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Filmrezension: Extraction - Netflix

starwars episode IX aufstieg skywalkers newsTyler Rake war mal ein verdientes Mitglied des Geheimdienstes. Nun jedoch arbeitet der ausgebildete Sniper auf eigene Faust und schlägt sich als Söldner durch die Krisengebiete der Erde. Rake hat keine große Bindung zu irgendwem, Gefühle lässt er ohnehin …

 

 

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Tyler Rake war mal ein verdientes Mitglied des Geheimdienstes. Nun jedoch arbeitet der ausgebildete Sniper auf eigene Faust und schlägt sich als Söldner durch die Krisengebiete der Erde. Rake hat keine große Bindung zu irgendwem, Gefühle lässt er ohnehin nicht zu. Ein typischer Kerl, der nichts mehr zu verlieren hat. Und weil das so ist, sind ihm seine Auftraggeber mehr oder weniger egal, solange sie gut zahlen.

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Aktuell ist das ein international operierender indischer Gangsterboss, dessen Sohn entführt wurde und in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka gefangen gehalten wird. Tyler soll ihn aus den Fängen seiner Kidnapper befreien. Seine Gegner sind aber nicht irgendwelche Knallchargen, sondern die hochgerüsteten Soldaten eines international operierenden Drogenbarons. Für Tyler eine willkommene Gelegenheit, sich in tödliche Gefahr zu begeben. Denn mittlerweile ist er so kaputt, dass es ihm ganz Recht käme, wenn er während eines solchen Auftrags draufginge …

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Obwohl die Entwicklungsgeschichte von Extraction noch nicht sonderlich lang ist, kann der von Sam Hargrave inszenierte Actionthriller schon auf eine bewegte Titelvergangenheit zurück blicken. Als man 2018 ankündigte, dass der Film realisiert würde, hieß er noch „Dhaka“, was widerspiegelt, dass der Film zu einem Teil in der Hauptstadt Bangladeshs spielt. Nach dem Ende der Dreharbeiten benannte man den Film dann im März 2019 in „Out of the Fire“ um, bevor es dann zum finalen Titel kam, der den Inhalt des Films deutlicher wiedergibt. Hargraves, der mit Extraction sein Langfilmdebüt gibt, kennt seinen Hauptdarsteller Chris Hemsworth gut.

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Immerhin ist der Filmemacher einer der Stamm-Stunt-Koordinatoren der Marvel-Filme (unter anderem Avengers: Endgame und Infinity War) und hat sich im ersten Avengers auch schon als Stunt-Double für Chris Evans‘ Captain America in die Kämpfe geschmissen. Um den Kreis aus alten Bekannten voll zu machen, sei erwähnt, dass das Drehbuch aus der Feder von Joe Russo stammt und er gemeinsam mit Bruder Anthony auch produzierte. Das Dream-Team führte Regie bei insgesamt vier Filmen des MCU. Unter dem Label ihrer noch jungen, eigenen Produktionsfirma AGBO ist Extraction nach 21 Bridges der zweite abendfüllende Film überhaupt.

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Die Basis für die Story bildet die graphic novel Ciudad, die die Russo-Brüder gemeinsam mit Ande Parks erdacht hatten. Ursprünglich sogar als Film konzipiert, entwickelte man um 2009 herum die gemeinsame Idee und arbeitete parallel an der graphic novel und an einem Filmdrehbuch. Letzteres sollte (wie so oft bei späteren Netflix-Titeln) ursprünglich von Paramount produziert und verfilmt werden. Außerdem war anfänglich auch mal Dwayne Johnson für die Hauptrolle im Gespräch. Für die filmische Adaption, die dann doch noch gut zehn Jahre auf sich warten ließ, wechselte man nun nicht nur Hauptdarsteller, Land und Kontinent (ursprünglich spielt die graphic novel in Paraguay), sondern nimmt auch eine andere Figur, die errettet werden soll. War es in der Comic-Vorlage noch eine Frau namens Eva Roche, ist es nun ein kleiner Junge, der vor den Fängen seiner Entführer bewahrt werden soll. 

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Geblieben ist indes die Hauptfigur des Tyler Rake. Der Ex-Geheimdienstler und Scharfschütze, dessen Vergangenheit diffus ist und ihn irgendwann zum furchtlosen Söldner hat werden lassen, ist Dreh- und Angelpunkt von Extraction. Der Film betont wie die graphic novel, dass Rake nichts mehr zu verlieren hat und deshalb jedes Risiko einzugehen bereit ist. Einer, dem mehr oder weniger egal ist, wer ihn engagiert und was mit ihm passiert, bis dieser Junge ihn eines Besseren belehrt Rake mag physisch muskelbepackt und fit sein, emotional ist er ein feiger Krüppel.

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Und bis er zu seiner persönlichen Absolution gelangt, die hier konsequent und glaubwürdig durchgezogen wird, geht Hemsworth‘ Tyler durch die Hölle. Für den Darsteller ist das eine willkommene Abwechslung von seiner Saubermann-Superhelden-Rolle in Thor. Hier darf er mal so richtig im Dreck wühlen und ein misanthropisches Arschloch spielen. Vor dem Schauplatz im fernen Asien wirkt das umso authentischer und schmuddeliger. Die Straßen sind staubig, die Plätze überfüllt, die Behausungen gleichen oft Bretterverschlägen mit Wellblech-Dächern. Die Städte Bang Pong in der Provinz Ratchaburi/Thailand sowie Dhaka in Bangladesh boten den exotischen Hintergrund für die atmosphärischen Bilder.

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Neben der Intensität, die durch diese Schauplätze bewirkt wird, sorgt aber vor allem eins für packende Dynamik: Die Kamerafahrten. Nimmt man sich exemplarisch die zehnminütige Plansequenz nach etwas über 35 Minuten, klappen die Münder der Zuschauer sicherlich reihenweise runter. Was Sam Hargrave (dank seiner Erfahrung als Stuntman wohl teils selbst) und sein Kameramann Newton Thomas Sigel hier auffahren (im wahrsten Sinne des Wortes), hat man lange nicht gesehen (kurzes Making-of). Ähnlich der langen One-Shot-Szene in Alfonso Cuaróns Children of Men wird hier quasi „am Stück“ gedreht.
Die Kamera sitzt zunächst innerhalb des Mercedes, schaut Hemsworth über die Schulter oder dreht sich im Fahrzeug herum, um durch die Heckscheibe die Verfolger zu filmen. Dann wechselt sie hinter das Auto, verfolgt den Benz und guckt immer mal wieder ins Seitenfenster.

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Während der sich anschließenden Sequenz in dem Wohnkomplex ist sie erneut ganz nahe an den Protagonisten. Wie ein zweiter, den ersten deckender Mann folgt sie dem vorauseilenden, bleibt stehen, guckt sich gemeinsam mit ihm um. Dabei verfällt sie aber glücklicherweise nie in nervtötendes Gewackel, sondern ist einfach dynamisch am Geschehen. Das führt kumulierend zu wahnsinnig packend choreografierten und perfekt getimten Prügelszenen wie jener ab 39’40. Es macht einfach Spaß, dieses genau geplante Schauspiel zu verfolgen, das in seinen Hautnah-Shootouts nicht selten an John Wick erinnert. Nicht von Ungefähr wird auch der Brutalitätsfaktor des Keanu-Reeves-Actioners erreicht. Die ab 18-Einstufung nach dem Netflix eigenen Schema macht klar, dass Bilder von aufgeschlitzten Kehlen, in Garten-Harken versenkten Köpfen und Kopfschüssen in Großaufnahme nun rein gar nichts für Kids sind.

 

Fazit:

In Sachen Inszenierung, Kameraführung und Choreografie ist Extraction der bisher beste Netflix eigene Actionfilm überhaupt. Was hier an Schauwerten geboten wird, ist vor allem in der Sequenz nach etwas über einer halben Stunde allererste Sahne. Da kann sich ein Herr Bay eine ganz dicke Scheibe abschneiden. Und im Prinzip ist die Kameraarbeit oscarverdächtig. Bis auf eine kurze Entspannungsphase zur Mitte des Films wird hier praktisch zwei Stunden lang aus allen Rohren gefeuert und gegeben, was Waffen, Fäuste und Material bereithalten. Hemsworth emanzipiert sich ein wenig von seiner Superhelden-Rolle und empfiehlt sich für harte Action in diesem Stil. Dazu gibt’s ein sauberes, mit atmosphärischer Farbgebung stilisiertes und recht scharfes Bild sowie einen sehr räumlichen Ton, dem es nur ein bisschen an Bassfundamentt fehlt – klare Empfehlung für Streamer!

 

Filminfos und Inhalt: Extraction

  • Anbieter: Netflix
  • Land/Jahr: USA 2020
  • FSK 18
  • Regie: Sam Hargrave
  • Darsteller: Chris Hemsworth, David Harbour, Golshifteh Farahani
  • Tonformate UHD: Dolby Atmos (DD+-Kern): en // Dolby Digital Plus 5.1: de
  • Bildformat: 2,39:1

 

Autor: Timo Wolters - Copyright Szenenfotos: © 2020 Netflix

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