Zehn Jahre nach dem zweiten MIB hatte Barry Sonnenfeld im Auftrag von Columbia Pictures Will Smith noch einmal in den schwarzen Anzug schlüpfen und unliebsame Zeugen blitzdingsen lassen. An dessen Seite stellte man 2012 dann (Zeitreise sei dank) einen verjüngten K, der von Josh Brolin dargestellt wurde.

Molly Wright weiß schon seit ihrer Kindheit, dass die Aliens unter den Menschen leben. Immerhin verhalf sie als kleines Mädchen einem kleinen außerirdischen Kuschelmonster zur Flucht, nachdem man ihre Eltern per Gedanken-Neutralisator resettet hatte. Seitdem träumt sie davon, eine Agentin der Damen und Herren in Schwarz zu werden, die das Gleichgewicht zwischen Aliens und Menschen herstellen. Und weil sie eine ziemlich forsche Frau ist, schmuggelt sie sich (nach Absagen bei der CIA und dem FBI) bis zu Agent O in die Agency.

Zehn Jahre nach dem zweiten MIB hatte Barry Sonnenfeld im Auftrag von Columbia Pictures Will Smith noch einmal in den schwarzen Anzug schlüpfen und unliebsame Zeugen blitzdingsen lassen. An dessen Seite stellte man 2012 dann (Zeitreise sei dank) einen verjüngten K, der von Josh Brolin dargestellt wurde. Zwar geriet der Film irgendwie doch zum finanziellen Erfolg (und das trotz seiner gut 220 Mio. Dollar Produktionskosten), doch die Luft schien irgendwie raus und die Zeitreisegeschichte wirkte nur bedingt schlüssig. Dennoch gab es im gleichen Jahr bereits Gespräche über einen möglichen vierten Teil. Weitere sechs Jahre dauerte es dann, bis dieser produziert wurde und als Quasi-Spin-off zu sehen ist. Men in Black: International verlagert – nach kurzem Gastspiel in New York – die Geschichte nach London und kümmert sich um das Treiben in der britischen Agency der Schwarzanzug-Träger und Alienjäger.

Bekannte Gesichter gibt es in Form von Emma Thompson, die ihre Rolle der Agentin O aus dem dritten Teil intensivieren darf. Ansonsten gibt’s mit Chris Hemsworth und Tessa Thompson frisches Blut in Form zweier Darsteller, die sich schon aus der Asgard-Welt des MCU kennen (Thor und Valkyrie). Als erfahrener Agent kommt außerdem Liam Neeson dazu, der vor seinen Buchstaben T, sogar noch ein „High“ bekommt. Rein von der Besetzung ein durchaus attraktives Ding, dieser dritte Aufguss des 1996er Originals.

Warum es trotz des geringen Budgets (100 Mio. Dollar sind der zweitkleinste Produktionsbetrag der Filmreihe) und dem weltweiten Einspiel von 250 Mio. Dollar nicht zu einem finanziellen Erfolg kam, liegt einerseits am hohen Werbebudget und vielleicht auch an den Querelen zwischen Regisseur F. Gary Gray (Fast & Furious 8) und Produzent Walter F. Parkes, die soweit führten, dass Parkes das Drehbuch, das zunächst mehr bissige Kommentare auf soziopolitische Geschehnisse (aka: Einwanderung) ablieferte, mehr und mehr abrundete, um den kritischen Tenor bald ganz abzuwürgen. Mehrfach schien Gray aussteigen zu wollen und verlor am Ende auch die Macht über den finalen Cut des Films. Den „Rest“ tat dann die ziemlich verhaltenen Kritik des Films hinzu. Aber ist es wirklich so schlimm, wie manche US-Gazetten schrieben? Ist MIB: International „überflüssig“, „schnell vergessen“, „inhaltsleer“ „nutzlos“ und „ermüdend“?

Fangen wir mit dem Positiven an: Auch der vierte Teil ist visuell ein Genuss. Schon die hell erleuchteten, weißen Hallen und Räume der MIB-Agencys bieten diesen Wiedererkennungswert, der den Zuschauer sowohl in ein wohliges und behagliches Gefühl versetzt. Wir erinnern uns, wie Will Smith mit der viel zu großen orangeroten Jacke durch den Vorraum zum Aufzug stapfte, um hinter den Türen sein blaues Wunder zu erleben. Dieses Gefühl des lockeren Tons ist direkt von Beginn an da, sobald die Kamera die bevölkerten Ankunftshallen der Zentralen betritt. Auch in puncto visueller Effekte kann man MIB 4 nichts vorwerfen. Die Technik schreitet voran und die Tricks wirken ausgereifter. Vielleicht fehlt ihnen hin und wieder etwas knorrige Charme der 96er und 2002er Teile I und II. Wenn sich dort die schwarze Limousine kurzzeitig in ein Raketenfahrzeug verwandelte und dabei den Charme alter Stop-Motion-Filme versprühte.

Der Humor funktioniert – zunächst – ebenfalls gut. Gerade die Szenen zwischen den beiden Thompsons (Emma und Tessa) liefern einige gute Gags – und damit ist nicht nur der Seitenhieb auf den Namen der Agency gemeint. Emma Thompson ist einfach in jeder Rolle mit einem großartigen Sarkasmus gesegnet, der auch hier wunderbar funktioniert – leider ist ihre Rolle entsprechend klein ausgefallen. Die Gags zwischen M und H funktionieren auf der Basis von lockeren Zickereien zwischen Macho-Mann und Emanzen-Frau, was ebenfalls für Witz sorgt – zumal die Chemie zwischen Tessa Thompson und Chris Hemsworth wirklich gut ist.

Auch die Nettigkeiten zwischen H und C sorgen für Kurzweil. Manchmal hängt sich der Film aber etwas zu sehr an diesen Frotzeleien auf und treibt seine Geschichte nicht wirklich voran. Denn was Men in Black: International fehlt, ist eine stimmige Geschichte. Man merkt ihm an, dass Produzent Parkes (der sich auch im Bonusmaterial ziemlich in den Vordergrund drängt) die Story immer wieder anpasste, und ihm dabei irgendwann der rote Faden etwas verloren ging. Es fehlen die charmanten Details und es fehlt auch so etwas wie Spannung. Der Subplot mit dem Maulwurf wirkt ein bisschen aufgesetzt und dessen Auflösung am Ende ohnehin alles andere als überraschend.

Man kann dem vierten MIB zwar nicht vorwerfen, dass er ein schlechter Film sei. Ist er nicht. Er unterhält – und das teilweise sogar ganz gut. Aber was hätte draus werden können, wenn das Drehbuch seinen ursprünglichen Weg gegangen und in bösartig-sarkastischer Weise die (amerikanische) Flüchtlings- und Einwanderungspolitik aufs Korn genommen hätte? Da kann die Figur des Königinnen-Beschützers Pawny noch so süß und die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern noch so gut sein.; es kann Rebecca Ferguson (Ilsa aus den Mission-Impossible-Filmen) eine noch so lustvoll böse dreiarmige Alien-Dame sein – es fehlt das Außergewöhnliche, was vor allem Teil I und in Grenzen auch noch Teil II ausgemacht hatte.
Men in Black: International ist kein schlechter Film. Er ist unterhaltsam, hat einige wirklich gut funktionierende Gags und ziemlich annehmbare Special-Effects. Einziges Problem: Er fügt dem MIB-Universum nichts wirklich Neues hinzu – trotz des Schauplatz- und Schauspielerwechsels. Was bleibt, ist ein unterhaltsamer, aber irgendwie auch schnell wieder vergessener SciFi-Film.
Ganz und gar nicht vergessen wird man die Technik der Blu-ray und UHD. Deren Bild gehört zum Besten, was das jeweilige Medium derzeit zu bieten hat.
Autor: Timo Wolters - Copyright Szenenfotos: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
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