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Filmrezension: Kursk

koenig der loewen newsDas neue Jahrtausend ist noch nicht alt und der junge Schiffstechniker Pavel hat soeben geheiratet, als er unter seinem Kapitän Leutnant mit dem russischen Atom-U-Boot Kursk auf ein Manöver fahren muss. Kaum an Bord fällt Pavel auf, dass einer der Torpedos gefährlich warm wird. Kurz vor dem eigentlichen Manöver ist die...

 

 

 

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Das neue Jahrtausend ist noch nicht alt und der junge Schiffstechniker Pavel hat soeben geheiratet, als er unter seinem Kapitän Leutnant mit dem russischen Atom-U-Boot Kursk auf ein Manöver fahren muss. Kaum an Bord fällt Pavel auf, dass einer der Torpedos gefährlich warm wird. Kurz vor dem eigentlichen Manöver ist die Überhitzung nicht mehr weg zu diskutieren und Pavel vermutet ein Wasserstoff-Peroxid-Leck, das unter gewissen Umständen zu einer Katastrophe führen könnte. Eine Katastrophe, die eintritt. Es gibt eine Explosion und kurz darauf eine zweite. Ein riesiges Loch wird in den Bug des U-Bootes gerissen und lässt die Kursk auf der Stelle sinken. Nur zwei Dutzend Männer scheinen das Unglück zu überleben. Unter Kapitän Leutnant Mikhail Averin retten sie sich in die hinteren Sektionen und versuchen, von dort aus zu überleben. Während sie auf Rettung warten, stellen sich Politik und russische Marine quer. Sie verweigert die internationale Hilfe und lässt in den Medien nicht durchsickern, was genau passiert ist. Selbst die Angehörigen werden nur spärlich mit Informationen gefüttert. Es ist der 12. August 2000: Als das russische Atom-U-Boot Kursk sich für ein Manöver mit der Nordflotte in der Barentssee befindet, geht etwas gründlich schief.

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Aufgrund einer Verkettung gewisser Umstände reagierte Wasserstoffperoxid mit den Metallen Messing und Kupfer eines Torpedos. Die daraufhin entstehenden Drücke führten zu zwei kurz aufeinander folgenden Explosionen, die ein großes Loch in der Außenhülle verursachten. Gleichzeitig brach ein Feuer aus. Das eindringende Wasser ließ die Kursk innerhalb kurzer Zeit auf 108 Meter Tiefe sinken. Was darauf folgte war ein beispielloser Fall von Ignoranz und Überheblichkeit der russischen Seite. Man verweigerte aus einer Mischung von Stolz und Angst vor Spionage die angebotene Hilfe der Briten, Norweger und Amerikaner. Stattdessen suchte man mit eigenen Rettungs-U-Booten vor Ort nach Überlebenden zu sehen.

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Diese waren jedoch technisch auf eine Evakuierung nicht eingestellt. Eine Katastrophe nahm ihren Lauf. Gut 20 Jahre später wird die unglaubliche und dramatische Geschichte nun in einem Film verarbeitet. Regie bei der auf dem Buch A Time to Die basierenden Geschichte führte Thomas Vinterberg. Der Mitbegründer der Dogma-95-Bewegung nimmt ein bisschen Abstand von den Vorgaben, die er und Lars von Trier seinerzeit aufstellten, um möglichst authentische und wenig beeinflusste Filme zu machen. Obschon er auch hier versucht, so gut wie möglich ohne große Trickserei auszukommen und sich auf die Figuren zu konzentrieren. Der von Luc Besson produzierte Kursk tut nämlich genau das: Er stellt die Charaktere in den Mittelpunkt.

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Jene Matrosen, die im Sommer 2000 nach dem Unglück im U-Boot auf Hilfe hofften, gleichzeitig aber aus ihrer Unerfahrenheit weitere Fehler machten. Außerdem fokussiert er sich auch auf die Zurückgebliebenen. Auf die Ehefrauen und Anverwandten der Seeleute, die tagelang um das Leben ihrer Männer, Söhne und Väter bangten. Gleichzeitig übt der Film durchaus Kritik am russischen Verhalten und ihrer Sturheit ob einer vermeintlichen Spionage – und das nicht nur aufgrund des süffisanten Sarkasmus der West-Länder, wenn Colin Firth sich als britischer Kommodore David Russell über den maroden Zustand der russischen Flotte lustig macht.

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Wenn sich ein russischer Offizieller (Max von Sydow) vor die TV-Kameras stellt und etwas von einer möglichen Kollision mit einem anderen U-Boot erklärt, während parallel die Briten und Norweger ihre Hilfe anbieten, ist das schon bitter. Inwieweit das Leben und Treiben an Bord nun wirklich authentisch wiedergegeben wird, ist natürlich fraglich – immerhin kann man niemanden mehr dazu befragen. Ob also die russische Mannschaft wirklich Metallica im Bauch des U-Boots hörte, kann vermutlich nicht mehr rekonstruiert werden. Ohnehin ist es etwas befremdlich, wenn man die Original-Tonspur einschaltet und die russischen Matrosen auf Pavels Hochzeit englisches Liedgut singen hört. 

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Ebenso ablenkend erscheint es zunächst für den deutschen Zuschauer, dass hier mit August Diehl, Pit Bukowski und vor allem Matthias Schweighöfer bekannte Gesichter engagiert wurde, die als russische Marine-Soldaten agieren. Immerhin haben sich die Darsteller selbst synchronisiert, was eine weitere Verwirrung verhindert. Man ist auch trotzdem schnell drin, in dem Film und verfolgt das Geschehen mit Interesse. Die Explosionen, die dann nach 25 Minuten das Drama verursachen, lässt Vinterberg rapide und überraschend eintreffen, obwohl Schiffstechniker Pavel Sonin (Schweighöfer) die Probleme ja kommen sieht. Dennoch rumpelt es dann unvermittelt und ohne viel Vorgeplänkel. Die sich daran anschließende Panik und das Chaos im Bauch des U-Boots werden mit eindringlichen Bildern und dem passenden bohrend-intensiven Soundtrack rübergebracht. Man sieht die Verzweiflung in den Augen von jungen und mit der Situation völlig überforderten Matrosen, was durchaus bewegend und packend gerät.

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Auch die Inszenierung der Unterwasser-Szenen und der Enge an Bord erzeugt Spannung. Allerdings scheitert Kursk auf einer anderen Ebene. Trotz der etwas sorgsameren Einführung von Schoenaert Mikhail gelingt es nicht, den Figuren Leben einzuhauchen. Sieht man von Mikhail ab, mit dem sich der belgische Darsteller wirklich Mühe gibt, ragt keiner der 23 zunächst überlebenden Matrosen aus der Masse heraus. Man gewährt ihnen zunächst einfach zu wenig Raum, um ihnen etwas Hintergrund mitzugeben.

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Die Gruppendynamik wird ebenfalls nur mangelhaft inszeniert und die gesprochenen Dialoge hinterlassen nur wenig bleibenden Eindruck. Bewegend gerät indes der Kampf der Ehefrauen und Verwandten an Land. Wenn Mikhails Angetraute bei einer offiziellen Verlautbarung zur aktuellen Lage dem alten Petrenko widerspricht, ihn gar als Lügner bezeichnet, stellt sich zumindest heraus, dass Léa Seydoux (Madeleine Swan aus Spectre) eine wirklich leidenschaftliche Schauspielerin ist. Colin Firth darf dazu den distinguierten britischen Gentleman geben, der selbst in der für ihn äußerst ärgerlichen Lage die Ruhe bewahrt. Was am Ende bleibt, ist ein Film, der dem schrecklichen Tatsachen-Ereignis nicht komplett gerecht wird, aber mit ein paar wirklich guten Schauspielleistungen aufwarten kann. 

 

Fazit

Der reale Hintergrund von Kursk bietet reichlich Stoff für einen packenden Film. Nicht in allen Belangen ist Thomas Vinterberg das gelungen, was vor allem an den mauen Dialogen und der mangelnden Charaktertiefe der Figuren liegt. Das macht Kursk noch lange nicht zu einem schlechten Film, lässt aber Potenzial ungenutzt. 

 

 

 

Filminfos und Inhalt: Kursk

  • Anbieter: New KSM Cinema
  • Land/Jahr: Frankreich/Belgien/Luxemburg 2018
  • FSK 12
  • Regie: Thomas Vinterberg
  • Darsteller: Matthias Schoenaerts, Léa Seydoux, Peter Simonischeck, August Diehl, Max von Sydow, Colin Firth, Matthias Schweighöfer
  • Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
  • Bildformat: 1,66:1 // 2,39:1
  • VÖ: 23.01.2020

 

 Autor: Timo Wolters - Copyright Szenenfotos: New KSM Cinema