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Filmrezension: Alita Battle Angle

newsbilder Filmtipp alita battle angleRezension des Films: Alita Battle Angle. Irgendwann im 26. Jahrhundert. Die Welt, wie wir sie kennen, wurde im „Großen Krieg“ zwischen Erde und Mars zerstört. Es gibt nur noch einen Zufluchtsort, nur noch eine Himmelsstadt: Zalem. Doch dort leben nur die wichtigen und wohlhabenden Menschen. Alle anderen haben Zuflucht darunter gefunden – in einer Stadt, die auf dem Müll von Zalem errichtet wurde: Iron City.

 

 

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Dr. Dyson Ido, ein Cybertechnologie-Wissenschaftler, sucht immer wieder den Müll ab, den Zalem fallen lässt. Darauf hoffend, verwertbare Teile für seine Experimente und Prothesen-Technologie zu finden. Eines Tages entdeckt er den Kopf eines Cyborgs mit intaktem Hirn. Ido schenkt dem Roboter jenen Körper, den er einst für seine getötete Tochter konstruiert hatte und benennt den Cyborg nach ihr: Alita. Die kann sich nach dem Aufwachen nicht daran erinnern, woher sie kommt und wie sie auf die Müllhalde kam. Sie akzeptiert Ido als Ziehvater und freundet sich mit dem Straßenjungen Hugo an. Der führt sie ein in die Welt des Motorball, einer brutalen Sportart unter Cyborgs, die das gemeine Volk bei Laune hält. Als sie eines Nachts Ido folgt, kann sie diesen mit knapper Not vor drei mechatronischen Wesen retten, die Ido offenbar erlegen wollte. Es stellt sich heraus, dass ihr Ziehvater ein „Hunter Warrior“ ist – ein Kopfgeldjäger, der kriminelle Schergen in Iron City verfolgt. Während der Auseinandersetzung entdeckt Alita erstaunliche Kampffähigkeiten in sich. Etwas, das sie schon bald in große Gefahr bringen wird …

 

 

Da ist er: Alita: Battle Angel

Mit gut 16 Jahren Verspätung erblickt sie doch noch die Kino-/Heimkinowelt, die junge Alita. Schon 2003 hatte James Cameron verkündet, dass man ein Skript entwickle, nachdem ihn Guillermo del Toro zuvor auf die Idee brachte, den von 1990 – 1995 in neun Teilen veröffentlichten Manga Battle Angel Alita von Yukito Kishiro zu verfilmen. Doch dann kam Cameron eine andere SciFi-Story dazwischen: Avatar. Immer wieder beteuerte man, dass man den später in Alita: Battle Angel umbenannten Film noch machen würde. Immer wieder verschob es sich. Cameron konzentrierte sich dann zunehmend auf die Sequels zu Avatar und übergab 2015 schweren Herzens die mögliche Regie seines Herzensprojekts an Robert Rodriguez. Der Titanic-Regisseur blieb als Koproduzent an Bord und verkündete, dass man Alita, die Titelfigur, komplett per CGI animieren würde. So weit so gut. Für die Kinoauswertung zeichnete dann 20th Century Fox verantwortlich und gab (als letztem eigenen Film vor der Disney-Übernahme) letztlich ein Budget von gut 170 Mio. Dollar frei, um die visuell aufwendige Geschichte zu realisieren.

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Und dann das: Gerade einmal 85 Mio. Dollar spielte der massiv beworbene Film in den USA ein – ein Debakel. Zwar „rettete“ (hauptsächlich) die Kinoauswertung in China den Film und ließ sein Gesamteinkommen auf 400 Mio. Dollar steigen. Doch wirklich schwarze Zahlen schrieb man damit nach Abzug der Werbekosten und einbehaltenen Tantiemen der Kinos nicht. Ob es daran gelegen hat, dass man sich in der Werbung stark auf die (in den USA nicht allzu bekannte) Titelfigur konzentriert hat und nicht auf die fantastische Welt, in der der Film spielt? Es lässt sich kaum beantworten. Fakt ist: Es wird Rodriguez‘ Film nicht gerecht. Klar ist zwar, dass Alita: Battle Angel ein wenig die Seele fehlt. Dass er mehr auf Haudrauf, denn auf Charaktertiefe setzt und Style über Substanz setzt. Doch davon ab kann man dem Mix aus SciFi, Fantasy und Identitätsfindungs-Drama nichts vorwerfen.

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Fange wir bei der Optik an: Diese Cyberpunk-Welt mit klarem Steampunk-Ambiente wirkt wie eine perfektionierte Mischung aus Mortal Engines, Blade Runner und dem Videospiel Bioshock. Erwartete man bereits Großes, hat Rodriguez es noch größer machen lassen. Der Anblick von Iron City ist atemberaubend. Die in die Höhe gewachsenen Unterkünfte, die schmuddeligen Hinterhöfe, das Treiben auf den Straßen – viel lebendiger und atemberaubender hätte man das kaum inszenieren und animieren können.

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Dazu die schwebende Stadt Zalem über den Köpfen der Bewohner von Iron City. Dieser Ort des Begehrens vieler Einwohner, die davon träumen, dort oben zu leben. Dort, wo Wohlstand herrscht und Honig und Milch fließen – ein ebenso gewaltiger wie Sehnsüchte weckender Anblick gelingt dem Film, der Zalem nur von unten zeigt. Tricktechnisch ist es ohnehin allererste Sahne, was die Künstler von Weta Digital hier geleistet haben. Der Großteil der Effekte stammt aus dem Trickstudio in Wellington/Neuseeland, wo man sich größte Mühe gab, Alita möglichst real erscheinen zu lassen.

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Sieht man von den großen Augen ab, die Rodriguez als Verbeugung vor der Manga-Vorlage verstanden haben möchte (die ihm aber viel Kritik einbrachten), ist Alita tatsächlich in vielen Situationen so real wie bisher keine animierte Figur. Von den Poren ihrer Gesichtshaut über die Zähne und Lippenbewegungen bis hin zum wallenden Haar – das hat man bisher noch nicht besser gesehen. Gleiches gilt für die Verquickung von echten Schauspieler-Gesichtern mit Cyborg-Körpern. Auch hier wirkt die Optik schlüssig und nur selten hat man das Gefühl, dass man das Gesicht einfach ausgeschnitten und auf eine Roboter-Animation gesetzt hat – wie bspw. beim Absturz von Hugo nach gut 112 Minuten.

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Spricht man von diesen Cyborgs, muss auch erwähnt werden, wie gut das Motion Capturing funktioniert. Vor allem in Alita selbst sowie im bulligen Grewishka (gespielt von Watchmen-Rorschach Jackie Earle Haley) wird dies deutlich. Rosa Salazar (Maze Runner, Bird Box), die der Titelfigur ihre geschmeidigen Bewegungen verpasste, wurde ebenfalls nicht umsonst einhellig lobend erwähnt. Ihre Verkörperung der Alita ist absolut stark. Und es gelingt dem Film tatsächlich, eine Bindung zur Hauptfigur entstehen zu lassen. Dies wird besonders deutlich, wenn ihr Leben in Gefahr ist oder sich mit den anderen Hunter Killern ihre Scherze erlaubt. Der zweite Kampf mit Grewishka gerät so zu einem ersten emotionalen Höhepunkt – auch wenn das Drehbuch etwas zu wenig Mut beweist, um den Charakteren noch etwas mehr Zweidimensionalität mit zu geben.

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Wer aber ohnehin nicht unbedingt erwartet, dass man in Alita: Battle Angel einen tiefenpsychologischen Film über das Wesen der Menschheit und jenes von Cyborgs erhält, der kann sich umso mehr auf das konzentrieren, was der Film schlicht sensationell abliefert: Die Action. Klar, die Motive des Motorball sind sattsam bekannt und eigentlich eine ziemlich derbe MMA-Variante des 1975er Rollerball. Dass Battle Royale ebenfalls Pate stand, ist auch kein großes Geheimnis. Auf dessen Romanvorlage beziehen sich diverse Mangas. Aber: Die Vorlage stammt von 1990 und liegt damit neun Jahre vor der Veröffentlichung des Battle-Royale-Romans.

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Und am Ende ist’s auch egal, ob man hier auch noch Elemente aus Ghost in the Shell oder Elysium findet, wenn es dermaßen viel Spaß macht. Mit unglaublich fließenden und atemberaubenden Animationen wird der Sport und werden die Fights in der Arena zum Zuschauer transportiert. Schon alleine aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Gladiatoren gibt es außerdem viel Abwechslung während der Kämpfe. Abwechslung, die der Story selbst etwas abhanden kommt. Denn die Identitätsfindung Alitas wirkt ein bisschen schludrig inszeniert. Mehr überzeugen kann da schon Christoph Waltz als moderner (und sanfter) Dr. Frankenstein. Außerdem sorgt die Beziehung zwischen Alita und Hugo für gefühlvolle Momente. Deren Verbindung erzählt letztlich eine grenzüberschreitende Lovestory sorgt für das, was die Menschen einst im Großen Krieg erfolgreich vermissen ließen: Die Akzeptanz des Anderen.

 

Fazit:

Alita: Battle Angel ist deutlich besser als sein US-Einspiel es vermuten lassen würde. Und man kann sich nur wünschen, dass das von Rodriguez und Cameron erhoffte und zum Ende hin angedeutete Sequel trotz des eher geringen Einspiels doch noch realisiert wird. Die Chancen darauf stehen allerdings nicht sonderlich gut – insbesondere seit Disney 20th Century Fox übernommen hat und sich wohl zweimal überlegen wird, 150 – 200 Mio. Dollar für einen Nicht-Marvel-Film auszugeben.

Die Hoffnung stirbt aber bekanntlich zuletzt. Und gerade Heimkinofans werden die Daumen drücken. Denn das, was die UHD hier abliefert, spielt audiovisuell ganz weit oben mit. Vor allem der Atmos-Sound dürfte in den nächsten Monaten immer wieder zu Demontrationszwecken in potenten Heimkinos eingesetzt werde

 

   

 

Filminfos und Inhalt - Alita Battle Angle

  • Anbieter: Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany
  • USA/Kanada/Argentinien 2019
  • O-Titel: Alita: Battle Angel
  • FSK 12
  • Regie: Robert Rodriguez
  • Darsteller: Rosa Salazar, Christoph Waltz, Jennifer Connelly, Mahershala Ali, Ed Skrein, Jackie Earle Haley, Keean Johnson, Jeff Fahey, Casper Van Dien
  • Tonformate BD: dts-HD-Master 7.1: en // dts 5.1: de
  • Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // dts 5.1: de
  • Bildformat: 2,39:1
  • VÖ: im Handel

 Autor: Timo Wolters - Copyright Szenenfotos: Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany