut ist. Demgegenüber sind die Schergen von Obergangster John auch nur zu einer einzigen Sache gut: Nacheinander das Zeitliche zu segnen. Meist durch Kugeln, oft aber auch durch Kugeln und manchmal eben durch … ähm … Kugeln.

Einen Innovationspreis gewinnt Force of Nature also schon mal nicht. Und dass Mel Gibson gerne Charaktere spielt, die mit Sprüchen wie jenem kommen, der den Titel der Rezension ziert, ist auch nichts Neues. Man weiß, dass der Gute sowohl als Regisseur als auch als Schauspieler vornehmlich Stoffe annimmt, die einen äußerst hohen Gewaltgehalt haben. Fans mögen’s, Kritiker kommen aus dem Gähnen kaum mehr raus. Als halbtoter, mit zahlreichen Organproblemen geplagter Ex-Cop hustet er sich ein wenig durch den Film und fuchtelt mit der Knarre überraschend ungelenk rum – zieht man in Betracht, dass seine Figur damit mal ihr Geld verdient hat.

Emile Hirsch ist zwar ein bisschen schwammig geworden, hat aber zumindest die emotionalen Momente des Films zu bewältigen. Und das macht er ordentlich. Die zarte Romanze mit Krankenschwester Troy (Bosworth) wirkt allerdings aufgesetzt. Spannung entwickelt weder die Romanze, noch das Setting, das irgendwo zwischen Stirb Langsam und dem Finale von Equalizer 2 angesiedelt ist. Alles bewegt sich im Rahmen des Altbekannten und Überraschungen bleiben komplett aus.

Am meisten Potenzial (für einen allerdings anderen Film) hat die Dynamik der Szenen zwischen Griffin und Bergkamp. Wenn der Afroamerikaner mit dem Altnazi über die jeweiligen moralischen Verwerflichkeiten redet, während des einen Leben vom Willen des anderen abhängt, wünscht man sich mehr davon. Allerdings, wie gesagt: In einem anderen Film. Denn auch das wirkt hier deplatziert. Griffin aber ist es, der – frei nach dem leuchtenden Koffer in Pulp Fiction – noch einen MacGuffin in petto hat. Und der wird ebenso überraschend eingeführt, wie er konsequent aufgelöst wird. Was bei Minute 93 zur besten Szene des Films führt. Der Rest ist (leider) durchschnittlich und öde. Übrigens: Erneut hört man nicht Gibsons angestammte Synchronstimme, Elmar Wepper, als dessen Sprecher. Nach Jürgen Heinrich in Dragged Across Concrete ist es nun immerhin der viel beschäftigte Joachim Tennstedt (Synchronstimme von Jeff Bridges, John Malkovich oder WIlliam H. Macy), dessen rauchige Stimme viel besser auf Gibson passt als Heinrich.
Force of Nature klingt spannend, ist es aber nicht. Die gute Besetzung täuscht über ein einfallsloses Drehbuch und eine zähe Inszenierung hinweg, die trotz viel Waffenpower nicht mal sonderlich viel Action liefert. Die spannendsten Aspekte hätten eher in einen anderen Film gepasst und die interessanteste Figur des Films Dass die UHD praktisch eine einzige Mogelpackung ist, passt zum wenig gelungenen Film. Wer Mel Gibson dennoch im rosafarbenen Hemd mit Knarre rumballern sehen möchte, dem reicht auf jeden Fall die Blu-ray.
Autor: Timo Wolters - © © 2020 Splendid Film. Alle Rechte vorbehalten
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